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Ebola-Impfung: Schutz gegen ein gefährliches Virus

13.11.2023

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Ebola-Impfung: Schutz gegen ein gefährliches Virus

Zwischen Produktionsstätte und Einsatzort des Impfstoffs gegen das Zaire-Ebolavirus liegen tausende Kilometer. Um dennoch mehr darüber zu erfahren, wie es den Menschen bei einem Ebola-Ausbruch geht, luden die MSD Kolleg:innen Petra Isenhuth ein. Sie ist Vorstandsmitglied bei Apotheker ohne Grenzen.

Bereits seit 2017 produziert MSD im niedersächsischen Burgwedel einen Impfstoff gegen das Zaire-Ebolavirus – mehrere tausend Kilometer von dort entfernt, wo die Impfung im Ernstfall zum Einsatz kommt. Obwohl Virus und Erkrankung weit weg sind, wollten die MSD Kolleg:innen in der Produktion wissen: Wie geht es den Menschen in den betroffenen Regionen? In welcher Situation – und in welcher Gefahr – befinden sie sich bei einem Ebola-Ausbruch? Und wie funktioniert die Versorgung der Erkrankten?

All diese Fragen beantwortete Petra Isenhuth, Vorstandsmitglied Apotheker ohne Grenzen [https://www.apotheker-ohne-grenzen.de/], bei einem Vortrag in Burgwedel im Oktober 2023. Mehr als 100 Kolleg:innen aus der Produktion waren live oder virtuell dabei, als die selbständige Apothekerin aus Magdeburg von ihrem Einsatz Anfang 2015 in Liberia erzählte. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) war der Ausbruch in Westafrika zwischen 2014-2016 der bisher größte und tödlichste seit der Entdeckung des Virus 1976.

Petra Isenhuth berichtete von den psychischen und physischen Herausforderungen vor Ort, denn: zum Zeitpunkt ihres Einsatzes gab es noch keinen zugelassenen Impfstoff. Daher konnten Einheimische und Hilfskräfte nicht durch eine Impfung, sondern lediglich durch andere Schutzmaßnahmen wie Kleidung und Desinfektionsmaßnahmen geschützt werden. Sie erklärte auch, welche Möglichkeiten der Patientenversorgung damals zur Verfügung standen. Dabei machte sie deutlich, wie wichtig eine zielgerichtete und gut organisierte Arzneimittelversorgung in Krisengebieten ist. Sonst würden Medikamente auf dem Markt verkauft – unsachgemäß gelagert und angewendet. Und meist bekämen die Menschen nur so viele Medikament, wie sie sich leisten können, nicht wieviel sie benötigen.

Zuletzt sprach Petra Isenhuth auch über die Impfstrategie der WHO. Bei Ebola wird auf die sogenannte „Ringimpfung“ gesetzt. Dabei werden alle Personen geimpft, die engen Kontakt mit Erkrankten hatten, sowie Menschen, die wiederum Kontakt mit jemandem hatten, der oder die Kontakt zu einer erkrankten Person hatte. Diese Strategie wurde im 20. Jahrhundert bereits erfolgreich zur Eindämmung der Pockenepidemien angewandt.

Zusammen gegen das Ebola-Virus

Die Erforschung, Entwicklung und Zulassung des Ebola-Impfstoffs sind das Ergebnis einer weltweiten Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und staatlichen Institutionen. Der Impfstoff wurde ursprünglich von der kanadischen Gesundheitsbehörde entwickelt. MSD war für die weitere Forschung, Entwicklung und Zulassung des Impfstoffs verantwortlich. Auch bei der Verteilung arbeitet MSD global mit Partnern aus dem Gesundheitssektor zusammen, um einen Bestand des Ebola-Impfstoffs nachzuhalten, der eine schnelle Reaktion auf künftige Ausbrüche ermöglicht. Der globale Vorrat des Impfstoffs gegen das Zaire-Ebolavirus wird von der International Coordinating Group on Vaccine Provision (ICG) verwaltet. Jedes Land der Welt kann bei der ICG Impfstoff anfordern, wenn eine unmittelbare Gefahr oder ein entsprechender Bedarf besteht.

Zudem entwickelt MSD derzeit in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Forschungsorganisation IVAI einen Impfstoff gegen die Sudan-Variante des Ebola-Virus, gegen die es bisher weder eine zugelassene Therapie noch Impfung gibt. Diese Variante war 2022 verantwortlich für den Ebola-Ausbruch in Uganda. Um den dortigen Ausbruch schnell zu bekämpfen und Menschenleben zu retten, produzierte und spendete MSD bis Ende 2022 50.000 Dosen des Prüfimpfstoffs und stellte sie gemeinsam mit IAVI der WHO zur Verfügung. Die ersten Impfdosen trafen bereits Anfang Dezember 2022 in Uganda ein. Ein großer Erfolg, wie die WHO berichtet: So schnell wie nie zuvor standen Impfungen für die Bevölkerung zur Verfügung.

Weitere Informationen rund um Ebola gibt es auf der Webseite der WHO.

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Charlotte Gerling
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Gesundheitspolitik

Digitaler Aufbruch im Gesundheitswesen?

9. November 2023

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Jonathan Muck

Künstliche Intelligenz und Digitalisierung: seit Jahren stehen diese Themen im Mittelpunkt unzähliger Debatten. Im internationalen und europäischen Vergleich kam die Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland dabei bisher aber nur schleppend voran: In einer Studie der Bertelsmann Stiftung reichte es für Deutschland im Jahr 2018 nur für Platz 16 von 17. Eine Studie von Deloitte zeichnet ein ähnliches Bild auch in 2020: Hier belegte die Bundesrepublik Platz 7 von 8 in einem europäischen Vergleich. Damit der technologische Fortschritt es von den Diskussionspodien aber auch tatsächlich in den Alltag von Mediziner:innen schafft und zuletzt auch bei den Patient:innen ankommt, müssen auf politischer Ebene einige Weichen gestellt werden. Mit dem Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) und das Digital-Gesetz (DigiG) hat die Bundesregierung dieses Thema nun in Angriff genommen. Schafft Deutschland mit den beiden Digitalgesetzen endlich den Sprung in die Champions League der digitalen Gesundheitssysteme?

