Workshop 1

Post Pandemie: optimale Strategien für die „endemische“ Phase

Schnelle Zulassungen, Erprobung der mRNA-Technologie, frühere Diagnostik und Fortschritt in der digitalen Medizin sind positive Effekte der Pandemie. Sie werden die Versorgung dann nachhaltig verbessern, wenn in der endemischen Phase datenbasiert und gemeinsam weitergeforscht wird.

Erkenntnisgewinn aus Pandemie für bessere Versorgung nutzen

Die Corona-Pandemie hat zu vielen persönlichen Schicksalen und langfristigen wirtschaftlichen Folgen geführt. Zugleich hat sie vieles in kurzer Zeit möglich gemacht, weil der Druck zum Handeln da war. Nun ist ein großer Bevölkerungsanteil geimpft – aber noch ist das Virus nicht besiegt. Es wird unser Leben auf Jahre begleiten. Deshalb ist zu klären, wo wir jetzt stehen und welche Herausforderungen die endemische Phase bezüglich Prävention und Versorgungsstrukturen birgt.

Hohe Wahrscheinlichkeit postpandemischer Epidemien

„Wie hat sich die Welt nach der Pandemie verändert?“, lautet für Prof. Dr. Mathias Pletz die zentrale Frage. Sie habe einerseits Risiken mit sich gebracht, stellt er fest. Die rasante Evolution des Erregers, in der neue Varianten alte schnell ablösten, habe überrascht. Auch bestehe die Gefahr schwerer postpandemischer Epidemien durch das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) und die Influenza. Insbesondere weil gut zwei Jahre lang die Influenza-Saison ausgefallen sei und die Immunität der Bevölkerung nun nachlasse.

Mehr Tempo bei Zulassungen

Ein Pluspunkt sei die beschleunigte Zulassung. Was bei den Vakzinen zum Schutz vor SARS-CoV-2-Infektionen in wenigen Monaten möglich wurde, habe vor der Pandemie rund zehn Jahre gedauert. Abstriche bei der Sicherheit habe es dennoch nicht gegeben, ergänzt der Experte. Das Tempo wurde möglich, indem die Studienphasen ineinandergeschoben und die Zulassungsbehörden mit dem „Rolling-Review“ deutlich schneller gearbeitet haben.

Potentiale der mRNA-Technologie erprobt

Ein weiterer Gewinn sind laut Pletz die mRNA-Vakzine. Diese am Computer designten Impfstoffe böten zahlreiche Vorteile gegenüber anderen Impfstoffen. Sie könnten im Gegensatz zu Lebendimpfstoffen bedenkenlos bei immunsupprimierten Patient:innen eingesetzt werden. Bedeutsam sei vor allem ihre schnelle Adaptierbarkeit. Beides seien Gründe, weswegen die mRNA-Technologie weit über COVID hinaus Anwendung fände und viel Potential für die Bekämpfung von Infektions- und Krebserkrankungen habe.

Innovationsschub für die Versorgung

Als Katalysator bezeichnet Pletz die Pandemie für die Telemedizin. Videosprechstunden, die bislang kaum angeboten wurden, wurden möglich gemacht als Patient:innen Angst hatten, sich in den Arztpraxen mit Corona zu infizieren. Nun gäbe es in Baden-Württemberg sogar eine rein virtuelle Praxis mit e-Rezept. Insgesamt werde die Versorgung durch Erkenntnisse profitieren, die im Verlauf der Pandemie gewonnen wurden, resümiert Pletz. Endlich werde die hohe Krankheitslast von Virusinfektionen insbesondere hinsichtlich kardiovaskulärer Folge-Ereignisse erkannt. „Toll“, findet Pletz zudem, dass jetzt „fast jeder Laie die Bedeutung von Antigen- und PCR-Test sowie Sequenzierung in der Diagnostik“ kennt. Das mache bessere Versorgung und Prävention in der endemischen Phase möglich.

Für Innovation und globale Versorgung kooperieren

Auch wenn SARS bleibe, werde sich die Welt mit anderen Krankheiten beschäftigen müssen, ist sich Dr. med. Klaus Schlüter sicher. Infektionskrankheiten seien zurück im Fokus, meint er. Um die Versorgung der Menschen in der postpandemischen Phase zu verbessern, müssten die pharmazeutischen Unternehmen zum einen die Verteilung von Impfstoffen und Arzneimitteln in entlegene Teile der Welt sichern. Zum anderen müssten neue prophylaktische Impfstoffe und therapeutische Substanzen entwickelt werden. Gelingen könne beides durch globale Zusammenarbeit und die Nutzung digitaler Kanäle, um Expert:innen nicht-universitärer und universitärer Einrichtungen zu vernetzen.

