Versorgung neu denken. Der MSD Gesundheitspreis.

Mit dem MSD Gesundheitspreis würdigen wir herausragende innovative Versorgungslösungen und schaffen Anreize zur Nachahmung. Er wird seit 2012 jährlich von einer hochrangig besetzten, unabhängigen Jury verliehen und ist mit 100.000 € dotiert, die auf bis zu fünf Projekte verteilt werden. Für das Projekt mit der größten Patientenorientierung und einer erfolgreichen aktiven Einbindung von Patienten ist zusätzlich ein Sonderpreis in Höhe von 10.000 € ausgeschrieben.
Auch 2016 steht die Verleihung des MSD Gesundheitspreises wieder unter der Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe.

Die Gewinner 2015

Aufgrund der Vielzahl an sehr interessanten Vorschlägen von sehr hoher Qualität war die Auswahl der Preisträger auch in diesem Jahr wieder eine große Herausforderung für die Jury. Letztlich vergaben sie zwei erste und drei zweite Plätze für folgende Versorgungsprojekte:

1. Platz: Komm mit in das Gesunde Boot (Universitätsklinikum Ulm, Baden-Württemberg Stiftung)

Komm mit in das Gesunde Boot ist das Programm der Baden-Württemberg-Stiftung zu Gesundheitsförderung von Grundschul- und Kindergartenkindern. Die Kinder sollen die notwendigen Kompetenzen erlernen, um sich ausreichend zu bewegen, ihre Freizeit sinnvoll zu gestalten und sich gesund zu ernähren.

Das Programm umfasst vorstrukturierte Unterrichtseinheiten, tägliche Bewegungsübungen, die einfach durchzuführen sind, die Identifikationsfiguren Finn und Fine, zahlreiche Unterrichtsmaterialien – für die unterschiedlichen Jahreszeiten genauso wie für die unterschiedlichen Jahrgangsstufen, und vieles mehr. „Das Ziel ist immer, die Kinder selbst in Aktion zu versetzen“,erklärt Prof. Jürgen Steinacker, Leiter der Sektion Sport und Rehabilitationsmedizin am Universitätsklinikum Ulm und Projektleiter des Programms. „Bei uns sollen nicht die Eltern sagen: ‚Du musst’ – sondern die Kinder sollen sagen: ‚Ich will!’“.

Um das Programm landesweit zu verbreiten, werden Grundschullehrer und Erzieher als Multiplikatoren ausgebildet. Dadurch wird es möglich, vor Ort weitere Lehrkräfte fortzubilden. Seit Programmbeginn im Jahr 2009 haben bereits 2.579 Lehrkräfte teilgenommen; etwa 65.000 Grundschüler wurden erreicht.

Gesundheitsökonomische Analysen des Programmes zeigen, dass das Programm einen erheblichen Nutzen für die Gesundheit und Lebensqualität der Kinder hat. Aktivere und schlankere Kinder sind deutlich seltener krank – und auch die Eltern müssen weniger oft wegen Krankheit des Kindes zu Hause bleiben.

1. Platz: Patientenbegleitung (Bosch BKK)

Mit den Patientenbegleitern bietet die Bosch BKK ihren Versicherten einen persönlichen und speziell geschulten Ansprechpartner an – bei schweren und komplexen Krankheiten oder in schwierigen Pflegesituationen. Gemeinsam mit dem Patienten, den Angehörigen und den behandelnden Ärzten findet der Patientenbegleiter die bestmögliche Versorgung für die individuelle Situation des Versicherten; dabei kann er auf die regionalen Selektivverträge der Bosch BKK zurückgreifen.

„Wir haben festgestellt, dass es nötig ist, für Patienten die Wege durch den Dschungel des Gesundheitssystems zu bahnen“, erklärt Dr. Katja Wimmer, Leiterin der Abteilung Versorgungsmanagement/Patientenbegleitung der Bosch BKK.

Konkret vermitteln die Patientenbegleiter beispielsweise Kontakte zu Ärzten, Reha-Zentren, Pflegediensten, aber auch zu Selbsthilfe- oder Sportgruppen, sie erleichtern durch die kontinuierliche persönliche Betreuung den Wechsel vom Krankenhaus in die Reha oder nach Hause, sie organisieren Hilfsmittel, helfen beim Ausfüllen von Anträgen, unterstützen die Angehörigen, und vieles mehr.