Die Stoßrichtung der Gesetzesentwürfe ist grundsätzlich richtig

Im November kommen das GDNG und das DigiG voraussichtlich ins Parlament und werden im Bundestag diskutiert. Beide sind gute Ausgangspunkte, um die Digitalisierung voranzutreiben:

  • Die Opt-Out-Regelung für die elektronische Patientenakte (ePA) verschafft vielen Versicherten leichten Zugang zur ePA. Nutzer:innen erhalten automatisch die ePA, außer sie Widersprechen der Nutzung. So kann die elektronische Version flächendeckend eingesetzt werden.
  • Ab Anfang 2024 ist das E-Rezept deutschlandweit verpflichtend. Das hat auch für Patient:innen viele Vorteile. Denn damit können sie nicht nur Rezepte ohne „Schein“ einlösen, sondern haben auch einen besseren Überblick und damit mehr Kontrolle über eingenommene Medikamente. Die ePA hilft so auch beim digitalen Medikamentenmanagement.
  • Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) können in die ePA eingebunden werden, die Telemedizin wird ausgebaut und die Behandlungsabläufe von digitaler und analoger Medizin werden besser verzahnt.

Digitalisierung muss für Patient:innen erlebbarer werden

Doch damit sind die Potentiale der Digitalisierung noch lange nicht vollständig ausgeschöpft. Bisher sehen wir vor allem die Überführung von Papierdokumenten in eine digitale Form. Dabei entsteht der Mehrwert von digitaler Versorgung vor allem dann, wenn ganze Versorgungspfade digitalisiert werden. Und genau diesen Mehrwert der digitalen Versorgung müssen Patient:innen noch deutlicher spüren. Der digitale Impfpass ist ein gutes Beispiel, wie das aussehen kann. Wichtige Impfungen werden häufig verpasst oder vergessen. Das gaben rund 47 % der Befragten einer Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) aus dem Jahr 2020 an. Impferinnerungen können zu einer besseren Prävention beitragen. Im digitalen Impfpass, der Bestandteil der ePA werden soll, könnten Zusatzfunktionen wie digitale Impferinnerungen integriert werden, die dann z.B. als Pushnachricht an die Patient:innen gesendet werden. Diese niedrigschwellige Funktion erleichtert Patient:innen ihr persönliches Gesundheitsmanagement und macht Digitalisierung spürbar. Auch eine direkte Terminbuchungen über die ePA wären denkbar, um die Service-Qualität noch weiter zu erhöhen.

Wenn die Vorteile der Digitalisierung für die Menschen direkt erlebbar sind und ihnen im Alltag helfen, dann werden sie auch gefragt sein. Nur eine Opt-Out ePA ist allein kein Garant für eine erfolgreiche Nutzung digitaler Angebote. Für die Champions League muss also der Nutzen für Patient:innen und Mediziner:innen noch stärker in den Fokus genommen werden.

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Forschung

Gesundheitswissen Denguefieber

18.09.2023

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Mosquito sucking blood on human skin with nature background

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist inzwischen etwa die Hälfte der Weltbevölkerung vom Denguefieber betroffen. Aber was löst die Erkrankung aus, welche Symptome haben Patient:innen und wie kann man sich schützen?

In den letzten Jahren gab es immer wieder Medienberichte, dass sich Denguefieber weltweit ausbreite. Tatsächlich sind die Erkrankungszahlen in den vergangenen Jahrzehnten drastisch angestiegen: Während im Jahr 2000 noch 505.430 Fälle an die WHO gemeldet wurden, waren es 2019 bereits 5,2 Millionen. Dengue kommt weltweit in tropischem und subtropischem Klima vor; inzwischen in mehr als 100 Ländern. Besonders betroffen sind Länder in Asien, Süd- und Mittelamerika und Afrika.

Seit 2008 gibt es auch regelmäßig Meldungen über Dengue in Europa. In den meisten Fällen haben sich die Erkrankten bei Auslandsreisen angesteckt. Doch 2010 wurden die ersten Ansteckungen in Frankreich und Kroatien gemeldet. 2022 gab es insgesamt 71 Ansteckungen in Europa, davon 65 Fälle in Frankreich und 6 Fälle in Spanien. Grund für die Ausbreitung sind die steigenden Temperaturen in Europa, mit längeren und wärmeren Sommermonaten sowie häufigere Überschwemmungen.

Ansteckung und Symptome

Diese Witterungsbedingungen begünstigen die Ausbreitung der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus). Diese beiden tagaktiven Stechmückenarten sind für die Übertragung des Denuguevirus verantwortlich. Denguefieber wird durch eine der vier Subtypen des Virus verursacht. Die gute Nachricht: Die meisten Menschen erkranken asymptomatisch oder entwickeln milde fieberhafte Symptome. Die Erkrankung heilt in der Regel folgenlos aus und Patient:innen sind dann gegen den Subtyp immun, an dem sie erkrankt waren. Eine erneute Erkrankung an einem der anderen Subtypen ist jedoch möglich.