Mehr Daten für die Forschung erzeugen und gemeinsam nutzen

Forschung werde derzeit intensiv nachgefragt und viele wichtige Erkenntnisse, etwa zu Therapien bei Sepsis, Covid-19 und weiteren Infektionskrankheiten lägen schon vor. Aber die Forschung müsse noch weiter vorangetrieben werden, so Schlüter. Dazu brauche es Daten, die gemeinsam erhoben und genutzt werden können. Insgesamt würden sich die Wege ändern, sodass Sicherheitskonzepte für beschleunigte Verfahren bei der Entwicklung neuer Präparate zu etablieren seien.

Publikumsbefragungen zu den kommenden Herausforderungen

Zudem fokussierte eine erste Publikumsbefragung die relevanten Herausforderungen der endemischen Phase von SARS-CoV-2 und benannte dabei unter anderem die Herdenimmunität, Impfkampagnen sowie die besondere Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen. Schließlich stellte eine zweite Befragung notwendige Entwicklungen dar, die zusätzlich neben einer hohen Impfquote erforderlich sind. Darunter die Einführung digitaler Impferinnerungssysteme oder aktive COVID-19 Therapieoptionen in der Akutphase. Die Ergebnisse der Publikumsbefragung finden Sie in den nachfolgenden Abbildungen.

Referenten

Portrait Dr. Klaus Schlüter

Dr. Klaus Schlüter

MSD | Moderation und Referent

Portrait Prof. Dr. Mathias Pletz

Prof. Dr. Mathias Pletz

Uniklinik Jena | Referent

11. MSD Gesundheitsforum 2021 Beginnende Moderation
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Die Pandemie hat aufgedeckt, wo Gesundheitsversorgung besser werden muss. Jetzt sind die Konsequenzen zu ziehen.

Diskussionsrunde mit Dr. Thomas Elter, Joachim Henkel und Dr. Henrik Matthies
DiGAs – Mehrwert in der Versorgung oder nur eine nette Spielerei?

Seit November 2020 gibt es DIGAs. Damit ihr Mehrwert für die Versorgung steigt, müssen viele Patient:innen sie nutzen.

Podiumsdiskussion 2

Digitale Gesundheitspolitik – Wo stehen wir in 3-5 Jahren?

Digitalisierung muss in der Versorgung erfahrbar werden. Mit der ePA kann das gelingen. Ihr Roll-Out braucht eine Umsetzungsstrategie die auf den Nutzen für Behandler und Patient:innen abzielt. Neben größerer Usabilty braucht es auch einen kulturellen Wandel in der Haltung der Akteure, damit Digitalisierung zu besserer Versorgung beiträgt.

Mit klarer Strategie zu erlebbarem Mehrwert von Digitalisierung

Ohne SARS-CoV-2 wäre das deutsche Gesundheitswesen heute nicht da, wo es jetzt durch die pandemiebedingten Digitalisierungsimpulse steht. Der gesetzliche Rahmen für ein digitales, systematisch lernendes Gesundheitssystem ist geschaffen. In der nächsten Legislaturperiode muss es in die Umsetzung gehen. Und zwar mit einer Strategie, deren Ziel es ist, den Nutzen von aufeinander abgestimmten Digitalisierungsprojekten in der konkreten Versorgung erfahrbar zu machen. In diesem Kontext wird es vor allem wichtig sein, zügig einen Weg zu finden die elektronische Patientenakte flächendeckend auszurollen und ihre Usability für alle Beteiligten zu erhöhen.

Kassensturz nötig: Wo steht die Digitalisierung heute?

Viel Lob spendeten die Diskutanten für den Digitalisierungsturbo des amtierenden Bundesgesundheitsministers Jens Spahn. Zugleich mahnten vor allem Prof. Dr. Andrew Ullmann und Maria Klein-Schmeink an, dass eine richtige Strategie dafür fehlt, wie die Gesetzgebung in der Gesundheitsversorgung faktisch ankommen kann. Laut Ullmann wurde zu lange „herumgedoktert“ und „Milliarden verschwendet“. Jetzt müsse ein „Kassensturz“ zum Status Quo erfolgen und geschaut werden, wie Digitalisierung auf den Weg gebracht werden kann.

