Workshop 6

ePA – Was kann sie und was noch nicht?

Die ePA kann zur Drehscheibe der Digitalisierung im Gesundheitswesen werden. Dazu müssen jetzt die Schnittstellen zu anderen Anwendungen und den Systemen der Leistungserbringer geschaffen werden. Maßgebend um dabei für Mehrwert zu sorgen, ist die Frage nach Zweck und Ziel.

ePA muss Drehscheibe für Gesundheitsdaten werden

Siebzehn lange Jahre dauert die Diskussion um die elektronische Patientenakte an. Dass sie nun nach angedrohten Sanktionen in Richtung Krankenkassen kommt, ist gut. Trotz offensichtlichen Verbesserungsbedarfs wird die ePA den Weg in ein digitalisiertes Gesundheitswesen ebnen. Nachdem die Technik steht, muss erprobt werden, wie die ePA zu nutzen ist und welchen Mehrwert sie stiften kann. Wenn sie gleichermaßen patientenzentriert, wie forschungs-kompatibel ausgebaut und verknüpfbar mit anderen digitalen Anwendungen und Dokumentationen wird, kann eine Versorgungsplattform für Gesundheitsdaten entstehen. Und die ePA wird dann einen echten Beitrag zur optimierten Versorgung der Menschen und zur Verbesserung der medizinischen Forschung leisten können.

Funktion und Nutzen noch nicht überzeugend

Weil niemand ein richtiges Bild von ihr hatte, habe sich die an Multipler Sklerose erkrankte Birgit Bauer die ePA schon lange für das Management und Teilen ihrer Daten gewünscht. Der Zugang sei dann aber schwer, die Erläuterungen zur Funktionsweise dürftig und die Handhabbarkeit kompliziert gewesen. Auch der Nutzen überzeuge sie noch nicht, äußert Bauer.

„Die ePA kann Menschen, die mit chronischen Erkrankungen leben, dabei unterstützen, Daten effizient zu teilen und damit bessere Versorgung und Lebensqualität zu schaffen. Wir müssen jedoch daran arbeiten, Vertrauen zu schaffen und das Bewusstsein dafür zu fördern, damit Menschen digitale Lösungen auch sinnvoll nutzen.“ – Birgit Bauer

Den derzeit noch begrenzten Mehrwert der ePA begründet Christian Klose damit, dass zunächst der analoge Prozess nur digitalisiert werde. Das sei auch nicht schlimm, da dennoch zuvor nicht vorhandene Informationen entstehen würden. Hinsichtlich der User Experience sei das Ziel aber längst nicht erreicht.

Nächsten Schritt der Digitalisierung gehen

„Eine ganz neue Welt der Kommunikation“ werde aber ab 2022 möglich, wenn mit strukturierten Daten gearbeitet würde, verspricht Klose. Dies biete für die Forschung die Möglichkeit Künstliche Intelligenz und Big Data anzuwenden. Zielbild sei eine patient:innenzentrierte, forschungskompatible Patientenakte, die durch den Anschluss weiterer Angebote, wie z.B. DIGAs zur Drehscheibe werde. Noch sei jedoch viel Überzeugungsarbeit notwendig, damit die Daten aus der Praxis tatsächlich in die ePA und aus anderen Anwendungen zu den Leistungserbringenden kommen. Zum einen sei die ePA freiwillig und zum anderen hätten die Patient:innen die Entscheidungsgewalt, für wen sie welche Informationen freigeben.

Nebeneinanderstehende Dokumente vernetzen

Dass zukünftig mehrere Dokumentationen nebeneinanderstehen werden, erscheint für Erik Bodendieck klar. Daran werde man sich gewöhnen. Die ePA sei eine patient:innengeführte Akte mit Zugriffsrechten und Behandelnde wüssten nicht, ob sie alle verfügbaren Informationen einsehen könnten. In der dritten oder vierten Ausbaustufe der Vernetzung werde aber vermutlich ein Dokumentenaustausch zwischen den Leistungserbringenden erfolgen, Kommunikation untereinander stattfinden und Patient:innen Daten verwalten können.

„Digitale Anwendungen greifen maßgeblich in Arbeitsabläufe und Strukturen sowie in das Arzt-Patienten-Verhältnis und damit in unsere Gesellschaft ein. Dabei handelt es sich immer um Entwicklungen, welche niemals von der ersten Minute an perfekt funktionieren, sondern die sich weiterentwickeln oder „lernen“. Dazu bedarf es Geduld, Verständnis und Umdenken.“ – Erik Bodendiek

Geteilte ePA-Daten schaffen Mehrwert

Positiv bezeichnet Bodendieck, dass ab 2022 sogenannte MIOs (z.B. Impfausweis oder Mutterpass) und ab 2023 auch Labordaten und Krankenhaus-Entlassbriefe in die ePA eingebunden werden sollen. Wenn diese wichtigen Daten dann auch von den Patient:innen geteilt werden, könne dies Forschung und Versorgung voranbringen. Dann ließe sich laut Bodendieck auch ein Mehrwert für die Patient:innen daraus ziehen. Den Nutzen zu kommunizieren und über die Funktionsweise der ePA aufzuklären sei seiner Ansicht nach Pflicht der Krankenkassen. So könne für die Verbreitung eines hilfreichen Tools gesorgt werden. Mehr als die Hälfte des Publikums war jedoch der Überzeugung, dass bis Ende des Jahres 2022 weniger als 10 % der Versicherten die ePA aktiv nutzen werden. Nichtsdestotrotz zeigte die Wordcloud einer weiteren Befragung, dass Veränderungen, wie die einer verbesserten Vernetzung oder einer Steigerung der Patient:innensicherheit, für Zuschauer:innen von größter Bedeutung sind. Die Ergebnisse der Publikumsbefragung finden Sie in der nachfolgenden Abbildung.

Referenten

Portarit Birgit Bauer

Birgit Bauer

Manufaktur für Antworten UG | Moderation

Portrait Erik Bodendieck

Erik Bodendieck

Bundesärztekammer | Referent

Portrait Christian Klose

Christian Klose

Bundesministerium für Gesundheit | Referent

11. MSD Gesundheitsforum 2021 Beginnende Moderation
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Die Pandemie hat aufgedeckt, wo Gesundheitsversorgung besser werden muss. Jetzt sind die Konsequenzen zu ziehen.

Podiumsdiskussion 1 – Digitalisierung für Gesundheit

Es sind noch Hürden zu nehmen, bis Digitalisierung den Versorgungsalltag nachhaltig verbessern kann.

Diskussionsrunde mit Prof. Dr. Claudia Wöhler, Matthias Blum und Dr. Albrecht Kloepfer
Workshop 5

Krankenhauszukunftsgesetz – digitaler Graben zwischen ambulant und stationär?

Die Politik hat die Sektorengrenzen im SGB V manifestiert. Digitalisierung beschränkte sich zumeist auf Teilbereiche. Nun soll ein vernetztes, patientenorientiertes Gesundheitssystem entstehen. Die Erwartungen an das KHZG sind groß. Aber bereits jetzt sind Nachbesserungen des Gesetzes absehbar.

KHZG noch nicht am Ziel

Ein richtig gutes Zeugnis bekommt Deutschland für die Digitalisierung im Gesundheitswesen nicht. Auch zahlreiche Gesetze reichten bislang nicht, um im internationalen Vergleich besser da zu stehen. Nach wie vor mangelt es an der Vernetzung von ambulantem und stationären Sektor. Während in anderen Ländern Krankenhäuser viele ambulante Leistungen übernehmen, sind sie hierzulande weitgehend den niedergelassenen Leistungserbringenden vorbehalten. Und ambulant vor stationär galt lange auch bei den Digitalisierungsbestrebungen des BMG. Nun soll das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) Lücken schließen, kann aber aus jetziger Sicht nur ein Impuls auf dem Weg in eine integrierte, patient:innenorientierte Versorgung sein.

Politik muss rechtliche Grundlagen richten

Die Trennung zwischen ambulant und stationär ist im SGB V manifestiert, sagt Dr. Albrecht Kloepfer. Darin würden die Sektoren nicht als Versorgungseinheit gedacht.

