Health Policy

2021 – ein Jahr vieler Herausforderungen: Doch gemeinsam kommen wir weiter!

21. Dezember 2021

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Als um den Jahreswechsel 2019 / 2020 die ersten Meldungen und Berichte über eine neuartige und hochansteckende Lungenkrankheit in China publik wurden, hat kaum jemand überblicken können, welche weitreichenden sozialen und ökonomischen Auswirkungen dieses Virus auf dem gesamten Globus entfalten würde. Mittlerweile – Stand Dezember 2021 – befinden wir uns in Deutschland in der vierten Corona-Welle. Die Lage bleibt angespannt, ein Ende der Pandemie ist nicht absehbar.

Pharma-Unternehmen und deren Forscher:innen kämpfen seit nunmehr fast zwei Jahren gegen Covid-19 und seine Ursache, das Coronavirus SARS-CoV-2.

Sie entwickeln und liefern Impfstoffe, erproben vorhandene Medikamente, entwickeln neue Arzneimittel und unterstützen die Gesundheitssysteme betroffener Länder. Auch kooperieren sie vielfach untereinander – insgesamt eine Mammutaufgabe! Umso beeindruckender sind die schnellen Entwicklungen der Corona-Impfstoffe und der ersten Covid-19-Therapeutika.

Auch wir von MSD engagieren uns seit Beginn der Pandemie an den unterschiedlichsten Stellen: wir beteiligten uns an globalen Impfstoffinitiativen, unterstützten eine Reihe von Forschungsvorhaben und investierten in die Entwicklung antiviraler Wirkstoffe gegen COVID-19. Unsere oral einzunehmende antivirale Monotherapie befindet sich aktuell in der Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) und soll die Behandlung von Corona-Patient:innen in Zukunft unterstützen. Mit dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) wurde bereits eine Liefervereinbarung abgeschlossen. Neben der Entwicklung unserer Therapie trägt MSD auch durch seine Zusammenarbeit mit Johnson & Johnson (J&J) zur Pandemiebekämpfung bei. So unterstützen wir die Herstellung und Lieferung des J&J-Impfstoffs gegen COVID-19. Diese Kooperation wollen wir auch 2022 fortsetzen.

Es ist wichtig, dass trotz dieser globalen Herausforderung andere Erkrankungen nicht aus dem Blick geraten. Deshalb arbeiten wir weiter u. a. an innovativen Antibiotika, Impfstoffen und onkologischen Therapien. Die Verfügbarkeit und Durchführung von Standardimpfungen – etwa gegen Pneumokokken und HPV – bleiben auch in Pandemiezeiten unabdingbar. So leisten wir einen Beitrag zur Stabilisierung unseres stark geforderten Gesundheitssystems und können dabei helfen, die Versorgung und Therapie von Patient:innen zu sichern. Darauf sind wir stolz.

Politisch war – auch neben Corona – in diesem Jahr eine Menge los.

2021 war geprägt von wahlbedingten Umbrüchen auf Landes- und Bundesebene, der Bildung neuer politischer Konstellationen, von Auf- und Abstiegen von Politiker:innen und Parteien, von kleinen und größeren Skandalen bis hin zum Ende einer ganz besonderen politischen Karriere.

Ein Highlight für uns – und für mich ganz persönlich – der Besuch der scheidenden Kanzlerin Angela Merkel in unserem Werk in Burgwedel, in dem u. a. ein Impfstoff gegen Ebola produziert wird. Ein noch größerer Grund zur Freude: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den jüngsten Ausbruch der Virus-Erkrankung im Kongo kürzlich für beendet erklärt. Im Kampf gegen das Auftreten kam dabei erstmalig auch jener Impfstoff zum Einsatz.