Bessere Versorgung durch ePA erfahrbar machen

Als dringlichsten Ansatzpunkt einer Umsetzungsstrategie verorten alle Diskutanten die elektronische Patientenakte. Denn ohne die ePA fehle nach Meinung von Klein-Schmeink die Datenbasis für eine bessere Versorgung. Dabei seien Patient:innen und Patientenverbände bei der Entwicklung von Anwendungen mit einzubeziehen, um die Akzeptanz zu garantieren.

„In 3-5 Jahren werden wir Patient:innen systematisch bei allen Entwicklungsschritten beteiligen und durch kluge und funktionierende Anwendungen die Vorteile der Digitalisierung zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung einsetzen.“ Maria Klein-Schmeink

Noch sei es zu umständlich, sich eine ePA anzulegen und der Mehrwert zu gering. Z.B. seien nur Grunddaten aufgespielt, ein Medikationsplan müsse erst hineingeladen werden und es sei unklar, wie ältere Daten zu Erkrankungen des Patient:innen ergänzt werden könnten. Ziel müsse es laut Klein-Schmeink sein, dass bspw. Parkinson- oder MS-Patient:innen ihre Daten in der ePA zusammenführen und gemeinsam mit Behandelnden ihre Behandlungsfortschritte gestalten können. Auch die Zuschauer:innen nennen in der Publikumsbefragung zum wichtigsten Digitalisierungsprojekt am häufigsten die ePA, aber auch die Nutzung von Daten für die Versorgungsforschung, der Kommunikationsdienst KIM sowie allgemein der Breitbandausbau werden als relevant angesehen.

Digitalisierung braucht kulturellen Wandel

Effizienzsteigerungen, die u.a. aus vermeidbaren Mehrfachuntersuchungen und koordinierbaren Behandlungsmöglichkeiten folgen, nennt Boris Velter als wichtiges Argument für die Priorisierung des ePA-Rollouts. Voraussetzung sei ein kultureller Wandel, der bewirke, dass Behandler und Patienten Vorbehalte ablegen und die Anwendungen faktisch nutzen. Den notwendigen Kulturwandel bezeichnet er als die größte Herausforderung auf dem Weg hin zu einem digitalen, systematisch lernenden Gesundheitssystem.

Nutzen muss bei Patient:innen ankommen

Mit dem Motto aus dem Gutachten des Sachverständigenrates „Daten teilen heißt besser heilen“, bringt Ullmann die Relevanz der ePA für die Digitalisierungsprozesse auf den Punkt.

„Die Digitalisierung im Gesundheitswesen, unter Einhaltung des Datenschutzes, ist die Chance die gesundheitliche Versorgung zum Wohle der Patienten deutlich zu verbessern. Deshalb dürfen wir keine Zeit mehr verlieren.“
Prof. Dr. Andrew Ullmann

Polypharmazie, Fehlmedikation und Hospitalisierung vermeiden, Diagnosen und Therapien verbessern, so beschreibt er die Chancen dieses Instruments. In drei bis vier Jahren müsse dieser Mehrwert inklusive Klärung von Fragen des Datenschutzes, der Datensicherheit und der Haftung bei den Patient:innen ankommen.

Opt-Out-Modell als Beschleuniger

Die Fortschritte für Patient:innen spürbar machen, will in der nächsten Legislaturperiode auch Bernhard Seidenath. Dazu gehöre für ihn, die Verbreitung der ePA zu beschleunigen. Sein Vorschlag lautet grundsätzlich alle Versicherten über ein Opt-Out-Modell mit der ePA auszustatten, d.h. sie zum Standard zu erklären. Durch das Zusammentragen und Auswerten von Daten aus den ePAs könnten Krankheiten wie beispielsweise Demenz besser verstanden und Quantensprünge in der Diagnostik möglich werden. Die Versorgungsforschung könnte so einen wichtigen Schub erfahren. Die Politik sei verpflichtet den Patient:innen die Vorteile der Digitalisierung und digitaler Anwendungen zuteilwerden zu lassen.

Referenten

Portrait Maria Klein-Schmeink

Maria Klein-Schmeink

MdB, Bündnis 90/Die Grünen | Referentin

Portrait Bernhard Seidenath

Bernhard Seidenath

MdL, CSU | Referent

Portrait Prof. Dr. Andrew Ullmann

Prof. Dr. Andrew Ullmann

MdB, FDP – UGS | Referent

Portrait Boris Velter

Boris Velter

Staatssekretär a.D., SPD – ASG | Referent

11. MSD Gesundheitsforum 2021 Beginnende Moderation
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Die Pandemie hat aufgedeckt, wo Gesundheitsversorgung besser werden muss. Jetzt sind die Konsequenzen zu ziehen.