Portrait Dr. Albrecht Kloepfer

„Die Politik selbst muss anfangen, ambulant und stationär als Versorgungseinheit zu denken. Sie hat offensichtlich noch nicht gemerkt, dass die gesamten rechtlichen Grundlagen des SGB V nicht stimmen.“

Dr. Albrecht Kloepfer, iX-Institut | Moderation

Entsprechend groß ist der Graben, den das KHZG schließen soll. Dazu fehlten den Akteur:innen bislang die Investitionsmittel. Die bringt nur das neue Gesetz. Viel Geld, das „Erziehungsmittel für Erwachsene“, sei nun laut Matthias Blum abrufbar, um die schwach ausgeprägte intersektorale Vernetzung auszubauen. Um den Graben zwischen ambulant und stationär zu schließen, werden Projekte zur Verbesserung der digitalen Infrastruktur in den Kliniken und zu deren Verknüpfung mit vor- und nachgelagerten Leistungserbringenden gefördert.

Fördermittel kitten die Schlucht zwischen den Sektoren

Durch die Förderung des KHZG sei es nur noch ein Spalt zwischen ambulanter und stationärer Versorgung und keine Schlucht mehr, urteilt Blum. Noch seien vielfach die Patient:innen Treiber der Kommunikation und agierten als Kommunikationsbrücke. Deshalb gelte es vorhandene Medienbrüche in der intersektoralen Vernetzung unter zwingender Verbesserung der IT-Sicherheit zu beheben. Nach 2024 sei das KHZG dann weiterzuentwickeln und zu modifizieren, um auf geschaffene digitale Strukturen aufbauen zu können, so Blum.

In den Augen von Prof. Dr. Claudia Wöhler existiert der Graben zwischen den Sektoren weitgehend unverändert. Ihr sei es ein Rätsel, wieso Deutschland bei der Digitalisierung im internationalen Vergleich so viel Nachholbedarf habe.

Guter Impuls für intersektorale Vernetzung

Jahrelang seien die Länder ihrer Investitionspflicht nicht nachgekommen, sodass Krankenhäuser nicht die notwendigen Kapazitäten hatten, um Know-how im Bereich Digitalisierung aufzubauen. Nun müsse mithilfe des KHZG die Basis geschaffen und die Aufbau- sowie Ablauforganisation innerhalb der Krankenhäuser verbessert werden, fordert Wöhler. „Die Digitalisierung ist als Fundament für eine reibungslose Versorgung der Menschen zu sehen“, konstatiert sie. Digitalisierung könne Effizienz und Effektivität steigern sowie als Katalysator für eine sektorenübergreifende Versorgung fungieren. Das KHZG liefere hier einen guten Impuls.

„Die Investition in Digitalisierung ist ein notwendiger Schritt, um die Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung voranzutreiben. Eine bedarfsorientierte und zielgerichtete Förderung ist dabei zwingend erforderlich.“ – Prof. Dr. Claudia Wöhler

Eine Förderung nach dem Gießkannenprinzip dürfe es aber nicht geben. Vielmehr müsse es eine patient:innen- und bedarfsorientierte Krankenhausplanung geben, mit einer gezielten Förderung weiterführender Digitalisierungsmaßnahmen. Auch einige Zuschauer:innen schreiben dem KHZG Chancen in Bezug auf eine bessere Verzahnung beider Sektoren zu, darunter eine erhöhte Patient:innensicherheit, weniger Doppeluntersuchungen und eine insgesamt effizientere Versorgung. Andere Zuschauer:innen assoziieren mit dem KHZG hingegen nur geringe oder keine positiven Impulse in Bezug auf die sektorenübergreifende Versorgung. Die Ergebnisse sind in der nachfolgenden Wordcloud dargestellt.

Nachbesserungen für höhere Versorgungsqualität

Eine echte Öffnung für ambulante Leistungen in Krankenhäusern mit Klärung der ambulanten klinischen Vergütung fordert Blum. Zudem wies er darauf hin, dass die ePA in der jetzigen Version keine sichere Kommunikation zwischen Ärzt:innen zulasse, da die Patientin oder der Patient entsprechend seinem Wunsch ärztliche Befunde entfernen könne. Die von professionellen Leistungserbringenden erstellte EFA beinhalte diese Funktion und es sei daher wünschenswert, dass diese Funktion auch Teil der ePA werde. Neben der Kommunikation und Kooperation der Leistungserbringenden, u.a. auf Basis der ePA, forderte Wöhler eine umfassende Qualitätsorientierung im Gesundheitswesen.

Referenten

Portrait Dr. Albrecht Kloepfer

Dr. Albrecht Kloepfer

iX-Institut | Moderation

Portrait Matthias Blum

Matthias Blum

Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen | Referent

Portrait Prof. Dr. Claudia Wöhler

Prof. Dr. Claudia Wöhler

Landesgeschäftsführerin der BARMER in Bayern | Referentin

11. MSD Gesundheitsforum 2021 Beginnende Moderation
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Die Pandemie hat aufgedeckt, wo Gesundheitsversorgung besser werden muss. Jetzt sind die Konsequenzen zu ziehen.

ePA – Was kann sie und was noch nicht?

Es ist gut, dass die ePA jetzt da ist. Aber beim Mehrwert und der User Experience hat sie noch Verbesserungspotential.

Mark Kuypers und Claudia Beckmann in Diskussion
Workshop 4

Digitalisierung in Praxen – Rolle der KVen und Arztnetze

Durch die Arztpraxen vor Ort muss die Digitalisierung in der Versorgung ankommen. Dafür ist viel finanzieller und zeitlicher Aufwand nötig. Allein müssen die niedergelassenen Mediziner die Umsetzung nicht bewältigen. KVen und Ärztenetze stehen als Partner:innen bereit.

Gemeinsam Wege aus dem Digitalisierungsdschungel finden

Allein durch innovative Gesetze wird das Gesundheitswesen nicht digital. Entscheidend ist, dass in den Praxen vor Ort die nötige Technik aufgebaut wird, um bspw. die elektronische Patientenakte und eine sektorenübergreifende Kommunikation auf die Beine zu stellen. Für niedergelassene Mediziner:innen ist Digitalisierung jedoch zuerst mit viel Aufwand verbunden und ihr Nutzen erscheint abstrakt. Für ein Umdenken setzen sich die KVen und etablierte Arztnetze ein. Sie sind Partner:innen für Innovationen, machen deren Mehrwert erlebbar und unterstützen Praxen bei der konkreten Umsetzung von Digitalisierungsprojekten.

„Die Arztpraxen dürfen nicht mit der Verantwortung für die Digitalisierung im Gesundheitswesen allein gelassen werden!“ – Claudia Beckmann

Digitalisierung für Praxen erlebbar machen

Aus dem „Digitalisierungsdschungel“ will Diane Weber die niedergelassenen Ärzt:innen herausführen. Dazu wende sie in der KV Westfalen-Lippe das Prinzip „Digitalisierung erleben und verstehen“ an. Mediziner:innen und deren MFAs ermögliche die Technologieausstellung „dipraxis“ einerseits Weiterbildungen. Andererseits diene sie auch als Orientierungshilfe und gebe einen Überblick über Technologien. An PC-Arbeitsplätzen könnten ganze Praxisteams verschiedene Software-Anwendungen testen und würden unabhängige Beratung für die Auswahlentscheidung bekommen. Die ständigen Ausstellungsinhalte der dipraxis umfassen laut Weber Praxismanagement, Behandlungsunterstützung, Telemedizin, eAkten und Telematikinfrastruktur (TI)-Anwendungen.

Versorgung reflektieren und weiterdenken

„Wie digital sind Sie?“ sei die erste Frage, der sich die Praxisteams beim Digitalisierungstest in der dipraxis stellen müssten. Ein individueller Ergebnisbericht gäbe Antwort darauf, so Weber. Zusätzlich seien konkrete Handlungsempfehlungen für die Umsetzung in Digitalisierungsstrategien herunterzuladen. Die KVWL verstehe sich als Partner:in für die Digitalisierung und für Innovationen generell, erklärt Weber und ruft „alle Player im System“ auf, die Versorgungssituation vor Ort „zu reflektieren und weiterzudenken“. In zahlreichen Innovationsfondsprojekten der KVWL gehe es laut Weber genau darum.

Digitalisierung schafft Mehrwert – und mehr Aufwand

Mark Kuypers zeigt sich realistisch mit der Aussage, dass Digitalisierung zwar Mehrwert bietet, aber zugleich auch mehr Aufwand bedeutet.