Hierzulande war die Bundestagswahl eines der Themen des Jahres und bis zum Schluss blieb es spannend – ein Auf und Ab der Umfragen. Bis zum Sommer galt vielen Beobachter:innen dabei eine Koalition aus Schwarz und Grün als ausgemacht – auch ich hatte das erwartet. Doch diese Prognosen lösten sich spätestens am Wahltag in Luft auf. Die SPD wurde stärkste Kraft. Die Ära Merkel ist nach 16 Jahren zu Ende gegangen und damit auch die Zeit der Union im Kanzleramt. Seit Anfang Dezember 2021 wird Deutschland von einer Ampel-Koalition aus SPD, GRÜNEN und FDP regiert. Ein Novum auf Bundesebene. Die im Koalitionsvertrag aufgenommenen Vorhaben signalisieren einen umfassenden Gestaltungswillen der neuen Regierung um Bundeskanzler Olaf Scholz. Das ist gut, denn die Aufgabenliste ist lang – insbesondere im Gesundheitsbereich. Einige Gesetze und Regularien, die in der letzten Legislaturperiode angestoßen bzw. umgesetzt wurden, bieten eine gute Grundlage, auf der aufgebaut werden kann. Es bleibt viel zu tun.

Der Koalitionsvertrag zeigt eine widersprüchliche Sichtweise der neuen Koalitionäre auf die pharmazeutische Industrie.

Auf der einen Seite wird die Relevanz der Gesundheitswirtschaft für den Standort, die Wertschöpfung und Innovationskraft der Bundesrepublik betont und versucht, über gezielte Impulse eine Förderung dieses Bereichs anzustoßen. Hier lässt sich eine Vielzahl positiver Ansätze benennen, bspw. der verbesserte Zugang zu Gesundheitsdaten für die private Forschung, den Kampf gegen Antibiotikaresistenzen, die Förderung von Prävention und Aufklärung bis hin zu gezielten Verbesserungen für den Produktions- sowie F&E-Standort Deutschland. Konterkariert wird das Ganze jedoch über kritische Reformvorhaben im Bereich der frühen Nutzenbewertung und Preisverhandlung für innovative Arzneimittel – dem sog. AMNOG-Verfahren. Hier strebt die neue Bundesregierung ebenfalls Veränderungen an, die uns Sorgen bereiten. Eine Weiterentwicklung des AMNOG ist grundsätzlich sinnvoll. Wichtig ist aber, dass alle betroffenen Akteure in die Debatte und Umsetzung einbezogen werden, ein konsensorientierter Prozess eingeleitet und keine Schieflage im System etabliert wird. Wenn die Ampel-Koalition Arznei- und Impfstoff-Innovationen sowie Forschung und Entwicklung fördern will, darf sie der Industrie nicht gleichzeitig neue Hürden bauen.

Was kommt gesundheitspolitisch auf uns zu?

In verschiedenen Bereichen des Gesundheitssystem ist es unabdingbar, dass wir in den nächsten vier Jahren Schritte nach vorne machen: So z. B. in der Prävention und der Steigerung der Impfquoten – insbesondere bei Standardimpfungen wie HPV –, in der Förderung von Kinder- und Jugendgesundheit. Auch Fortschritte im Bereich der Antibiotikaforschung und -erstattung sind notwendig sowie die weitere Digitalisierung des Gesundheitswesens – Stichwort e-Rezept, elektronische Patientenakte (ePA) oder digitales Impfmonitoring. Ebenfalls zentral ist die Förderung von Innovationen im Bereich der Krebstherapien. Hier wird auch die Ausgestaltung und Umsetzung des europäischen Krebsplans eine zentrale Rolle spielen.

Die Aufgaben für den neuen Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach sind komplex und vielfältig. Für ihre Bewältigung wünschen wir ihm und dem Team im BMG viel Tatkraft und Erfolg im Sinne der Patient:innen. In diesem Geiste hoffen wir auf eine gute und konstruktive Zusammenarbeit in der kommenden Legislaturperiode.

Deutschland braucht eine verlässliche und gute Gesundheitspolitik in der Krise, aber auch danach.

Daran wollen wir weiterhin gemeinsam arbeiten.

Ihr Kontakt

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Clemens Kuhne
Director Gesundheitspolitik und Patientenbelange | Leiter MSD hub berlin

+49 30 70014 1650

clemens.kuhne@msd.de