Derzeit betreuen 21 Patientenbegleiter rund 3.000 Patienten. Einer der Erfolgsfaktoren ist die regionale Ausrichtung des Konzepts. Die Patientenbegleiter kennen die Strukturen vor Ort und können die lokalen Besonderheiten bei der Betreuung berücksichtigen. Eine Evaluation der in das Versorgungsmanagement eingebetteten Patientenbegleitung zeigte, dass das Programm die Qualität der Versorgung erhöht, die Patienten zufriedener macht – und gleichzeitig die Effizienz deutlich steigert und damit Kosten senkt: Im Rahmen der Studie konnten ein Jahr nach Ende der Patientenbegleitung 28 Prozent der Gesamtkosten eingespart werden.

2. Platz: initiative.diabetes (Central Krankenversicherung AG)

Die initiative.diabetes ist ein technologisch innovatives und alltagsnahes Interventionskonzept der Central Krankenversicherung und richtet sich an die Versicherten der Central mit einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung. Da schon leichte Lebensstilveränderungen den Krankheitsverlauf des Typ-2-Diabetes positiv beeinflussen und die Risiken erheblich reduzieren, versucht das Programm, die Patienten bei eben dieser Lebensstilveränderung bestmöglich zu unterstützen.

Ein persönlicher Coach berät den Versicherten zu Ernährung, Bewegung sowie zu allen Fragen rund um die Krankheit. Zusätzlich erhält der Teilnehmer ein Smartphone mit passendem Blutzuckermessgerät sowie einen Schrittzähler. Ziel ist, den Einfluss von Bewegung oder Ernährung auf den Blutzuckerspiegel jederzeit messen zu können und damit die direkten Einflussmöglichkeiten für die Patienten erlebbar zu machen. In einem Online-Portal, zu dem sowohl Patient als auch Coach Zugriff haben, können die gemessenen Daten jederzeit und langfristig beobachtet werden.

Die initiative.diabetes ist in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Telemedizin und Gesundheitsförderung entstanden (DITG). Dort wurde die Wirksamkeit der einzelnen Komponenten bereits wissenschaftlich untersucht.

„Das Besondere an unserem Programm ist nun, dass wir all das clever kombinieren“, erklärt Dr. Markus Homann, der bei der Central die Abteilung Produkt- und Gesundheitsmanagement leitet. Wir betrachten Ernährung, Bewegung, Coaching, Blutzuckermessung und das Online-Portal als Einheit – und das macht den Erfolg aus.“ Erste Evaluationsergebnisse zeigen, dass etwa 80 Prozent der Teilnehmer das Ziel im Bereich des für die Vorhersage von Folgeerkrankungen relevanten HbA1c- Werts erreicht oder übertroffen haben. 20 Prozent der Patienten konnten nach Abschluss des Programms ganz auf Medikamente verzichten.

2. Platz: PädExpert® (BVKJ Bayern e.V. Berufsverbände für Kinder- und Jugendmedizin)

PädExpert® ist ein telemedizinisches Expertenkonzil mit dem Ziel, die wohnortnahe ambulante Kinder- und Jugendmedizin zu verbessern – insbesondere von chronisch kranken Kindern und Jugendlichen oder bei seltenen Erkrankungen.

Mit PädExpert® können Allgemeinpädiater – das Einverständnis des Patienten vorausgesetzt – spezialisierte niedergelassene Kinder- und Jugendärzte konsultieren. Der behandelnde Arzt erfasst im System die Symptome und die erhobenen medizinischen Daten seines Patienten, der Spezialist kann diese Daten einsehen, Rückfragen stellen und Vorschläge zur weiteren Diagnostik bzw. zur Therapie geben.

„Dank der telemedizinischen Lösung sind wir unabhängig von Zeit und Raum“, erklärt Dr. Martin Lang, Bayerischer Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Kinder und Jugendärzte. „Die Patienten sparen sich also Wartezeiten und zum Teil lange Fahrzeiten – und vor allem werden sie vom Arzt ihres Vertrauens betreut.“

Um die Qualität der Fallbearbeitungen zu steigern, fließen in die standardisierten Algorithmen, die PädExpert® zugrunde liegen, die Expertise von Fachgesellschaften und die entsprechenden Leitlinien ein.