„Digitalisierung in Arztpraxen – eine steigende Anforderung und stete Herausforderung des Alltags.“ – Mark Kuypers

Schnellere Prozesse, sicherere Kommunikation, aktuellere Daten, mehr Informationen, Steigerung der interdisziplinären Zusammenarbeit und Optimierung der Behandlung seien die Benefits. Aber nur, wenn Arztpraxen stetig finanziell in Hard- und Software sowie in EDV-Dienstleistungen investieren und Zeit für Vorbereitung, Organisation und Umsetzung aufbrächten, werde der Mehrwert spürbar. In diesem Kontext fordert er realistische Zeitpläne durch die Politik, realisierbare Vorgaben für die EDV-Hersteller und Praxen zur Umsetzung, um die Digitalisierung vor Ort zu erleichtern.

Gemeinsam besser aufgestellt

In Arztnetzen sieht Kuypers eine gute Möglichkeit, sich gegenseitig zu unterstützen und zu helfen. Er selbst ist als Geschäftsführer kaufmännisch verantwortlich für das Ärztenetzwerk solimed in Solingen. Dieses betreibt seit gut 14 Jahren eine digitale Vernetzung zwischen den Mitgliedern der Haus- und Fachärzteschaft sowie den drei ansässigen Kliniken. Heute seien alle dankbar für die Unterstützung durch das Arztnetz und rund 26.000 Patient:innen nutzen die ePA von solimed, so Kuypers. Auf dem Weg dahin hätten die Praxen diverse Anforderungen im Bereich Digitalisierung erfüllen müssen, immer verbunden mit Abstimmungsbedarf z.B. wegen einer Vielzahl von am Markt angebotenen PVS-Systemen, führt er aus. Dass man es geschafft habe, sich auf ein einheitliches System zu einigen, bringe großen Mehrwert für die Zusammenarbeit. Das Netzmanagement entlaste und unterstütze die Praxen und das Netzbüro diene ihnen als Servicestelle u.a. durch Informationsbereitstellung bzgl. Neuerungen und Terminen, Förderung des kollegialen Austauschs bei der Einführung von TI-Modulen und Hilfe durch sehr enge Kooperation mit dem EDV-Support.

Mit zwei Fragen an die Zuschauer:innen der Veranstaltung wurde die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung noch einmal aus einer allgemeineren Perspektive betrachtet und diskutiert. Bei der Frage, welches Element der Digitalisierung das wichtigste sei, sprach sich knapp die Hälfte für die digitale Patientenakte aus, immerhin rund ein Viertel für den digitalen Arztbriefversand. Als größtes Potenzial der Digitalisierung nannten die Zuschauer:innen die sektorenübergreifende Versorgung und Vernetzung, Zeit- und Kostenersparnisse, die Reduktion von Fehlern sowie die Stärkung der Patient:innen. Die Ergebnisse der Publikumsbefragung finden Sie in den nachfolgenden Abbildungen.

Referenten

Portrait Claudia Beckmann

Claudia Beckmann

Netzarbeit | Moderation

Portrait Mark Kuypers

Mark Kuypers

Solimed – Unternehmen Gesundheit | Referent

Portrait Diane Weber

Diane Weber

KV Westfalen-Lippe | Referentin

11. MSD Gesundheitsforum 2021 Beginnende Moderation
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Die Pandemie hat aufgedeckt, wo Gesundheitsversorgung besser werden muss. Jetzt sind die Konsequenzen zu ziehen.

Krankenhauszukunftsgesetz – digitaler Graben zwischen ambulant und stationär?

Das KHZG soll den Graben zwischen ambulant und stationär mit viel Geld stopfen. Aber wie werden die Mittel am sinnvollsten verteilt?

Workshop 3

Real World Evidence – Bedeutung und Chancen für die Arzneimittelentwicklung?

Die Bedeutung von Real World Evidence zeigt der Blick auf Israel während der Pandemie. Sie bietet Chancen die Versorgung in allen Bereichen besser und sicherer zu machen. Aber noch sind nicht alle Voraussetzungen hinsichtlich erforderlicher Daten und deren Verknüpfung gegeben.

Real World Evidence ist Schlüssel zu besserer Versorgung

Während der Pandemie blickt die Welt auf Israel, um Erkenntnisse über die Wirkung des mRNA-Vakzins zu gewinnen. Damit manifestiert sich die Relevanz von Real World Evidence (RWE) nicht nur in Expert:innenkreisen. Für alle nachvollziehbar wirken sich gewonnene Erkenntnisse aus der groß angelegten Impfkampagne zeitnah auf Zulassung und Empfehlung durch EMA bzw. STIKO aus. Entsprechend prognostiziert die Hälfte des online befragten MSD-Gesundheitsforum-Publikums, dass in fünf Jahren rund ein Drittel der Zulassungsstudien auf Basis von RWE gemessene Endpunkte enthalten werden. Voraussetzung dafür wird es sein, mehr Daten verfügbar zu machen.

„Wir sollten jetzt die richtigen Weichen stellen, um Real World Data und daraus gewonnene Evidenz für die Arzneimittelentwicklung und -versorgung zum Wohle aller nutzen zu können.“ – Dr. Anne Sophie Geier

RWE sichert Zulassung hochpreisiger Arzneimittel

Prof. Dr. Wolfgang Greiner betont, wie wichtig das Teilen von Daten für anwendungsbezogene Zulassungsstudien sei. Gerade für die Erforschung sehr hochpreisiger Arzneimittel würde vielfach eine frühe Zulassung angestrebt trotz unreifer Evidenz.

„Die zunehmende frühe Zulassung hochpreisiger neuartiger Arzneimitteltherapien erfordert neben weiteren klinischen Studien auch mehr Informationen direkt aus der Versorgung, in Zukunft möglichst direkt aus der elektronischen Patientenakte.“ – Prof. Dr. Wolfgang Greiner

Für bessere Evidenz bei schnellen Zulassungen brauche es Daten aus dem Behandlungsalltag der Patient:innen. Im besten Fall seien Daten aus der elektronischen Patientenakte verfügbar. Denn sie führe alle Informationen über einen Menschen zusammen, der bspw. nicht nur Krebspatient:in ist.

Systematische Register für Real World Data aufbauen

Keine „Science Fiction“ sei die „Generierung versorgungsnaher Daten und deren Auswertung zum Zwecke der Nutzenbewertung von Arzneimitteln“, so Greiner. Tatsächlich gäbe es für kleinere Populationen krankheits-, produkt- und prozedurbezogene Register, aber noch kein Meta-Register, das Aufschluss über fehlende und vorhandene Register sowie Umfang und Datenqualität liefere. Möglicherweise sei aus Sicht Greiners zukünftig ein Forschungsdatenzentrum erforderlich, welches die Einbeziehung versorgungsnaher Daten für die Nutzenbewertung und Preisbildung verantwortet. Wünschenswert sei, dass vorhandene Registerdaten mit Abrechnungs-, Struktur- und Leistungsdaten und Daten aus der elektronische Patientenakte zentral verlinkt würden.

Fallstricke bei der Verlinkung von Daten überwinden

Auf der Metaebene klinge Verlinkung leichter als sie letztlich sei, merkt Dr. Ursula Marschall an. Kassendaten seien grundsätzlich geeignet der Versorgungsforschung zu dienen, da sie sektorübergreifend, bundesweit und über mehrere Jahre vorlägen. Auf dem Weg hin zu einem gemeinsamen GKV-Forschungsdatensatz gäbe es aber Fallstricke, die die Zusammenführung von Daten erschweren. Diese müssen mitdiskutiert werden, wenn man für mehr RWE sorgen wolle, so Marschall.

Portrait Dr. Ursula Marschall

„In Krankenkassendaten können sektorenübergreifende Krankheitsverläufe dargestellt werden. Allerdings steckt hier der Teufel im Detail. Für Analysen braucht es interdisziplinäres Teamwork. Die Zusammenführung verschiedener Datenquellen ist momentan eine Herausforderung, die nicht so einfach gelöst werden kann.“

Dr. Ursula Marschall, BARMER | Referentin

Daten zusammenführen und für alle nutzbar machen

Die Behandlung von Patient:innen erzeugt zahlreiche Daten mit unterschiedlichen, nicht kompatiblen Formaten. Zudem verwaltet jede gesetzliche Krankenkasse ihre eigenen Daten. Abrechnungsdaten folgen der Logik der Abrechnung und bilden ohne eine Verlinkung mit medizinischen Daten die Versorgungsrealität nicht ab. Insofern sind aus Krankenkassen-Daten nur administrative Prävalenzen für Erkrankungen erkennbar, so Marschall. Erschwert sei die Nutzung der Daten zudem dadurch, dass sie nach einer Frist gelöscht bzw. für die weitere Verwendung anonymisiert werden. Ihre Kasse behelfe sich mit einer Wissenschafts-Data-Warehouse-Lösung um Versorgungsforschung zu betreiben. Jedoch könnten die Daten diese Umgebung nicht verlassen. Wie diese Daten zukünftig für mehr RWE mit anderen zusammengeführt werden, sei jetzt zu klären, sagt Marschall.