Post Pandemie: optimale Strategien für die „endemische“ Phase

Schnelle Zulassungen, Erprobung der mRNA-Technologie, frühere Diagnostik und Fortschritt in der digitalen Medizin sind positive Effekte der Pandemie.

Podiumsdiskussion 1
Podiumsdiskussion 1

Digitalisierung für Gesundheit

Im Versorgungsalltag ist der Nutzen der Digitalisierung bislang kaum angekommen. Um keine Chancen zu verschenken, muss jetzt im Sinne der Leistungserbringer und zum Wohle der Patient:innen gemeinsam an der Weiterentwicklung von Anwendungen gearbeitet werden.

Digitalisierungspotentiale noch nicht ausgeschöpft

Das Mindset muss sich ändern, damit Digitalisierung in der Versorgung ankommt, fordert Prof. Dr. Greiner. Aktuell habe er den Eindruck, dass Mediziner:innen die Digitalisierung eher als eine Belastung empfinden und der Nutzen für Patient:innen nicht nachvollziehbar ist. Er wolle keinen Pessimismus verbreiten, aber es müsse noch vieles getan werden. So müsse bspw. die ePA für die Nutzenden auch faktisch nutzenstiftend sein. In jetziger Form werde sie „wahrscheinlich nicht zum Fliegen kommen“. Das dürfe man sich nicht lange anschauen, sondern andere Wege suchen und z.B. über das Opt-Out-Modell nachdenken. Bei der Entwicklung von digitalen Lösungen, wie etwa den DIGAs, sei Wettbewerb richtig. Zugleich müsse für die Interoperabilität der Systeme gesorgt werden. Für diesen Rahmen sei die Gematik zuständig.

Funktionierende Lösungen müssen Massenanwendung werden

Dass die Digitalisierung trotz enger Zeitvorgaben des Gesetzgebers in der ambulanten Versorgung noch nicht angekommen ist, sieht auch Thomas Müller. Der Mangel an geeigneten und ausgereiften Anwendungen sei die Ursache dafür. Grundsätzlich habe die Gesetzgebung nach Müllers Ansicht den Nerv von Ärzt:innen und Patient:innen getroffen. Jetzt müssten funktionierende Lösungen entwickelt werden, die als Massenanwendungen (eAU, eRezept) bei Leistungserbringern und Patient:innen nutzenstiftend ankommen. „Von alleine geht nichts“, konstatiert Müller. Die Rahmenbedingungen müssten stimmen, es brauche „Anschub und Pioniergeist“ sowie konstruktive Zusammenarbeit.

Neue Zusammenarbeitsmodelle für mehr Patientenwohl

„Wo ist der Nutzen für den Patienten?“ formuliert Dr. Irmgard Stippler die Leitfrage für Digitalisierungsprojekte und fordert komplett neue Zusammenarbeitsmodelle für die, die Digitalisierung bereitstellen. Es gelte, lernende Systeme zu installieren, die nach ihrem Start permanent reflektiert und gemeinsam weiterentwickelt werden. Indem man besser darin werde, Patient:innen individuell anzusprechen, gut abzuholen und gut zu begleiten, steige das Patien-tenwohl. Erst dadurch werde, so Stippler, Digitalisierung für Patient:innen positiv erlebbar. In die ePA seien unbedingt weitere Anwendungen zu integrieren, damit die ePA nicht nur für Patient:innen, sondern für alle Versicherten rund um ihre Gesundheit attraktiv wird. Laut Stippler ist es für die GKV unbestritten sinnvoll, Präventions- und Versicherungsleistungen digital anzubieten.

Anwendungen an Versorgungsalltag anpassen

Dr. Irmgard Landgraf ist überzeugt, dass sich in ihrem Praxisalltag als Ärztin noch vieles durch digitale Anwendungen erleichtern lasse. Allerdings gebe es viele technische Umsetzungsprobleme und gelieferte Tools seien nicht immer an den Versorgungsalltag angepasst. Mehr Kommunikation zwischen den Entwicklern und Anwender:innen könne hier helfen. Die Chancen der Digitalisierung würden in der Praxis vielfach verschenkt, sagt Landgraf. Die technischen Voraussetzungen müssten gewährleistet sein und manchmal könne mehr Standardisierung helfen.