In seltenen Fällen kann es zu einem schweren Verlauf kommen, dem hämorrhagischen Denguefieber (DHF). Zuerst verläuft die Erkrankung klassisch, bis es nach ca. fünf Tagen zu dramatischen Verschlechterung. Symptomen des DHF können starke Bauchschmerzen, anhaltendes Erbrechen, schnellere Atmung, blutende Schleimhäute, Bluterbrechen, Erschöpfung oder Unruhe sein. In besonders schweren Fällen kann es zum Dengue-Schock-Syndrom (DSS) kommen. Betroffene sollten sich daher schnellstmöglich nach Auftreten der schweren Symptome in ärztliche Behandlung geben. Unbehandelt können DHF und DSS tödlich sein. Schwere Verläufe treten häufiger bei Patient:innen auf, die sich erneut mit einem anderen Subtypen infizieren oder bei Kindern, die in den Risikogebieten leben. Sie können aber auch bei einer Erstinfektion vorkommen.

Behandlung und Prävention

Es gibt bisher keine wirksamen Medikamente gegen Dengueviren. Die Behandlung von Patient:innen ist daher symptomatisch und versucht, die Beschweren zu lindern und Komplikationen zu verhindern. Reisende können sich bei Tropen- bzw. Reisemedizinern zu einer möglichen Impfung beraten lassen. Das Auswärtige Amt empfiehlt, in Risikogebieten lange Kleidung zu tragen und Mückenschutzmittel zu nutzen. Letzteres sollte nicht nur auf unbedeckte Köperstellen gesprüht werden, sondern entsprechende Produkte auch zum Besprühen der Kleidung genutzt werden. Wichtig ist, diese vor allem am Tag anzuwenden, weil die Mücken tagaktiv sind und nachts, wenn das Licht an ist.

MSD arbeitet bereits intensiv mit Partnern daran, einen Impfstoff gegen Dengue zu entwickeln. „Wir testen unseren Impfstoffkandidaten derzeit in einer Phase-2-Studie – auch in Deutschland“, erklärt Dr. Monika Köhler, Director Klinische Forschung bei MSD. „Die Vorbereitungen für die Phase III Studie laufen bereits.“

Weitere Informationen zum Engagement von MSD gegen das Denguevirus gibt es auf unserer globalen Webseite. Das Robert Koch-Institut beantwortet außerdem die häufigsten Fragen um das Virus auf seiner Webseite.

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Gesundheitspolitik

Das EU-Pharmapaket: Ein Schritt vor, zwei zurück

27. Juni 2023

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Lange wurde gewartet, am 26. April war es dann so weit: Die EU-Kommission präsentierte ihr EU-Pharmapaket. Die erste große Reform des EU-Arzneimittelrechts seit zwei Dekaden. Entsprechend groß sind die Ambitionen der EU-Kommission. Nichts weniger als einen „Gamechanger“ versprach die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides den Abgeordneten des EU-Parlaments.

Und tatsächlich hat sich die Behörde viel vorgenommen: Alle EU-Bürgerinnern und Bürger sollen künftig gleichberechtigt Zugang zu innovativem Arzneimittel haben – unabhängig von dem Land, in dem sie leben. Aktuell gibt es noch eine große Kluft: Sind in Deutschland rund 90% aller innovativen Arzneimittelverfügbar, sind es in Bulgarien oder Rumänien lediglich 30%.

Zudem soll das Paket ein innovationsfreundliches Klima für Pharmaunternehmen schaffen. Damit soll die Forschung und Entwicklung neuer Medikamente gefördert werden. Insbesondere bei Erkrankungen, die bisher nicht behandelt werden konnten. Große Ziele für eine große Reform.

Die Richtung stimmt also. Doch die EU-Reform droht, an ihrem eigenen Anspruch zu scheitern. Statt mehr Innovationen und einem besseren Zugang zu Arzneimitteln für Patientinnen und Patienten könnte das Paket genau das Gegenteil bewirken. Warum? Die EU-Kommission setzt die falschen Prioritäten. Ein Fortschritt an einer Stelle wird durch zwei Rückschritte anderswo konterkariert.

Gute Intention, mangelhafte Umsetzung

Besonders problematisch sind die Vorschläge zur Schwächung des Schutzes geistigen Eigentums. Konkret will die EU-Kommission den Unterlagenschutz von derzeit acht auf sechs Jahre verkürzen. Doch das ist ein riskantes Spiel. Denn der Unterlagenschutz ist ein wichtiger Anreiz für Unternehmen, in die Forschung und Entwicklung neuer Arzneimittel zu investieren. Er garantiert, dass Unternehmen ihre kostspieligen Investitionen ausgleichen können. Dies ist besonders bei komplexen Entwicklungsprozessen wie Biologika wichtig, wo der Patentschutz häufig früher endet. Wird der Schutz gekürzt, sinkt der Anreiz zur Innovation – und damit die Chance auf innovative Therapien von morgen.

Dabei ist gerade der Patent- und Unterlagenschutz ein Wettbewerbsmerkmal der EU. Eine Schwächung dieses System mindert die Attraktivität des Pharmastandorts. Langfristig könnten F&E und Produktion abwandern, was bestehende Abhängigkeiten verstärkt – ein Trend, dem die EU eigentlich entgegentreten wollte.

Da hilft es nicht, dass der Verlust an Unterlagenschutz unter Umständen wieder ausgeglichen werden könnte, wenn Unternehmen ihre Produkte innerhalb von zwei Jahren in allen 27 Mitgliedsstaaten auf den Markt bringen. Denn diese Option bleibt für die Unternehmen rein theoretischer Natur. Denn die Verfügbarkeit von Arzneimittel hängt maßgeblich von den 27 verschiedenen Gesundheitssystemen in der EU ab. Hindernisse sind langsame Regulierung, verzögerte Marktzugangsbewertung oder doppelte Evidenzanforderungen. Wer die Zugangsprobleme in der EU beseitigen will, muss hier ansetzen.