Referenten

Portrait Dr. Anne Sophie Geier

Dr. Anne Sophie Geier

Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung | Moderation

Portrait Prof. Dr. Wolfgang Greiner

Prof. Dr. Wolfgang Greiner

Sachverständigenrat für Gesundheit | Referent

Portrait Dr. Ursula Marschall

Dr. Ursula Marschall

BARMER | Referentin

11. MSD Gesundheitsforum 2021 Beginnende Moderation
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Die Pandemie hat aufgedeckt, wo Gesundheitsversorgung besser werden muss. Jetzt sind die Konsequenzen zu ziehen.

Mark Kuypers und Claudia Beckmann in Diskussion
Digitalisierung in Praxen – Rolle der KVen und Arztnetze

Schritt halten mit der Digitalisierung ist für Arztpraxen eine Herausforderung. KVen und Ärztenetze bieten Hilfe.

Diskussionsrunde mit Dr. Thomas Elter, Joachim Henkel und Dr. Henrik Matthies
Workshop 2

DiGAs – Mehrwert in der Versorgung oder nur eine nette Spielerei?

Zulassung und Vergütung von DIGAs wurden zügig auf den Weg gebracht. Jetzt ist Ärzt:innen und Patient:innen das Nutzenpotential der Gesundheits-Apps zu verdeutlichen, um stärkere Nachfrage zu generieren. Dazu müssen gängige Evidenzbewertungen auf den Prüfstand.

Gesundheits-Apps sind mutige und nützliche Innovation

Mit den Digitalen Gesundheitsanwendungen hat das Bundesgesundheitsministerium in kurzer Zeit eine echte Innovation in das regulierte Gesundheitssystem gebracht. Ihr Mehrwert für die Versorgung wird nun von der zunehmenden Akzeptanz im Versorgungsalltag sowie von ihrer Evidenz abhängen. Ein Überdenken von Studiendesigns zur Nutzenbewertung der DIGAs könnte bewirken, dass mehr Ärzt:innen und Patient:innen DIGAs als sinnvolle Therapiemöglichkeit erkennen.

Portrait Dr. Henrik Matthies

„Durch DiGA kommen endlich qualifizierte, innovative digitale Lösungen auch in den Alltag der Patient:innen. Und das gesamte Gesundheitswesen lernt mit, wie wir in Zukunft Performance-basiert Leistungen vergüten können. Zudem stehen Dank DiGA qualifizierte Real World Data zur Verfügung, ein Datenschatz für das gesamte Gesundheitswesen.“

Dr. Henrik Matthies, Health Innovation Hub | Moderator

Vorgehensweise war richtig

Der Start des DIGA-Fast Tracks war der richtige Weg, um innovative Angebote zügig im Versorgungsalltag zu etablieren. Dies unterstreicht Dr. Henrik Matthies mit seiner Zwischenbilanz, die er nach zwölf Monaten anhand von zehn KPIs zieht. Dass Deutschland sich mit zwanzig Ländern über die DIGA-Einführung austausche, belege den Erfolg der Fast-Track-Regelungen. Ohne sie wären aktuell nur wenige DIGAs verzeichnet und viele sinnvolle Lösungen blieben ungenutzt. Jetzt umfasse das Verzeichnis neben fünf endgültig zugelassenen fünfzehn weitere DIGAs. Für diese könnten Wirksamkeitsnachweise zur endgültigen Aufnahme nachgereicht werden. Nachteile für die Patient:innen habe dies laut Matthies auch dann nicht, wenn positive Versorgungseffekte nicht nachweisbar seien. Schon allein die durch DIGAs erzeugten Daten seien ein Gewinn für alle. Daher sieht Matthies in DIGAs eine mutige Innovation, deren Mehrwert gegeben sei.

Prozesse funktionieren

Patient:innen können DIGAs nach Verordnung durch den Arzt oder nach eigener Direktanfrage bei den Krankenkassen nutzen. Den Anspruch muss die Kasse genehmigen und einen Aktivierungscode für die App-Nutzung übermitteln, erläutert Joachim Henkel. Egal, ob mit oder ohne Verordnung funktioniere dieser Prozess seit November 2020 seitens seiner Kasse sehr gut, befindet er. Seit Einführung der DIGAs steige die Nachfrage bei der AOK Hessen leicht an.

Nachfrage geringer als erwartet

Allerdings waren Henkels Erwartungen an die Nachfrage höher. Nur 82 Anfragen pro Monat könne man mit Stand Ende August 2021 verzeichnen und diese bezögen sich lediglich auf acht DIGAs. Den Grund sieht Henkel u.a. in der Zurückhaltung der Ärzt:innen. Am meisten frequentiert worden sei die Tinnitus-App Kalmeda. Vier der acht nachgefragten Anwendungen beträfen psychische Erkrankungen, berichtet Henkel. Überrascht habe ihn, dass die erwartete Flut an Diabetes-Apps ausgeblieben ist und nur eine Anwendung gelistet sei. Angefragt worden sei diese bei der AOK Hessen bislang noch nicht.

DIGAs für Hersteller noch nicht rentabel

Angesichts der Entwicklungskosten seien die Hersteller laut Matthies auf eine massenhafte Verbreitung der Apps angewiesen. Verdienen könnten sie ausschließlich am Preis der DIGA. Dieser bemesse sich nach einer 12-Monats-Frist an der Evidenz der Anwendung und den darauf basierenden Preisverhandlungen mit dem GKV-SV.

Nutzenbewertung der DIGAs neu denken

Die Evidenz mit Wirkungsmessungen zu belegen sei häufig ein Problem, da die klassischen Studiendesigns bei DIGAs nicht funktionieren, meint Dr. Thomas Elter, Sonderpreisträger beim MSD-Gesundheitspreis 2019 mit der Onkologie-App EasyOncology. Vom Mehrwert onkologischer DIGAs ist er überzeugt, weil sie das Potential haben, durch Vermittlung von Gesundheitskompetenz die Leitlinien-Adhärenz zu verbessern und damit vermutlich auch das Überleben günstig zu beeinflussen. Als problematisch sieht Elter, dass die üblicherweise eingesetzten standardisierten Fragebögen ungeeignete Instrumente zur Messung der spezifischen und eigentlich relevanten Gesundheitskompetenz sind. Dies kann zur Zulassung allgemeingültiger DiGAs führen, die aber die vom BfArM geforderten Voraussetzungen erfüllen. Es müssen auch alternative und an die neuartigen Formen der Datenerhebung angepasste Studiendesigns angedacht werden, mit denen sich die erforderliche Relevanz und Signifikanz der DiGAs erheben und absichern lassen. „Placebo-kontrolliert und doppelblind“ seien bei DIGAs keine zielführenden Kriterien, konstatiert er. Um über Evidenz und Nutzen von DIGAs urteilen zu können, müssten die „richtige Fragen in den richtigen Studien“ gestellt werden.

Referenten

Portrait Dr. Henrik Matthies

Dr. Henrik Matthies

Health Innovation Hub | Moderator

Portrait Joachim Henkel

Joachim Henkel

AOK Hessen | Referent

Portrait Thomas Elter

Dr. Thomas Elter

Easy Medical Applications | Referent

11. MSD Gesundheitsforum 2021 Beginnende Moderation
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Die Pandemie hat aufgedeckt, wo Gesundheitsversorgung besser werden muss. Jetzt sind die Konsequenzen zu ziehen.

Real World Evidence – Bedeutung und Chancen für die Arzneimittelentwicklung?

Wer bessere Evidenz von Therapien will, muss für die systematische Zusammenführung vorhandener Versorgungsdaten sorgen.

Workshop 1

Post Pandemie: optimale Strategien für die „endemische“ Phase

Schnelle Zulassungen, Erprobung der mRNA-Technologie, frühere Diagnostik und Fortschritt in der digitalen Medizin sind positive Effekte der Pandemie. Sie werden die Versorgung dann nachhaltig verbessern, wenn in der endemischen Phase datenbasiert und gemeinsam weitergeforscht wird.