Datenzugriff für Forschung ermöglichen

Wie groß der Mehrwert der Digitalisierung für die Versorgung der Menschen wird, hängt für Dr. Jutta Wendel-Schrief auch davon ab, inwieweit die erzeugten Daten genutzt werden könnten. Vorbehalte beim Teilen von Gesundheitsdaten könne sie nicht immer nachvollziehen. Schließlich gehe man in der klinischen Forschung, wo Patientendaten bereits genutzt werden, sehr sorgsam damit um. Die Forschung interessiere aber auch, was im Real-World-Setting passiere. Datenzugriff könne helfen bessere Therapieerfolge zu erzielen.

Datenschutz hinterfragen

Der Datenschutz habe individuelle und kollektive Nachteile für die Versorgungsoptimierung, meint auch Greiner. Er fordert einen ausbalancierteren Umgang mit dem Datenschutz. Dieser solle nicht nur als Abwehrrecht, sondern auch als Teil des Patientenschutzes verstanden werden. Werde da nachjustiert, wäre laut Greiner eine bessere Verzahnung von Forschung und Versorgung möglich. Diese wiederum sei am einfachsten, wenn die ePA eine weite Verbreitung in der Bevölkerung schaffe und als Datenschatz bspw. zur Erforschung von Long Covid genutzt werden könnte. Das sei ein großes schwarzes Loch, aber mit Möglichkeiten der Datennutzung könnten Assoziationen festgestellt und Forschungsansätze generiert werden.

Referenten

Portrait Prof. Dr. Wolfgang Greiner

Prof. Dr. Wolfgang Greiner

Sachverständigenrat für Gesundheit | Referent

Portrait Dr. Irmgard Landgraf

Dr. Imgard Landgraf

APS | Referentin

Portrait Thomas Müller

Thomas Müller

KV Westfalen-Lippe | Referent

Portrait Dr. Irmgard Stippler

Dr. Irmgard Stippler

AOK Bayern | Referentin

Portrait Dr. Jutta Wendel-Schrief

Dr. Jutta Wendel-Schrief

MSD | Referentin

11. MSD Gesundheitsforum 2021 Beginnende Moderation
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Die Pandemie hat aufgedeckt, wo Gesundheitsversorgung besser werden muss. Jetzt sind die Konsequenzen zu ziehen.

Podiumsdiskussion 2
Podiumsdiskussion 2

Der gesetzliche Rahmen für Digitalisierung steht. Jetzt muss sie mit der richtigen Strategie in der Versorgung ankommen.

Gesundheitspolitik

2021 – ein Jahr vieler Herausforderungen: Doch gemeinsam kommen wir weiter!

21. Dezember 2021

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Clemens Kuhne

Als um den Jahreswechsel 2019 / 2020 die ersten Meldungen und Berichte über eine neuartige und hochansteckende Lungenkrankheit in China publik wurden, hat kaum jemand überblicken können, welche weitreichenden sozialen und ökonomischen Auswirkungen dieses Virus auf dem gesamten Globus entfalten würde. Mittlerweile – Stand Dezember 2021 – befinden wir uns in Deutschland in der vierten Corona-Welle. Die Lage bleibt angespannt, ein Ende der Pandemie ist nicht absehbar.

Pharma-Unternehmen und deren Forscher:innen kämpfen seit nunmehr fast zwei Jahren gegen Covid-19 und seine Ursache, das Coronavirus SARS-CoV-2.

Sie entwickeln und liefern Impfstoffe, erproben vorhandene Medikamente, entwickeln neue Arzneimittel und unterstützen die Gesundheitssysteme betroffener Länder. Auch kooperieren sie vielfach untereinander – insgesamt eine Mammutaufgabe! Umso beeindruckender sind die schnellen Entwicklungen der Corona-Impfstoffe und der ersten Covid-19-Therapeutika.

Auch wir von MSD engagieren uns seit Beginn der Pandemie an den unterschiedlichsten Stellen: wir beteiligten uns an globalen Impfstoffinitiativen, unterstützten eine Reihe von Forschungsvorhaben und investierten in die Entwicklung antiviraler Wirkstoffe gegen COVID-19. Unsere oral einzunehmende antivirale Monotherapie befindet sich aktuell in der Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) und soll die Behandlung von Corona-Patient:innen in Zukunft unterstützen. Mit dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) wurde bereits eine Liefervereinbarung abgeschlossen. Neben der Entwicklung unserer Therapie trägt MSD auch durch seine Zusammenarbeit mit Johnson & Johnson (J&J) zur Pandemiebekämpfung bei. So unterstützen wir die Herstellung und Lieferung des J&J-Impfstoffs gegen COVID-19. Diese Kooperation wollen wir auch 2022 fortsetzen.