Tatsächlich haben sich die forschenden Pharmaunternehmen bereits heute verpflichtet, die Verfügbarkeit ihrer Arzneimittel zu verbessern – etwa indem sie rechtzeitig die nötigen Anträge und Unterlagen für Preis- und Erstattungsverhandlungen auf nationaler Ebene einreichen. Jetzt ist es an den Mitgliedsstaaten ihren Verpflichtungen nachzukommen. Die EU könnte dies unterstützen, indem sie gemeinsame Plattform aufsetzt, um über echte Lösungsansätze zu diskutieren. Eine Kürzung des Unterlagenschutzes ist jedoch keiner davon.

Mehr Mut für Innovationen gefragt

Bei aller Kritik enthält das Paket auch gute Ansätze. Die Vorschläge der EU-Kommission zum Bürokratieabbau und zur Reform der Zulassungsprozesse gehen in die richtige Richtung. Kürzere und innovationsfreundlichere Verfahren können helfen, dass neuartige Therapien schneller zugelassen werden und damit den Patientinnen und Patienten in der EU früher zur Verfügung stehen. Das ist insbesondere für Deutschland entscheidend. Dank der frühzeitigen Erstattung durch das sog. AMNOG-Verfahren hierzulande sind innovative Therapien in Deutschland kurz nach der Zulassung zur Verfügung.

Allerdings wäre mehr Ambition wünschenswert. Vor allem in Sachen Digitalisierung ist noch Luft nach oben, beispielsweise bei der Einführung der digitalen Patienteninformation (ePI). Die elektronische Version des alt-bekannten Beipackzettels ist patientenfreundlich, umweltschonend und hilft auf Lieferengpässe zu reagieren. Doch nach den Plänen der EU-Kommission droht ein Flickenteppich, wonach zunächst jeder EU-Staat eine eigene Regelung trifft. Eine einheitliche Umsetzung könnte es erst in vielen Jahren geben.

Die Kommission hat auch in Bezug auf Antibiotikaresistenzen wichtige Schritte nach vorne gemacht. Mit dem Vorschlag für übertragbare Exklusivitätsgutscheine (TEV) sollen Anreize für die Entwicklung von Reserveantibiotika geschaffen werden. Ob das Ziel mit diesem Instrument aber erreicht werden kann, hängt stark von der konkreten Ausgestaltung dieser Gutscheine ab. Der aktuelle Vorschlag der EU-Kommission ist so restriktiv gestaltet, dass er wohl kaum ausreicht, um neue Innovationen in diesem Bereich anzuregen.

Nachdem die EU-Kommission das Pharma-Paket vorleget hat, sind jetzt die Politiker:innen im EU-Parlament und die Mitgliedsstaaten am Zug. Sie müssen ihre Positionen formulieren und dann ein gemeinsames Paket verhandeln. Was wir jetzt brauchen, ist mehr Mut für Innovation – egal ob bei der Digitalisierung, der Reform von Zulassungsprozessen oder in der Antibiotikaentwicklung. Statt sich in Diskussionen über Unterlagenschutz zu verfangen, sollte sich die EU auf Verbesserungen der Innovationsbedingungen konzentrieren. Nur so kann das Pharmapakt zum „Game Changer“ für Patientinnen und Patienten und für den Wirtschaftsstandort in Europa werden.

Die ausführliche Stellungnahme des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) zur Reform des EU-Arzneimittelrechts finden Sie hier.

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Digital Health

Wie kann KI in der Klinik oder Arztpraxis helfen?

21. März 2023

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Auf blauem Hintergrund sind verschiedene grafische Elemente zu sehen. Links ein stilisierter Kopf einer Frau, rechts in verschiedenen Kacheln medizinische Zeichen wie Tabletten, DANN-Strang, Lunge, Bluttropfen, Kardiogramm oder Spritze.

Künstliche Intelligenz (KI) hält nach und nach in fast allen Lebensbereichen Einzug. Wo kann sie auch für Ärzt:innen und Patient:innen einen Mehrwert bieten?

„Es steht außer Frage, dass intelligente Lösungen im Klinik- und Praxisalltag zukünftig eine bedeutende Rolle spielen werden“, erklärt Dr. Hartmuth Nowak, Ärztlicher Leiter am Zentrum für Künstliche Intelligenz, Medizininformatik und Datenwissenschaften des Universitätsklinikums Bochum.

Aber wo können Daten und KI medizinisches Personal unterstützen – und so den Patient:innen helfen? Bei einer Fortbildungsveranstaltung erläuterte Dr. Nowak das am Beispiel der Sepsis – umgangssprachlich oft als „Blutvergiftung“ bezeichnet. Es sei möglich, dass KI-basierte Systeme eine Sepsis vorhersagen könnten. Eine amerikanische Studie zeigte gute Ergebnisse: Wurden Patient:innen im Krankenhaus zusätzlich mithilfe eines Algorithmus überwacht, mussten sie kürzer in der Klinik bzw. auf der Intensivstation behandelt werden. Auch die Sterblichkeitsrate dieser Gruppe war niedriger als die der Patient:innen, die ohne ergänzende KI-Unterstützung überwacht wurden.

Herausforderungen bei der Einführung

Derzeit sind diese „KI-Studien noch wenig am Krankenbett angekommen“, sagt Dr. Nowak. Die Gründe dafür sieht er u. a. den zahlreichen regulatorischen Aspekten, die bei der Entwicklung von Medizinprodukten wie KI-Systemen zu beachten sind.