Erkenntnisgewinn aus Pandemie für bessere Versorgung nutzen

Die Corona-Pandemie hat zu vielen persönlichen Schicksalen und langfristigen wirtschaftlichen Folgen geführt. Zugleich hat sie vieles in kurzer Zeit möglich gemacht, weil der Druck zum Handeln da war. Nun ist ein großer Bevölkerungsanteil geimpft – aber noch ist das Virus nicht besiegt. Es wird unser Leben auf Jahre begleiten. Deshalb ist zu klären, wo wir jetzt stehen und welche Herausforderungen die endemische Phase bezüglich Prävention und Versorgungsstrukturen birgt.

Hohe Wahrscheinlichkeit postpandemischer Epidemien

„Wie hat sich die Welt nach der Pandemie verändert?“, lautet für Prof. Dr. Mathias Pletz die zentrale Frage. Sie habe einerseits Risiken mit sich gebracht, stellt er fest. Die rasante Evolution des Erregers, in der neue Varianten alte schnell ablösten, habe überrascht. Auch bestehe die Gefahr schwerer postpandemischer Epidemien durch das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) und die Influenza. Insbesondere weil gut zwei Jahre lang die Influenza-Saison ausgefallen sei und die Immunität der Bevölkerung nun nachlasse.

Mehr Tempo bei Zulassungen

Ein Pluspunkt sei die beschleunigte Zulassung. Was bei den Vakzinen zum Schutz vor SARS-CoV-2-Infektionen in wenigen Monaten möglich wurde, habe vor der Pandemie rund zehn Jahre gedauert. Abstriche bei der Sicherheit habe es dennoch nicht gegeben, ergänzt der Experte. Das Tempo wurde möglich, indem die Studienphasen ineinandergeschoben und die Zulassungsbehörden mit dem „Rolling-Review“ deutlich schneller gearbeitet haben.

Potentiale der mRNA-Technologie erprobt

Ein weiterer Gewinn sind laut Pletz die mRNA-Vakzine. Diese am Computer designten Impfstoffe böten zahlreiche Vorteile gegenüber anderen Impfstoffen. Sie könnten im Gegensatz zu Lebendimpfstoffen bedenkenlos bei immunsupprimierten Patient:innen eingesetzt werden. Bedeutsam sei vor allem ihre schnelle Adaptierbarkeit. Beides seien Gründe, weswegen die mRNA-Technologie weit über COVID hinaus Anwendung fände und viel Potential für die Bekämpfung von Infektions- und Krebserkrankungen habe.

Innovationsschub für die Versorgung

Als Katalysator bezeichnet Pletz die Pandemie für die Telemedizin. Videosprechstunden, die bislang kaum angeboten wurden, wurden möglich gemacht als Patient:innen Angst hatten, sich in den Arztpraxen mit Corona zu infizieren. Nun gäbe es in Baden-Württemberg sogar eine rein virtuelle Praxis mit e-Rezept. Insgesamt werde die Versorgung durch Erkenntnisse profitieren, die im Verlauf der Pandemie gewonnen wurden, resümiert Pletz. Endlich werde die hohe Krankheitslast von Virusinfektionen insbesondere hinsichtlich kardiovaskulärer Folge-Ereignisse erkannt. „Toll“, findet Pletz zudem, dass jetzt „fast jeder Laie die Bedeutung von Antigen- und PCR-Test sowie Sequenzierung in der Diagnostik“ kennt. Das mache bessere Versorgung und Prävention in der endemischen Phase möglich.

Für Innovation und globale Versorgung kooperieren

Auch wenn SARS bleibe, werde sich die Welt mit anderen Krankheiten beschäftigen müssen, ist sich Dr. med. Klaus Schlüter sicher. Infektionskrankheiten seien zurück im Fokus, meint er. Um die Versorgung der Menschen in der postpandemischen Phase zu verbessern, müssten die pharmazeutischen Unternehmen zum einen die Verteilung von Impfstoffen und Arzneimitteln in entlegene Teile der Welt sichern. Zum anderen müssten neue prophylaktische Impfstoffe und therapeutische Substanzen entwickelt werden. Gelingen könne beides durch globale Zusammenarbeit und die Nutzung digitaler Kanäle, um Expert:innen nicht-universitärer und universitärer Einrichtungen zu vernetzen.

Mehr Daten für die Forschung erzeugen und gemeinsam nutzen

Forschung werde derzeit intensiv nachgefragt und viele wichtige Erkenntnisse, etwa zu Therapien bei Sepsis, Covid-19 und weiteren Infektionskrankheiten lägen schon vor. Aber die Forschung müsse noch weiter vorangetrieben werden, so Schlüter. Dazu brauche es Daten, die gemeinsam erhoben und genutzt werden können. Insgesamt würden sich die Wege ändern, sodass Sicherheitskonzepte für beschleunigte Verfahren bei der Entwicklung neuer Präparate zu etablieren seien.

Publikumsbefragungen zu den kommenden Herausforderungen

Zudem fokussierte eine erste Publikumsbefragung die relevanten Herausforderungen der endemischen Phase von SARS-CoV-2 und benannte dabei unter anderem die Herdenimmunität, Impfkampagnen sowie die besondere Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen. Schließlich stellte eine zweite Befragung notwendige Entwicklungen dar, die zusätzlich neben einer hohen Impfquote erforderlich sind. Darunter die Einführung digitaler Impferinnerungssysteme oder aktive COVID-19 Therapieoptionen in der Akutphase. Die Ergebnisse der Publikumsbefragung finden Sie in den nachfolgenden Abbildungen.

Referenten

Portrait Dr. Klaus Schlüter

Dr. Klaus Schlüter

MSD | Moderation und Referent

Portrait Prof. Dr. Mathias Pletz

Prof. Dr. Mathias Pletz

Uniklinik Jena | Referent

11. MSD Gesundheitsforum 2021 Beginnende Moderation
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Die Pandemie hat aufgedeckt, wo Gesundheitsversorgung besser werden muss. Jetzt sind die Konsequenzen zu ziehen.

Diskussionsrunde mit Dr. Thomas Elter, Joachim Henkel und Dr. Henrik Matthies
DiGAs – Mehrwert in der Versorgung oder nur eine nette Spielerei?

Seit November 2020 gibt es DIGAs. Damit ihr Mehrwert für die Versorgung steigt, müssen viele Patient:innen sie nutzen.

Podiumsdiskussion 2

Digitale Gesundheitspolitik – Wo stehen wir in 3-5 Jahren?

Digitalisierung muss in der Versorgung erfahrbar werden. Mit der ePA kann das gelingen. Ihr Roll-Out braucht eine Umsetzungsstrategie die auf den Nutzen für Behandler und Patient:innen abzielt. Neben größerer Usabilty braucht es auch einen kulturellen Wandel in der Haltung der Akteure, damit Digitalisierung zu besserer Versorgung beiträgt.

Mit klarer Strategie zu erlebbarem Mehrwert von Digitalisierung

Ohne SARS-CoV-2 wäre das deutsche Gesundheitswesen heute nicht da, wo es jetzt durch die pandemiebedingten Digitalisierungsimpulse steht. Der gesetzliche Rahmen für ein digitales, systematisch lernendes Gesundheitssystem ist geschaffen. In der nächsten Legislaturperiode muss es in die Umsetzung gehen. Und zwar mit einer Strategie, deren Ziel es ist, den Nutzen von aufeinander abgestimmten Digitalisierungsprojekten in der konkreten Versorgung erfahrbar zu machen. In diesem Kontext wird es vor allem wichtig sein, zügig einen Weg zu finden die elektronische Patientenakte flächendeckend auszurollen und ihre Usability für alle Beteiligten zu erhöhen.

Kassensturz nötig: Wo steht die Digitalisierung heute?

Viel Lob spendeten die Diskutanten für den Digitalisierungsturbo des amtierenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn. Zugleich mahnten vor allem Prof. Dr. Andrew Ullmann und Maria Klein-Schmeink an, dass eine richtige Strategie dafür fehlt, wie die Gesetzgebung in der Gesundheitsversorgung faktisch ankommen kann. Laut Ullmann wurde zu lange „herumgedoktert“ und „Milliarden verschwendet“. Jetzt müsse ein „Kassensturz“ zum Status Quo erfolgen und geschaut werden, wie Digitalisierung auf den Weg gebracht werden kann.