Es ist wichtig, dass trotz dieser globalen Herausforderung andere Erkrankungen nicht aus dem Blick geraten. Deshalb arbeiten wir weiter u. a. an innovativen Antibiotika, Impfstoffen und onkologischen Therapien. Die Verfügbarkeit und Durchführung von Standardimpfungen – etwa gegen Pneumokokken und HPV – bleiben auch in Pandemiezeiten unabdingbar. So leisten wir einen Beitrag zur Stabilisierung unseres stark geforderten Gesundheitssystems und können dabei helfen, die Versorgung und Therapie von Patient:innen zu sichern. Darauf sind wir stolz.

Politisch war – auch neben Corona – in diesem Jahr eine Menge los.

2021 war geprägt von wahlbedingten Umbrüchen auf Landes- und Bundesebene, der Bildung neuer politischer Konstellationen, von Auf- und Abstiegen von Politiker:innen und Parteien, von kleinen und größeren Skandalen bis hin zum Ende einer ganz besonderen politischen Karriere.

Ein Highlight für uns – und für mich ganz persönlich – der Besuch der scheidenden Kanzlerin Angela Merkel in unserem Werk in Burgwedel, in dem u. a. ein Impfstoff gegen Ebola produziert wird. Ein noch größerer Grund zur Freude: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat den jüngsten Ausbruch der Virus-Erkrankung im Kongo kürzlich für beendet erklärt. Im Kampf gegen das Auftreten kam dabei erstmalig auch jener Impfstoff zum Einsatz.

Hierzulande war die Bundestagswahl eines der Themen des Jahres und bis zum Schluss blieb es spannend – ein Auf und Ab der Umfragen. Bis zum Sommer galt vielen Beobachter:innen dabei eine Koalition aus Schwarz und Grün als ausgemacht – auch ich hatte das erwartet. Doch diese Prognosen lösten sich spätestens am Wahltag in Luft auf. Die SPD wurde stärkste Kraft. Die Ära Merkel ist nach 16 Jahren zu Ende gegangen und damit auch die Zeit der Union im Kanzleramt. Seit Anfang Dezember 2021 wird Deutschland von einer Ampel-Koalition aus SPD, GRÜNEN und FDP regiert. Ein Novum auf Bundesebene. Die im Koalitionsvertrag aufgenommenen Vorhaben signalisieren einen umfassenden Gestaltungswillen der neuen Regierung um Bundeskanzler Olaf Scholz. Das ist gut, denn die Aufgabenliste ist lang – insbesondere im Gesundheitsbereich. Einige Gesetze und Regularien, die in der letzten Legislaturperiode angestoßen bzw. umgesetzt wurden, bieten eine gute Grundlage, auf der aufgebaut werden kann. Es bleibt viel zu tun.

Der Koalitionsvertrag zeigt eine widersprüchliche Sichtweise der neuen Koalitionäre auf die pharmazeutische Industrie.

Auf der einen Seite wird die Relevanz der Gesundheitswirtschaft für den Standort, die Wertschöpfung und Innovationskraft der Bundesrepublik betont und versucht, über gezielte Impulse eine Förderung dieses Bereichs anzustoßen. Hier lässt sich eine Vielzahl positiver Ansätze benennen, bspw. der verbesserte Zugang zu Gesundheitsdaten für die private Forschung, den Kampf gegen Antibiotikaresistenzen, die Förderung von Prävention und Aufklärung bis hin zu gezielten Verbesserungen für den Produktions- sowie F&E-Standort Deutschland. Konterkariert wird das Ganze jedoch über kritische Reformvorhaben im Bereich der frühen Nutzenbewertung und Preisverhandlung für innovative Arzneimittel – dem sog. AMNOG-Verfahren. Hier strebt die neue Bundesregierung ebenfalls Veränderungen an, die uns Sorgen bereiten. Eine Weiterentwicklung des AMNOG ist grundsätzlich sinnvoll. Wichtig ist aber, dass alle betroffenen Akteure in die Debatte und Umsetzung einbezogen werden, ein konsensorientierter Prozess eingeleitet und keine Schieflage im System etabliert wird. Wenn die Ampel-Koalition Arznei- und Impfstoff-Innovationen sowie Forschung und Entwicklung fördern will, darf sie der Industrie nicht gleichzeitig neue Hürden bauen.