Noch schwieriger sei es derzeit, solche KI-Systeme in Arztpraxen zu etablieren. Die größten Herausforderungen: die teils uneinheitlichen Patientenakten und oft unstrukturierte Dokumentation. Beides macht die Datenerfassung und -harmonisierung schwierig. Dabei könnten die Systeme in der Arztpraxis nicht nur bei medizinischen Fragestellungen unterstützen, sondern auch organisatorische Aufgaben übernehmen, z. B. automatische Patientenerkennung und -benachrichtigung für anstehende Termine.

„Wir werden sicherlich nie an den Punkt kommen, dass Medizin vollständig automatisch abläuft“, sagt Nowak. Das sei auch nicht wünschenswert. Aber gerade angesichts des derzeitigen Personalmangels im Gesundheitswesen hält er die Unterstützung durch KI-basierte Systeme für relevant, damit Ärzt:innen und Pflegepersonal mehr Zeit für die Patient:innen bleibt.

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Forschung

Gesundheitswissen Pulmonale Hypertonie

13. März 2023

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Eine Ärztin mit Mundschutz sitzt in Praxisräumen und erklärt etwas. Im Vordergrund des Bildes ist ein Patient im Anschnitt von hinten zu sehen.

Schätzungen zufolge leiden weltweit etwa ein Prozent der Menschen an pulmonaler Hypertonie (PH). Aber was genau ist Lungenhochdruck und was bedeutet die Erkrankung für Patient:innen?

Unter dem Begriff der pulmonalen Hypertonie (PH), auch als Lungenhochdruck bezeichnet, werden mehrere Krankheitsbilder zusammengefasst. Was sie alle gemeinsam haben: Der Blutdruck im Lungenkreislauf ist bei Betroffenen chronisch erhöht. Bei gesunden Menschen liegt der Blutdruck in der Lungenarterie – also der Arterie, die das sauerstoffarme Blut vom Herzen zur Lunge transportiert – unterhalb eines Wertes von 20 mmHg, bei Patient:innen mit Lungenhochdruck liegt er dauerhaft bei 20 mmHg oder höher.

Betroffen sind etwa ein Prozent der Weltbevölkerung, bei über 65-jährigen sind es schätzungsweise bis zu zehn Prozent. Symptome können u. a. unter Kurzatmigkeit und geringe körperliche Belastbarkeit sein. Es können auch Atemnot bis hin zur Ohnmacht bei körperlicher Anstrengung, Brustschmerzen oder Wassereinlagerungen (Ödeme) in den Beinen auftreten. Da die Symptome insbesondere zu Beginn der Erkrankung nicht spezifisch sind und denen anderer Lungenkrankheiten ähneln, kann es dauern, bis die Diagnose gestellt wird. Dazu ist eine komplexe Diagnostik mit zahlreichen unterschiedlichen Untersuchungen wie EKG, Lungenfunktionsdiagnostik und Ultraschall des Herzens nötig. Anders als der Körperblutdruck, der am Arm gemessen werden kann, ist die Messung des Lungendrucks nur mithilfe eines operativen Eingriffs möglich. Dieser wird erforderlich, um die Diagnose der PH zu festigen und den Schweregrad einzuschätzen.

Die Untersuchungen haben neben der Früherkennung des Lungenhochdrucks auch das Ziel, die Erkrankung genau zu klassifizieren. Denn nur wenn die/der behandelnde Ärzt:in die Ursache der PH kennt, kann sie/er eine geeignete Therapie wählen. Es werden fünf Klassen der PH unterschieden:

  1. Pulmonal-arterielle Hypertonie (PAH)
    Bei der PAH sind die Arteriolen der Lunge verengt oder aufgrund von Zellwucherungen verändert. Die Erkrankung ist selten, aber schwerwiegend. Betroffen sind auch häufig jüngere Patient:innen, insbesondere jüngere Frauen.
  2. Pulmonale Hypertonie infolge Linksherzerkrankung
    Lungenhochdruck kann auch eine Folge einer Erkrankung der linken Herzhälfte sein, etwa wenn sich aufgrund dessen der Fülldruck der linken Herzhälfte erhöht und es schließlich zum Rückstau des Blutes in die Lunge kommt. Diese Form der PH kommt sehr häufig vor.
  3. Pulmonale Hypertonie infolge Lungenerkrankungen und/oder Sauerstoffmangel
    Diese Gruppe umfasst Patient:innen, deren pulmonale Hypertonie aufgrund einer Krankheit der Bronchien und/oder des Lungengewebes besteht, etwa einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).
  4. Chronisch-thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH)
    Betroffene, die Lungenhockdruck aufgrund von Lungenembolien entwickeln, werden unter der Bezeichnung chronisch-thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH) zusammengefasst.
  5. Pulmonale Hypertonie mit unklarem oder multifaktoriellem Mechanismus
    Die letzte Gruppe schließt die Patient:innen ein, bei denen die Ursache des Lungenhochdrucks unklar ist oder durch komplexe, sich überschneidende Erkrankungen ausgelöst wird.

Eine frühe Diagnose einer PH ist besonders wichtig, da die Krankheit in der Regel einen fortschreitenden und lebensbedrohlichen Verlauf nimmt. Eine Heilung ist bisher zumeist nicht möglich. Dank großer Fortschritte in der Therapie ist die Prognose in den vergangenen Jahren jedoch erheblich besser geworden. Zudem wird weiter intensiv an neuen Behandlungen und Arzneimitteln geforscht. Auch wir von MSD forschen an Therapien für verschiedene Arten der pulmonalen Hypertonie.

Weitere Informationen zu Lungenhochdruck haben die Deutsche Herzstiftung und der Lungeninformationsdienst zusammengestellt.