Bessere Versorgung durch ePA erfahrbar machen

Als dringlichsten Ansatzpunkt einer Umsetzungsstrategie verorten alle Diskutanten die elektronische Patientenakte. Denn ohne die ePA fehle nach Meinung von Klein-Schmeink die Datenbasis für eine bessere Versorgung. Dabei seien Patient:innen und Patientenverbände bei der Entwicklung von Anwendungen mit einzubeziehen, um die Akzeptanz zu garantieren.

„In 3-5 Jahren werden wir Patient:innen systematisch bei allen Entwicklungsschritten beteiligen und durch kluge und funktionierende Anwendungen die Vorteile der Digitalisierung zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung einsetzen.“ Maria Klein-Schmeink

Noch sei es zu umständlich, sich eine ePA anzulegen und der Mehrwert zu gering. Z.B. seien nur Grunddaten aufgespielt, ein Medikationsplan müsse erst hineingeladen werden und es sei unklar, wie ältere Daten zu Erkrankungen des Patient:innen ergänzt werden könnten. Ziel müsse es laut Klein-Schmeink sein, dass bspw. Parkinson- oder MS-Patient:innen ihre Daten in der ePA zusammenführen und gemeinsam mit Behandelnden ihre Behandlungsfortschritte gestalten können. Auch die Zuschauer:innen nennen in der Publikumsbefragung zum wichtigsten Digitalisierungsprojekt am häufigsten die ePA, aber auch die Nutzung von Daten für die Versorgungsforschung, der Kommunikationsdienst KIM sowie allgemein der Breitbandausbau werden als relevant angesehen.

Digitalisierung braucht kulturellen Wandel

Effizienzsteigerungen, die u.a. aus vermeidbaren Mehrfachuntersuchungen und koordinierbaren Behandlungsmöglichkeiten folgen, nennt Boris Velter als wichtiges Argument für die Priorisierung des ePA-Rollouts. Voraussetzung sei ein kultureller Wandel, der bewirke, dass Behandler und Patienten Vorbehalte ablegen und die Anwendungen faktisch nutzen. Den notwendigen Kulturwandel bezeichnet er als die größte Herausforderung auf dem Weg hin zu einem digitalen, systematisch lernenden Gesundheitssystem.

Nutzen muss bei Patient:innen ankommen

Mit dem Motto aus dem Gutachten des Sachverständigenrates „Daten teilen heißt besser heilen“, bringt Ullmann die Relevanz der ePA für die Digitalisierungsprozesse auf den Punkt.

„Die Digitalisierung im Gesundheitswesen, unter Einhaltung des Datenschutzes, ist die Chance die gesundheitliche Versorgung zum Wohle der Patienten deutlich zu verbessern. Deshalb dürfen wir keine Zeit mehr verlieren.“
Prof. Dr. Andrew Ullmann

Polypharmazie, Fehlmedikation und Hospitalisierung vermeiden, Diagnosen und Therapien verbessern, so beschreibt er die Chancen dieses Instruments. In drei bis vier Jahren müsse dieser Mehrwert inklusive Klärung von Fragen des Datenschutzes, der Datensicherheit und der Haftung bei den Patient:innen ankommen.

Opt-Out-Modell als Beschleuniger

Die Fortschritte für Patient:innen spürbar machen, will in der nächsten Legislaturperiode auch Bernhard Seidenath. Dazu gehöre für ihn, die Verbreitung der ePA zu beschleunigen. Sein Vorschlag lautet grundsätzlich alle Versicherten über ein Opt-Out-Modell mit der ePA auszustatten, d.h. sie zum Standard zu erklären. Durch das Zusammentragen und Auswerten von Daten aus den ePAs könnten Krankheiten wie beispielsweise Demenz besser verstanden und Quantensprünge in der Diagnostik möglich werden. Die Versorgungsforschung könnte so einen wichtigen Schub erfahren. Die Politik sei verpflichtet den Patient:innen die Vorteile der Digitalisierung und digitaler Anwendungen zuteilwerden zu lassen.

Referenten

Portrait Maria Klein-Schmeink

Maria Klein-Schmeink

MdB, Bündnis 90/Die Grünen | Referentin

Portrait Bernhard Seidenath

Bernhard Seidenath

MdL, CSU | Referent

Portrait Prof. Dr. Andrew Ullmann

Prof. Dr. Andrew Ullmann

MdB, FDP – UGS | Referent

Portrait Boris Velter

Boris Velter

Staatssekretär a.D., SPD – ASG | Referent

11. MSD Gesundheitsforum 2021 Beginnende Moderation
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Die Pandemie hat aufgedeckt, wo Gesundheitsversorgung besser werden muss. Jetzt sind die Konsequenzen zu ziehen.

Post Pandemie: optimale Strategien für die „endemische“ Phase

Schnelle Zulassungen, Erprobung der mRNA-Technologie, frühere Diagnostik und Fortschritt in der digitalen Medizin sind positive Effekte der Pandemie.

Podiumsdiskussion 1
Podiumsdiskussion 1

Digitalisierung für Gesundheit

Im Versorgungsalltag ist der Nutzen der Digitalisierung bislang kaum angekommen. Um keine Chancen zu verschenken, muss jetzt im Sinne der Leistungserbringer und zum Wohle der Patient:innen gemeinsam an der Weiterentwicklung von Anwendungen gearbeitet werden.

Digitalisierungspotentiale noch nicht ausgeschöpft

Das Mindset muss sich ändern, damit Digitalisierung in der Versorgung ankommt, fordert Prof. Dr. Greiner. Aktuell habe er den Eindruck, dass Mediziner:innen die Digitalisierung eher als eine Belastung empfinden und der Nutzen für Patient:innen nicht nachvollziehbar ist. Er wolle keinen Pessimismus verbreiten, aber es müsse noch vieles getan werden. So müsse bspw. die ePA für die Nutzenden auch faktisch nutzenstiftend sein. In jetziger Form werde sie „wahrscheinlich nicht zum Fliegen kommen“. Das dürfe man sich nicht lange anschauen, sondern andere Wege suchen und z.B. über das Opt-Out-Modell nachdenken. Bei der Entwicklung von digitalen Lösungen, wie etwa den DIGAs, sei Wettbewerb richtig. Zugleich müsse für die Interoperabilität der Systeme gesorgt werden. Für diesen Rahmen sei die Gematik zuständig.

Funktionierende Lösungen müssen Massenanwendung werden

Dass die Digitalisierung trotz enger Zeitvorgaben des Gesetzgebers in der ambulanten Versorgung noch nicht angekommen ist, sieht auch Thomas Müller. Der Mangel an geeigneten und ausgereiften Anwendungen sei die Ursache dafür. Grundsätzlich habe die Gesetzgebung nach Müllers Ansicht den Nerv von Ärzt:innen und Patient:innen getroffen. Jetzt müssten funktionierende Lösungen entwickelt werden, die als Massenanwendungen (eAU, eRezept) bei Leistungserbringern und Patient:innen nutzenstiftend ankommen. „Von alleine geht nichts“, konstatiert Müller. Die Rahmenbedingungen müssten stimmen, es brauche „Anschub und Pioniergeist“ sowie konstruktive Zusammenarbeit.

Neue Zusammenarbeitsmodelle für mehr Patientenwohl

„Wo ist der Nutzen für den Patienten?“ formuliert Dr. Irmgard Stippler die Leitfrage für Digitalisierungsprojekte und fordert komplett neue Zusammenarbeitsmodelle für die, die Digitalisierung bereitstellen. Es gelte, lernende Systeme zu installieren, die nach ihrem Start permanent reflektiert und gemeinsam weiterentwickelt werden. Indem man besser darin werde, Patient:innen individuell anzusprechen, gut abzuholen und gut zu begleiten, steige das Patien-tenwohl. Erst dadurch werde, so Stippler, Digitalisierung für Patient:innen positiv erlebbar. In die ePA seien unbedingt weitere Anwendungen zu integrieren, damit die ePA nicht nur für Patient:innen, sondern für alle Versicherten rund um ihre Gesundheit attraktiv wird. Laut Stippler ist es für die GKV unbestritten sinnvoll, Präventions- und Versicherungsleistungen digital anzubieten.