Was kommt gesundheitspolitisch auf uns zu?

In verschiedenen Bereichen des Gesundheitssystem ist es unabdingbar, dass wir in den nächsten vier Jahren Schritte nach vorne machen: So z. B. in der Prävention und der Steigerung der Impfquoten – insbesondere bei Standardimpfungen wie HPV –, in der Förderung von Kinder- und Jugendgesundheit. Auch Fortschritte im Bereich der Antibiotikaforschung und -erstattung sind notwendig sowie die weitere Digitalisierung des Gesundheitswesens – Stichwort e-Rezept, elektronische Patientenakte (ePA) oder digitales Impfmonitoring. Ebenfalls zentral ist die Förderung von Innovationen im Bereich der Krebstherapien. Hier wird auch die Ausgestaltung und Umsetzung des europäischen Krebsplans eine zentrale Rolle spielen.

Die Aufgaben für den neuen Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach sind komplex und vielfältig. Für ihre Bewältigung wünschen wir ihm und dem Team im BMG viel Tatkraft und Erfolg im Sinne der Patient:innen. In diesem Geiste hoffen wir auf eine gute und konstruktive Zusammenarbeit in der kommenden Legislaturperiode.

Deutschland braucht eine verlässliche und gute Gesundheitspolitik in der Krise, aber auch danach.

Daran wollen wir weiterhin gemeinsam arbeiten.

Ihr Kontakt

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Clemens Kuhne
Director Gesundheitspolitik und Patientenbelange | Leiter MSD hub berlin

+49 30 700 141 650

clemens.kuhne@msd.de

Gesundheitspolitik

Lehren aus der Pandemie – Muss sich die onkologische Versorgung wandeln?

09. November 2021

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Luncheon Nov

Welche Lehren können wir aus der Pandemie für die onkologische Versorgung in Deutschland ziehen, um die nachhaltige Versorgung aller Patient:innen zu gewährleisten? Diese Frage stand im Fokus des MSD Luncheon.

Die Erfahrungen und Erkenntnisse der Anwesenden aus den vergangenen beiden Jahren zeigen deutlich: Covid-19 hat viele Schwachstellen des bestehenden Systems schonungslos offengelegt. Verzögerungen und Rückgänge in der Krebsdiagnostik, eine geringere Anzahl an behandelten Patient:innen, Einschränkungen bei der Nachsorge und nichtärztlicher Betreuung oder die Verschiebung zahlreicher Behandlungen in der Hochphasen des Infektionsgeschehens.

Mit Blick auf die bisherigen Auswirkungen der Pandemie auf die onkologische Versorgungssituation in Deutschland ist laut Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und Ärztlicher Direktor für Innere Medizin I an der Uniklinik Ulm, vor allem die Ressourcenallokation im Gesundheitswesen in der Krise an ihre Grenzen gestoßen. Dies habe sich besonders beim Personal bemerkbar gemacht. Der anhaltende Personalnotstand, bedingt durch die anspruchsvollen Arbeitsbedingungen und strikten Quarantäneregeln, hätte vielerorts zu einer Überbelastung geführt und weitere Fachkräfte aus dem Berufsfeld gedrängt. In Zukunft sei es daher unbedingt notwendig, Strategien zur langfristigen Bindung von Pflegepersonal zu entwickeln.

Die stationäre Versorgung in der Onkologie konnte zwar weitestgehend aufrechterhalten werden, doch auch hier habe es zwangsläufig Priorisierungen gegeben, so Herr Prof. Seufferlein. Besonders gravierende Einschnitte seien jedoch in der psychoonkologischen Versorgung und der Krebsnachsorge verzeichnet worden.

Als eine der Ursachen für viele der entstandenen Probleme identifizierte er die zu langsam voranschreitende Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen. Im internationalen Vergleich hinkt Deutschland in diesem Feld deutlich hinterher. Essentielle Informationen, wie z. B. zur Auslastung von Krankenhausbetten, konnten aufgrund fehlender digitaler Erfassung nicht zur Verbesserung der Versorgung genutzt werden. Umso wichtiger ist jetzt, dass digital vernetzte Dashboards und Register, die als Wissensspeicher für die Forschung dienen können und damit einen enormen Beitrag zur Versorgung von Krebspatient:innen leisten, nicht an datenschutzrechtlichen Fragen scheitern.