Während der Pilotphase konnte mithilfe von PädExpert® in 65 Prozent der Fälle eine Diagnose gestellt werden –in manchen Teilbereichen wie der Kinderhämatologie oder der Kinderrheumatologie liegt diese Quote sogar fast bei 90 Prozent. Diese Diagnosen wurden dabei durchschnittlich zwölf Tage schneller gestellt als ohne PädExpert®.

2. Platz: PROFinD (Robert Bosch Gesellschaft für Medizinische Forschung)

PROFinD ist ein Programm zur Prävention und Rehabilitation von osteoporotischen Frakturen bei Personen mit Benachteiligungen. Das Ziel ist es, mit nachhaltigen Programmen vor allem solche Menschen zu erreichen, die besonders gefährdet sind und unzureichend behandelt werden – etwa Personen mit Pflegebedarf, Behinderte oder Menschen in strukturschwachen Regionen.

„In Deutschland stürzen jährlich etwa 250.000 ältere Menschen so schwer, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen“, erklärt Prof. Clemens Becker, Leiter der Klinik für Geriatrische Rehabilitation am Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhaus und Initiator des Projekts.

„Unser Ziel ist es, Stürze und sturzbedingte Verletzungen um 25 Prozent zu reduzieren.“

Das neueste Teilprojekt „Trittsicher durchs Leben“ richtet sich mit speziellen Bewegungskursen gezielt an ältere Menschen im ländlichen Raum. In insgesamt sechs Kurseinheiten erlernen die Teilnehmer Übungen, mit denen sie die Mobilität erhalten, ihre körperliche Fitness fördern und Stürze vermeiden können. Die zweite Säule des Programms ist die Förderung der Knochengesundheit. Im Mittelpunkt steht hier das frühzeitige Erkennen von Osteoporose durch eine Knochendichtemessung, um die Betroffenen rechtzeitig behandeln zu können.

Das Projekt „Trittsicher durchs Leben“ wird getragen von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau. Der Deutsche LandFrauenverband übernimmt die Organisation der Kurse vor Ort, der Deutsche Turner-Bund stellt die Mehrheit der Übungsleiter.

Dass Sturzpräventionsprogramme auch tatsächlich zu einer deutlichen Reduktion von sturzbedingten Frakturen führen, zeigt die Evaluation eines der Vorgängerprojekte – hier wurden die Hüftfrakturen um rund 20 Prozent reduziert.

Sonderpreis: Aktivierung von Patienten mit chronisch entzündlichen Darmkrankheiten (CED) (Zentrum für Bevölkerungsmedizin & Versorgungsforschung)

Ziel des Projekts ist es, Patienten mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen zu aktivieren, ihnen individualisierte Empfehlungen zu ihrer Versorgung an die Hand zu geben und ihnen so ein Selbstmanagement ihrer Krankheit zu ermöglichen bzw. zu erleichtern.

Die chronisch entzündlichen Darmkrankheiten Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind eher seltene Erkrankungen mit sehr unterschiedlichen Krankheitsverläufen.

Während der Erkrankung sind die meisten Patienten neben-wie nacheinander mit vielfältigen körperlichen, psychischen und sozialen Problemen konfrontiert – die individuellen Herausforderungen in der Versorgung der einzelnen Patienten sind daher sehr unterschiedlich.

Im Rahmen des Projekts wurde ein Fragebogen entwickelt, den die Patienten selbst ausfüllen können und der 22 unterschiedliche Problemfelder erfasst. Die Antworten werden automatisch ausgewertet; die Patienten erhalten dann in einfacher Sprache individuelle Empfehlungen für genau die Probleme, die für sie – nach ihren eigenen Angaben – relevant sind. Die Auswertung kann und soll Grundlage sein für ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt.

„Im Zentrum unseres Projekts steht aber der Patient selbst, nicht der Arzt“, erklärt Prof. Heiner Raspe, Seniorprofessor für Bevölkerungsmedizin an der Universitätsklinik Lübeck. „So können wir den Patienten ermöglichen, für sich aktiv zu werden und wirksam ihre Versorgung mitzugestalten.

“Eine deutschlandweit durchgeführte Studie zeigte, dass die Teilnehmer des Programms profitierten: Die Lebensqualität und die Selbstmanagementkompetenzen nahmen zu, während die Patienten gleichzeitig weniger ärztliche Leistungen in Anspruch nahmen.

Hier finden Sie Videos von weiteren Projekten, die für den MSD Gesundheitspreis 2015 nominiert waren:

Kompetenznetz interdisziplinäre Geriatrie