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Diversity

#GesundheitsGeschichte: Frauen in der Wissenschaft

13. Januar 2023

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Bild von Susan Jenkins im Labor an einem Forschungsgerät. Daneben steht ihr Zitat „Denke immer daran, dass du dafür verantwortlich bist, anderen zu helfen, die nach dir kommen“.

Noch immer denkt man beim Beruf des „Wissenschaftlers“ an einen älteren Mann mit Brille. Dabei gab es schon immer erfolgreiche Frauen in der Forschung: wie Chemikerin Susan Jenkins.

Frauen sind in wissenschaftlichen Berufen nach wie vor unterrepräsentiert: Nur etwa 30 Prozent aller Wissenschaftler:innen weltweit sind Frauen. Um darauf aufmerksam zu machen und einen gleichberechtigten Zugang zu Tätigkeiten in Forschung und Wissenschaft zu fördern, haben die Vereinten Nationen den 11. Februar zum Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft erklärt.

Einen möglichen Grund für die geringe Zahl an Frauen in wissenschaftlichen Berufen sehen einige in fehlenden Vorbildern. Das Stereotyp eines:einer Wissenschaftler:in ist noch immer ein älterer Mann mit Brille, wie eine Studie unter Schüler:innen aus dem Jahr 2021 zeigt. Dabei gab es schon immer Frauen, die die Wissenschaft maßgeblich geprägt haben – es wird nur zu wenig über sie gesprochen. Wir möchten heute eine von ihnen vorstellen: die Chemikerin Susan Jenkins.

Susan Jenkins begann ihre Karriere bei MSD im Jahr 1957 – als erste schwarze Chemikerin im Unternehmen. Ihren Abschluss hatte Susan zuvor am South Carolina State College gemacht, einer Hochschule, die vor dem Civil Rights Act 1964 für die Bildung der schwarzen Bevölkerung gegründet worden war. Viele ihrer Kolleg:innen hatten an Elitehochschulen studiert, was Susan zu Beginn verunsicherte. Doch sie wurde von ihren Kolleg:innen bestärkt und fühlte sich schnell als Teil der Forschungsgruppe, erzählte sie später. Das Team arbeitete erfolgreich zusammen: Sie schafften es erstmals Ribonuklease (RNA) künstlich herzustellen.

Obwohl sie immer Spaß an ihrer Arbeit in der Forschung hatte, wechselte Susan im Laufe ihrer Karriere in die Personalabteilung. Auch dort erreichte sie viel: als Gleichstellungsbeauftragte, Personalleiterin für die MSD Research Laboratories (MRL) und zuletzt als Senior Vice President Human Resources. Ihr Ziel war es, die Karrierechancen für Frauen und People of Colour (PoC) innerhalb des Unternehmens weiter zu verbessern. Sie war überzeugt, dass es wichtig ist, sich nicht nur für sich, sondern auch für andere einzusetzen.

In einem Interview 2020 sagte sie: „Du musst erst für dich selbst eintreten, und danach für andere. Denke immer daran, dass du dafür verantwortlich bist, anderen zu helfen, die nach dir kommen.“

Warum sich Frauen und Mädchen für einen wissenschaftlichen Beruf bzw. eine wissenschaftliche Ausbildung entscheiden sollten, haben wir Kolleginnen von MSD in Deutschland gefragt.

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Forschung

#einfacherklärt: Gibt es eine HIV-Impfung?

31. Januar 2023

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Eine Hand, die einen Gummihandschuh trägt, hält ein Reagenzglas. Darauf klebt ein Aufkleber mit der Aufschrift HIV und zwei Kästchen, die HIV negativ und HIV positiv andeuten. Das Kästchen bei HIV positiv ist angekreuzt.

Wie ist der aktuelle Stand der Forschung im Bereich HIV? Wie funktionieren die Therapien und gibt es einen Impfstoff? Wir haben unsere Kollegin Claudia Kröger gefragt, die die Entwicklung der HIV-Pandemie in Deutschland von Beginn an begleitet hat.

Liebe Claudia, die wichtigste Frage zuerst: Gibt es einen Impfstoff gegen HIV? Und wenn nicht, warum gibt es keine Impfung gegen HIV?
Nein, bisher gibt es keine Impfung, die vor einer Ansteckung mit dem HI-Virus – dem Humanen Immundefizienz-Virus – schützt. Ein großes Problem ist, dass sich das Virus ständig verändert und so immer neue Varianten entstehen. Hat man Antikörper gegen eine Variante entwickelt, helfen diese gegen eine andere möglicherweise überhaupt nicht. Bei einer HIV-Therapie werden auch deshalb immer verschiedene Medikamente eingesetzt, um die Vermehrung des Virus an verschiedenen Stellen zu blockieren. Mittlerweile stehen mehr als 20 Wirkstoffe gegen das Virus zur Verfügung. Was es inzwischen gibt, um eine Ansteckung zu vermeiden, ist eine sogenannte Präexpositionsprophylaxe (PrEP). Dabei handelt es sich um Medikamente, die regelmäßig eingenommen werden müssen, um eine Infektion verhindern zu können.

Du hast in den 1980er-Jahren als Arzthelferin einige der ersten HIV-Patient:innen betreut und in deinem Biologiestudium selbst zum Virus geforscht. Wie hast du die Entwicklung der HIV-Pandemie erlebt?
Am Anfang war es schlimm. Wir hatten wenig Möglichkeiten, den Menschen zu helfen. Und das Virus macht es den Wissenschaftler:innen nicht leicht. Es mutiert nicht nur ständig, sondern bietet auf seiner Oberfläche wenig Möglichkeiten für Antikörper „anzudocken“. Trotzdem standen bereits Mitte bzw. Ende der 1990er-Jahre die ersten Therapien zur Verfügung. Das hat viele Leben gerettet! Heute nehmen die meisten Menschen, die mit einer HIV-Infektion leben, ein bis zwei Tabletten pro Tag. Wenn Sie ihre Behandlung früh begonnen haben und konsequent ihre Medikamente einnehmen, führen sie so ein fast normales Leben.