Anwendungen an Versorgungsalltag anpassen

Dr. Irmgard Landgraf ist überzeugt, dass sich in ihrem Praxisalltag als Ärztin noch vieles durch digitale Anwendungen erleichtern lasse. Allerdings gebe es viele technische Umsetzungsprobleme und gelieferte Tools seien nicht immer an den Versorgungsalltag angepasst. Mehr Kommunikation zwischen den Entwicklern und Anwender:innen könne hier helfen. Die Chancen der Digitalisierung würden in der Praxis vielfach verschenkt, sagt Landgraf. Die technischen Voraussetzungen müssten gewährleistet sein und manchmal könne mehr Standardisierung helfen.

Datenzugriff für Forschung ermöglichen

Wie groß der Mehrwert der Digitalisierung für die Versorgung der Menschen wird, hängt für Dr. Jutta Wendel-Schrief auch davon ab, inwieweit die erzeugten Daten genutzt werden könnten. Vorbehalte beim Teilen von Gesundheitsdaten könne sie nicht immer nachvollziehen. Schließlich gehe man in der klinischen Forschung, wo Patientendaten bereits genutzt werden, sehr sorgsam damit um. Die Forschung interessiere aber auch, was im Real-World-Setting passiere. Datenzugriff könne helfen bessere Therapieerfolge zu erzielen.

Datenschutz hinterfragen

Der Datenschutz habe individuelle und kollektive Nachteile für die Versorgungsoptimierung, meint auch Greiner. Er fordert einen ausbalancierteren Umgang mit dem Datenschutz. Dieser solle nicht nur als Abwehrrecht, sondern auch als Teil des Patientenschutzes verstanden werden. Werde da nachjustiert, wäre laut Greiner eine bessere Verzahnung von Forschung und Versorgung möglich. Diese wiederum sei am einfachsten, wenn die ePA eine weite Verbreitung in der Bevölkerung schaffe und als Datenschatz bspw. zur Erforschung von Long Covid genutzt werden könnte. Das sei ein großes schwarzes Loch, aber mit Möglichkeiten der Datennutzung könnten Assoziationen festgestellt und Forschungsansätze generiert werden.

Referenten

Portrait Prof. Dr. Wolfgang Greiner

Prof. Dr. Wolfgang Greiner

Sachverständigenrat für Gesundheit | Referent

Portrait Dr. Irmgard Landgraf

Dr. Imgard Landgraf

APS | Referentin

Portrait Thomas Müller

Thomas Müller

KV Westfalen-Lippe | Referent

Portrait Dr. Irmgard Stippler

Dr. Irmgard Stippler

AOK Bayern | Referentin

Portrait Dr. Jutta Wendel-Schrief

Dr. Jutta Wendel-Schrief

MSD | Referentin

11. MSD Gesundheitsforum 2021 Beginnende Moderation
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Die Pandemie hat aufgedeckt, wo Gesundheitsversorgung besser werden muss. Jetzt sind die Konsequenzen zu ziehen.

Podiumsdiskussion 2
Podiumsdiskussion 2

Der gesetzliche Rahmen für Digitalisierung steht. Jetzt muss sie mit der richtigen Strategie in der Versorgung ankommen.

Gesundheitspolitik

2021 – ein Jahr vieler Herausforderungen: Doch gemeinsam kommen wir weiter!

21. Dezember 2021

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Clemens Kuhne

Als um den Jahreswechsel 2019 / 2020 die ersten Meldungen und Berichte über eine neuartige und hochansteckende Lungenkrankheit in China publik wurden, hat kaum jemand überblicken können, welche weitreichenden sozialen und ökonomischen Auswirkungen dieses Virus auf dem gesamten Globus entfalten würde. Mittlerweile – Stand Dezember 2021 – befinden wir uns in Deutschland in der vierten Corona-Welle. Die Lage bleibt angespannt, ein Ende der Pandemie ist nicht absehbar.

Pharma-Unternehmen und deren Forscher:innen kämpfen seit nunmehr fast zwei Jahren gegen Covid-19 und seine Ursache, das Coronavirus SARS-CoV-2.

Sie entwickeln und liefern Impfstoffe, erproben vorhandene Medikamente, entwickeln neue Arzneimittel und unterstützen die Gesundheitssysteme betroffener Länder. Auch kooperieren sie vielfach untereinander – insgesamt eine Mammutaufgabe! Umso beeindruckender sind die schnellen Entwicklungen der Corona-Impfstoffe und der ersten Covid-19-Therapeutika.

Auch wir von MSD engagieren uns seit Beginn der Pandemie an den unterschiedlichsten Stellen: wir beteiligten uns an globalen Impfstoffinitiativen, unterstützten eine Reihe von Forschungsvorhaben und investierten in die Entwicklung antiviraler Wirkstoffe gegen COVID-19. Unsere oral einzunehmende antivirale Monotherapie befindet sich aktuell in der Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) und soll die Behandlung von Corona-Patient:innen in Zukunft unterstützen. Mit dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) wurde bereits eine Liefervereinbarung abgeschlossen. Neben der Entwicklung unserer Therapie trägt MSD auch durch seine Zusammenarbeit mit Johnson & Johnson (J&J) zur Pandemiebekämpfung bei. So unterstützen wir die Herstellung und Lieferung des J&J-Impfstoffs gegen COVID-19. Diese Kooperation wollen wir auch 2022 fortsetzen.

Es ist wichtig, dass trotz dieser globalen Herausforderung andere Erkrankungen nicht aus dem Blick geraten. Deshalb arbeiten wir weiter u. a. an innovativen Antibiotika, Impfstoffen und onkologischen Therapien. Die Verfügbarkeit und Durchführung von Standardimpfungen – etwa gegen Pneumokokken und HPV – bleiben auch in Pandemiezeiten unabdingbar. So leisten wir einen Beitrag zur Stabilisierung unseres stark geforderten Gesundheitssystems und können dabei helfen, die Versorgung und Therapie von Patient:innen zu sichern. Darauf sind wir stolz.

Politisch war – auch neben Corona – in diesem Jahr eine Menge los.

2021 war geprägt von wahlbedingten Umbrüchen auf Landes- und Bundesebene, der Bildung neuer politischer Konstellationen, von Auf- und Abstiegen von Politiker:innen und Parteien, von kleinen und größeren Skandalen bis hin zum Ende einer ganz besonderen politischen Karriere.

Ein Highlight für uns – und für mich ganz persönlich – der Besuch der scheidenden Kanzlerin Angela Merkel in unserem Werk in Burgwedel, in dem u. a. ein Impfstoff gegen Ebola produziert wird. Ein noch größerer Grund zur Freude: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den jüngsten Ausbruch der Virus-Erkrankung im Kongo kürzlich für beendet erklärt. Im Kampf gegen das Auftreten kam dabei erstmalig auch jener Impfstoff zum Einsatz.

Hierzulande war die Bundestagswahl eines der Themen des Jahres und bis zum Schluss blieb es spannend – ein Auf und Ab der Umfragen. Bis zum Sommer galt vielen Beobachter:innen dabei eine Koalition aus Schwarz und Grün als ausgemacht – auch ich hatte das erwartet. Doch diese Prognosen lösten sich spätestens am Wahltag in Luft auf. Die SPD wurde stärkste Kraft. Die Ära Merkel ist nach 16 Jahren zu Ende gegangen und damit auch die Zeit der Union im Kanzleramt. Seit Anfang Dezember 2021 wird Deutschland von einer Ampel-Koalition aus SPD, GRÜNEN und FDP regiert. Ein Novum auf Bundesebene. Die im Koalitionsvertrag aufgenommenen Vorhaben signalisieren einen umfassenden Gestaltungswillen der neuen Regierung um Bundeskanzler Olaf Scholz. Das ist gut, denn die Aufgabenliste ist lang – insbesondere im Gesundheitsbereich. Einige Gesetze und Regularien, die in der letzten Legislaturperiode angestoßen bzw. umgesetzt wurden, bieten eine gute Grundlage, auf der aufgebaut werden kann. Es bleibt viel zu tun.

Der Koalitionsvertrag zeigt eine widersprüchliche Sichtweise der neuen Koalitionäre auf die pharmazeutische Industrie.