Kannst du etwas näher erklären, wie eine HIV-Behandlung funktioniert?
Bei einer HIV-Therapie werden unterschiedliche Wirkstoffe miteinander kombiniert, die an verschiedenen Stellen der Virusvermehrung ansetzen. Das bedeutet, dass manche Medikamente verhindern sollen, dass das Virus in eine Zelle eindringt, andere wiederum, dass das Virus sein Erbgut in die Zelle einsetzt oder wieder andere, dass infizierte Zellen neue Viren produzieren. Diese Form der Kombinationstherapie hat sich bewährt: Dadurch kann die Vermehrung des Virus sogar so stark unterdrückt werden, dass es im Blut nicht mehr nachweisbar ist. Dann kann es auch nicht mehr übertragen werden – auch nicht beim Sex! Laut aktueller Zahlen des Robert Roch-Instituts von Dezember 2022 leben ca. 90.800 Menschen mit HIV in Deutschland. Etwa 90 Prozent davon sind diagnostiziert. Von den diagnostizierten Personen befinden sich 96 Prozent in Therapie und davon gelten ebenfalls 96 Prozent als erfolgreich therapiert, bei ihnen ist das HI-Virus also nicht nachweisbar.

HIV ist also nach wie vor nicht heilbar, aber gut behandelbar. Was sind aus deiner Sicht die größten Herausforderungen, vor denen Menschen, die mit HIV infiziert sind, heute stehen?
Leider sind das vor allem Diskriminierung und Stigmatisierung. In einer Befragung der Deutschen Aidshilfe im Jahr 2020 gaben 95 Prozent der Teilnehmenden an, dass sie in den vergangenen zwölf Monaten eine diskriminierende Erfahrung aufgrund ihrer Infektion gemacht haben. 52 Prozent haben angegeben, dass sie wegen Vorurteilen in ihrem Leben beeinträchtigt sind. Das liegt vor allem daran, dass viele Menschen zu wenig über HIV wissen – bzw. ihr Wissen noch auf dem Stand aus den 1980er Jahren stammt – und Berührungsängste gegenüber Menschen mit HIV haben. Sie haben Angst sich bei alltäglichen Dingen anzustecken. Dabei ist HIV relativ schwer übertragbar. Egal ob umarmen, vom gleichen Teller essen oder küssen: Es besteht in diesen Fällen kein Risiko, sich mit HIV anzustecken. Ich würde mir sehr wünschen, dass das in der Gesellschaft ankommt und Menschen endlich mit HIV, aber ohne Stigmatisierung leben können.

Weitere Informationen zu HIV haben wir auf unserer Patientenwebseite zusammengestellt. Außerdem beantwortet das Robert Koch-Institut hier die häufigsten Fragen zu einer HIV-Infektion und AIDS.

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Forschung

Pipeline für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

16. Januar 2023

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Eine junge Ärztin erklärt einem Patienten etwas. Die Ärztin ist mit dem Gesicht der Kamera zugewandt. Den Patienten sieht man lediglich seitlich von hinten, sodass nur ein Teil des Rückens und des Gesichts zu sehen ist.

MSD forscht intensiv an Therapiemöglichkeiten für verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Denn allein in Deutschland waren sie 2020 für etwa ein Drittel aller Todesfälle verantwortlich.

Das Herz eines Menschen schlägt ohne Pause zwischen 60- und 80-mal pro Minute. So pumpt es innerhalb von 24 Stunden ca. 7.000 Liter Blut durch das rund 100.000 Kilometer lange Netz an Blutgefäßen im Körper. Erkrankungen des Herzens oder des Kreislaufsystems können schwerwiegende Konsequenzen haben: 2020 mussten deutschlandweit mehr als 1,5 Millionen Menschen allein wegen Herzkrankheiten stationär im Krankenhaus behandelt werden. Etwa ein Drittel aller Sterbefälle in Deutschland gingen im selben Jahr laut Statistischem Bundesamt auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurück.

Der Begriff Herz-Kreislauf-Erkrankungen fasst Krankheiten des Herzens und der Blutgefäße zusammen – also ein sehr breites Spektrum an Erkrankungen. Häufig handelt es sich um chronische Krankheiten, die schwere Folgen haben können, wenn sie nicht konsequent behandelt werden. MSD forscht daher intensiv an neuen Therapieoptionen u.a. zur Behandlung von Lungenhochdruck oder der Senkung des Thromboserisikos bei Patient:innen mit chronischem Nierenversagen im Endstadium.

Bevor die Arzneimittel zugelassen werden, durchlaufen sie umfassende klinische Studien. In verschiedenen Studienphasen werden Verträglichkeit, Wirksamkeit und potenzielle Neben- und Wechselwirkungen untersucht. „Wir versuchen in Deutschland so häufig wie möglich Teil von weltweiten Studienprogrammen zu sein“, erklärt Sigrid Viergutz, Director Clinical Research DACH bei MSD. „Denn das kommt nicht nur den Patient:innen zugute, die in den Studien ein innovatives Prüfmedikament bekommen, sondern auch zukünftigen Betroffenen. Durch die Teilnahme an den klinischen Studien konnten Ärztinnen und Ärzte aus Deutschland bei einer Zulassung bereits Erfahrungen mit dem neuen Therapeutikum sammeln – und können diese mit Kolleginnen und Kollegen teilen.“

Weitere Informationen zu klinischen Studien gibt es hier.
Einen Überblick über die Pipeline von MSD bietet die weltweite MSD Webseite.