Auf der einen Seite wird die Relevanz der Gesundheitswirtschaft für den Standort, die Wertschöpfung und Innovationskraft der Bundesrepublik betont und versucht, über gezielte Impulse eine Förderung dieses Bereichs anzustoßen. Hier lässt sich eine Vielzahl positiver Ansätze benennen, bspw. der verbesserte Zugang zu Gesundheitsdaten für die private Forschung, den Kampf gegen Antibiotikaresistenzen, die Förderung von Prävention und Aufklärung bis hin zu gezielten Verbesserungen für den Produktions- sowie F&E-Standort Deutschland. Konterkariert wird das Ganze jedoch über kritische Reformvorhaben im Bereich der frühen Nutzenbewertung und Preisverhandlung für innovative Arzneimittel – dem sog. AMNOG-Verfahren. Hier strebt die neue Bundesregierung ebenfalls Veränderungen an, die uns Sorgen bereiten. Eine Weiterentwicklung des AMNOG ist grundsätzlich sinnvoll. Wichtig ist aber, dass alle betroffenen Akteure in die Debatte und Umsetzung einbezogen werden, ein konsensorientierter Prozess eingeleitet und keine Schieflage im System etabliert wird. Wenn die Ampel-Koalition Arznei- und Impfstoff-Innovationen sowie Forschung und Entwicklung fördern will, darf sie der Industrie nicht gleichzeitig neue Hürden bauen.

Was kommt gesundheitspolitisch auf uns zu?

In verschiedenen Bereichen des Gesundheitssystem ist es unabdingbar, dass wir in den nächsten vier Jahren Schritte nach vorne machen: So z. B. in der Prävention und der Steigerung der Impfquoten – insbesondere bei Standardimpfungen wie HPV –, in der Förderung von Kinder- und Jugendgesundheit. Auch Fortschritte im Bereich der Antibiotikaforschung und -erstattung sind notwendig sowie die weitere Digitalisierung des Gesundheitswesens – Stichwort e-Rezept, elektronische Patientenakte (ePA) oder digitales Impfmonitoring. Ebenfalls zentral ist die Förderung von Innovationen im Bereich der Krebstherapien. Hier wird auch die Ausgestaltung und Umsetzung des europäischen Krebsplans eine zentrale Rolle spielen.

Die Aufgaben für den neuen Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach sind komplex und vielfältig. Für ihre Bewältigung wünschen wir ihm und dem Team im BMG viel Tatkraft und Erfolg im Sinne der Patient:innen. In diesem Geiste hoffen wir auf eine gute und konstruktive Zusammenarbeit in der kommenden Legislaturperiode.

Deutschland braucht eine verlässliche und gute Gesundheitspolitik in der Krise, aber auch danach.

Daran wollen wir weiterhin gemeinsam arbeiten.

Ihr Kontakt

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Clemens Kuhne
Director Gesundheitspolitik und Patientenbelange | Leiter MSD hub berlin

+49 30 700 141 650

clemens.kuhne@msd.de

Gesundheitspolitik

Lehren aus der Pandemie – Muss sich die onkologische Versorgung wandeln?

09. November 2021

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Luncheon Nov

Welche Lehren können wir aus der Pandemie für die onkologische Versorgung in Deutschland ziehen, um die nachhaltige Versorgung aller Patient:innen zu gewährleisten? Diese Frage stand im Fokus des MSD Luncheon.

Die Erfahrungen und Erkenntnisse der Anwesenden aus den vergangenen beiden Jahren zeigen deutlich: Covid-19 hat viele Schwachstellen des bestehenden Systems schonungslos offengelegt. Verzögerungen und Rückgänge in der Krebsdiagnostik, eine geringere Anzahl an behandelten Patient:innen, Einschränkungen bei der Nachsorge und nichtärztlicher Betreuung oder die Verschiebung zahlreicher Behandlungen in der Hochphasen des Infektionsgeschehens.

Mit Blick auf die bisherigen Auswirkungen der Pandemie auf die onkologische Versorgungssituation in Deutschland ist laut Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und Ärztlicher Direktor für Innere Medizin I an der Uniklinik Ulm, vor allem die Ressourcenallokation im Gesundheitswesen in der Krise an ihre Grenzen gestoßen. Dies habe sich besonders beim Personal bemerkbar gemacht. Der anhaltende Personalnotstand, bedingt durch die anspruchsvollen Arbeitsbedingungen und strikten Quarantäneregeln, hätte vielerorts zu einer Überbelastung geführt und weitere Fachkräfte aus dem Berufsfeld gedrängt. In Zukunft sei es daher unbedingt notwendig, Strategien zur langfristigen Bindung von Pflegepersonal zu entwickeln.

Die stationäre Versorgung in der Onkologie konnte zwar weitestgehend aufrechterhalten werden, doch auch hier habe es zwangsläufig Priorisierungen gegeben, so Herr Prof. Seufferlein. Besonders gravierende Einschnitte seien jedoch in der psychoonkologischen Versorgung und der Krebsnachsorge verzeichnet worden.

Als eine der Ursachen für viele der entstandenen Probleme identifizierte er die zu langsam voranschreitende Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland in diesem Feld deutlich hinterher. Essentielle Informationen, wie z. B. zur Auslastung von Krankenhausbetten, konnten aufgrund fehlender digitaler Erfassung nicht zur Verbesserung der Versorgung genutzt werden. Umso wichtiger ist jetzt, dass digital vernetzte Dashboards und Register, die als Wissensspeicher für die Forschung dienen können und damit einen enormen Beitrag zur Versorgung von Krebspatient:innen leisten, nicht an datenschutzrechtlichen Fragen scheitern.

Kritisch sieht Prof. Seufferlein auch die öffentliche Kommunikation im Rahmen der Pandemie. So sei durch eine sparsame Kommunikationsstrategie Unsicherheit in der Bevölkerung entstanden. Viele Bürger:innen hätten Vorsorgeuntersuchungen und andere wichtige medizinische Leistungen nicht wahrgenommen.

Erfahrungen aus der Krise als Grundlage für Reformen

Dr. med. Johannes Bruns, Generalsekretär der DKG, betonte wie wichtig langfristige und systemische Lösungen für die onkologische Versorgung sind. Eines der großen Probleme im Gesundheitswesen sei die „Halbwertzeit des Vergessen“. Die politische Reaktion auf aktuell steigende Inzidenzen zeige, dass es zu oft versäumt werde, gewonnene Erkenntnisse aus der Versorgung in Systemreformen zu übersetzen.

Auch beim Thema Krebsregister sieht Dr. Bruns Nachbesserungsbedarf. Eine Reihe kleinteiliger Regelungen im Bereich Datenschutz verhindere die effektive Nutzung von Daten und limitiere den Mehrwert für Versorgung und Forschung. So könne bspw. bei häufigen Arzt- oder Therapiewechseln Probleme auftreten, die sich durch eine Datenbank mit allen nötigen Informationen zur individuellen Krankengeschichte vermeiden ließen. Einzellösungen, wie bspw. das DIVI-Intensivregister, das während der Covid-19-Pandemie weiterentwickelt wurde, könnten in den dauerhaften Gebrauch übergehen und als Vorbild für spätere systematische Lösungen gelten.

Erfahrungen aus der Krise als Grundlage für Reformen

Als ein zentrales Thema für die kommende Legislaturperiode sieht auch Frau Kristine Lütke MdB, FDP, und u.a. Geschäftsführerin einer Seniorenbetreuungs- und Pflegeeinrichtung im Nürnberger Land, die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Die Einführung moderner, digitaler Konzepte sei schon lange Kernthema ihrer Partei. Aus politischer Sicht müsse der Datenschutz zwar stets mitgedacht werden, jedoch dürfe dieser Innovationen mit Mehrwert für die Versorgung und Forschung nicht ausbremsen.

Die zögerliche, flächendeckende Einführung des Krebsregisters ist aus Sicht der FDP nicht zufriedenstellend. Für eine dauerhafte Verbesserung der Versorgungssituation, fordert MdB Lütke eine verstärkte Forschungsförderung in der personalisierten Medizin und weitere, spezialisierte Krebsforschungszentren.

In der sich anschließenden Diskussion stand die Überwindung der Sektorengrenzen im Mittelpunkt. Es herrschte Einigkeit, dass die Interoperabilität zwischen ambulanten und stationären Systemen auch in der onkologischen Versorgung eine tragende Rolle spiele. Zwar gibt es bereits eine Fülle an erfolgsversprechenden Konzepten; zu oft jedoch scheitern sie an der systematischen Umsetzung.

Zentral für Innovation und Fortschritt im Gesundheitswesen ist und bleibt der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Industrie. Auch in der neuen Legislaturperiode werden wir bei MSD die Situation der onkologischen Versorgung in Deutschland genau beobachten und uns für ein verlässliches und krisenfestes System einbringen.

Ihr Kontakt

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Britta Woldt
Manager*in Gesundheitspolitik

+49 17 28 596 516

britta.woldt@msd.de