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Charlotte Gerling
Sen. Specialist Corporate Communications

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Gesundheitspolitik

Neue Antibiotika – Die Herausforderung gemeinsam meistern

24. November 2022

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Antibiotikaresistenzen: Die schleichende Pandemie

Antibiotika zur Behandlung von bakteriellen Infektionen zählen zu den größten Erfolgen der Medizin. Viele Krankheiten haben durch sie ihren Schrecken verloren. Doch bei manchen resistent gewordenen Bakterien wirken sie nicht mehr. Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Prof. Dr. Lothar H. Wieler, sprach kürzlich von einer „schleichende Pandemie“. Schaut man sich die aktuellen Zahlen an, versteht man was er meint. Weltweit sterben jährlich ca. 1,3 Millionen Menschen an einer Infektion mit multiresistenten Keimen. Allein in Deutschland sind es rund 9.700 Todesfälle. Die Bildung von Antibiotikaresistenzen ist ein natürlicher Prozess, der durch den unsachgemäßen und übermäßigen Einsatz von Antibiotika begünstigt wird. Durch den rationalen und sehr begrenzten Einsatz von Antibiotika kann dieser Vorgang nur verlangsamt werden. Die stetige Forschung an und Entwicklung von neuen Wirkstoffen ist daher unverzichtbar.

MSD treibt Forschung und Entwicklung voran

Als eines von wenigen großen Pharmaunternehmen weltweit treibt MSD die Entwicklung neuer Reserveantibiotika voran – und das, trotz widriger Marktbedingungen. Neben der eigenen Forschung & Entwicklung unterstützt MSD auch gemeinschaftliche Projekte wie den AMR Action Fund und INCATE). Zuletzt konnte MSD gemeinsam mit dem Bill & Melinda Gates Medical Research Institute verkünden, dass eine Lizenzvereinbarung für zwei präklinische Antibiotika gegen Tuberkulose abgeschlossen wurde.

Bessere Marktbedingungen und Anreize für die Erforschung von Reserveantibiotika

Zwar hat sich die Bundesregierung erst in diesem Jahr wieder im Rahmen der G7-Abschlusserklärung und im Koalitionsvertrag klar zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen bekannt und arbeitet derzeit an der Fortführung der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART 2030), trotzdem sind die Rahmenbedingungen für den Einsatz neuer Antibiotika sind in Deutschland nach wie vor schwierig. Reserveantibiotika, die v.a. bei stationären Aufenthalten von Patient:innen zum Einsatz kommen, werden über die Fallpauschalen der generischen und kostengünstigeren Antibiotika abgerechnet und somit dem Krankenhaus nicht kostendeckend erstattet. Dabei ist es dringend geboten, dass Reserveantibiotika nur möglichst selten zum Einsatz kommen – also in Reserve bleiben. Aus diesem Grund legt der G-BA strenge Vorgaben zur qualitätsgesicherten Anwendung für einzelne Reserveantibiotika fest. Es ist daher nicht nachvollziehbar, dass der verantwortungsvolle und zielgerichtete Einsatz eines Reserveantibiotikums nicht auch mit einer entsprechenden Deckung der Kosten einhergeht. Ein gesondertes Zusatzentgelt ausschließlich für Reserveantibiotika, das den nicht gedeckten Finanzierungsbedarf sichert, ist dabei eine niederschwellige, kurzfristig umsetzbare Maßnahme, um diesen Systemfehler zu beheben. Dies würde den fachgerechten und qualitätsgesicherten Einsatz stärken und dazu beitragen, die Bildung von Resistenzen zu vermeiden. Der vollständige Lösungsvorschlag ist hier einsehbar.

Neben der Verbesserung nationaler Rahmenbedingungen brauchen wir aber auch internationale Lösungen – denn Antibiotikaresistenzen machen nicht an Grenzen halt. Ein wirksames Anreizmodell ist dabei zum Beispiel das Konzept einer übertragbaren Verlängerung der Marktexklusivität (sog. Transferable Exclusivity Extensions, kurz TEEs) auf EU-Ebene. Das bedeutet: Ein forschendes Unternehmen, dem es gelingt, ein neues und effektives Antibiotikum auf den Markt zu bringen, erhält die Möglichkeit, die Marktexklusivität eines anderen, selbstgewählten Arzneimittels für einen begrenzten Zeitraum zu verlängern. Dieses Anreizmodell hat den Vorteil, dass alle Pharmaunternehmen unabhängig von der Größe profitieren und dass keine staatliche Vorfinanzierung notwendig ist. Weitere Hintergrundinfos zu TEEs finden Sie hier.

Nationale Maßnahmen sind Voraussetzung für wirksame internationale Anreizmodelle

Gegen bakterielle Infektionen sind derzeit einige neue Antibiotika in Entwicklung, doch um den Vorsprung gegenüber resistenten Bakterien zu wahren, braucht es mehr. Dafür ist ein Bündel an nationalen und internationalen politischen Maßnahmen notwendig. So kann die Erforschung und Entwicklung neuer antimikrobieller Wirkstoffe weltweit vorangetrieben und deren Finanzierung gewährleistet werden. TEEs können dazu einen entscheidenden Beitrag leisten. Für Deutschland ist es jedoch notwendig, dass eine gerechte Erstattung im Krankenhausbereich sichergestellt wird. Denn sonst greifen auch alle weiterführenden Maßnahmen nicht. Jetzt ist die Zeit, die politischen Weichen dafür zu stellen.

Ihr Kontakt

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Lena Verbeek
Managerin Gesundheitspolitik | MSD hub berlin

+49 30 700 141 679

lena.verbeek@msd.de