Kritisch sieht Prof. Seufferlein auch die öffentliche Kommunikation im Rahmen der Pandemie. So sei durch eine sparsame Kommunikationsstrategie Unsicherheit in der Bevölkerung entstanden. Viele Bürger:innen hätten Vorsorgeuntersuchungen und andere wichtige medizinische Leistungen nicht wahrgenommen.

Erfahrungen aus der Krise als Grundlage für Reformen

Dr. med. Johannes Bruns, Generalsekretär der DKG, betonte wie wichtig langfristige und systemische Lösungen für die onkologische Versorgung sind. Eines der großen Probleme im Gesundheitswesen sei die „Halbwertzeit des Vergessen“. Die politische Reaktion auf aktuell steigende Inzidenzen zeige, dass es zu oft versäumt werde, gewonnene Erkenntnisse aus der Versorgung in Systemreformen zu übersetzen.

Auch beim Thema Krebsregister sieht Dr. Bruns Nachbesserungsbedarf. Eine Reihe kleinteiliger Regelungen im Bereich Datenschutz verhindere die effektive Nutzung von Daten und limitiere den Mehrwert für Versorgung und Forschung. So könne bspw. bei häufigen Arzt- oder Therapiewechseln Probleme auftreten, die sich durch eine Datenbank mit allen nötigen Informationen zur individuellen Krankengeschichte vermeiden ließen. Einzellösungen, wie bspw. das DIVI-Intensivregister, das während der Covid-19-Pandemie weiterentwickelt wurde, könnten in den dauerhaften Gebrauch übergehen und als Vorbild für spätere systematische Lösungen gelten.

Erfahrungen aus der Krise als Grundlage für Reformen

Als ein zentrales Thema für die kommende Legislaturperiode sieht auch Frau Kristine Lütke MdB, FDP, und u.a. Geschäftsführerin einer Seniorenbetreuungs- und Pflegeeinrichtung im Nürnberger Land, die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Die Einführung moderner, digitaler Konzepte sei schon lange Kernthema ihrer Partei. Aus politischer Sicht müsse der Datenschutz zwar stets mitgedacht werden, jedoch dürfe dieser Innovationen mit Mehrwert für die Versorgung und Forschung nicht ausbremsen.

Die zögerliche, flächendeckende Einführung des Krebsregisters ist aus Sicht der FDP nicht zufriedenstellend. Für eine dauerhafte Verbesserung der Versorgungssituation, fordert MdB Lütke eine verstärkte Forschungsförderung in der personalisierten Medizin und weitere, spezialisierte Krebsforschungszentren.

In der sich anschließenden Diskussion stand die Überwindung der Sektorengrenzen im Mittelpunkt. Es herrschte Einigkeit, dass die Interoperabilität zwischen ambulanten und stationären Systemen auch in der onkologischen Versorgung eine tragende Rolle spiele. Zwar gibt es bereits eine Fülle an erfolgsversprechenden Konzepten; zu oft jedoch scheitern sie an der systematischen Umsetzung.

Zentral für Innovation und Fortschritt im Gesundheitswesen ist und bleibt der Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Industrie. Auch in der neuen Legislaturperiode werden wir bei MSD die Situation der onkologischen Versorgung in Deutschland genau beobachten und uns für ein verlässliches und krisenfestes System einbringen.

Ihr Kontakt

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Britta Woldt
Manager*in Gesundheitspolitik

+49 17 28 596 516

britta.woldt@msd.de

Forschung

#GesundheitsGeschichte: 40 Jahre HIV-Forschung

27. Oktober 2021

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Gruppenfoto vom Crixivan Forschungsteam - 1997

1981 schreiben Ärzte in den USA das erste Mal über eine neue Krankheit, die plötzlich bei jungen, gesunden Männern auftritt. Seit 1982 hat sie einen Namen: AIDS. Im gleichen Jahr wird über die ersten Fälle in Deutschland berichtet. Die Wissenschaftler des RKI führen sofort ein Fallregister ein. Die weltweite Forschung beginnt.

Mittlerweile wissen wir, dass AIDS durch das HI-Virus ausgelöst wird – kurz für „human immunodeficiency virus“ oder Humanes Immundefizienz-Virus. Wir wissen, wie es übertragen wird, wie man sich schützen und Betroffene therapieren kann. Was wir noch nicht wissen, ist, wie Betroffene geheilt werden können. Und auch eine Impfung, um die Ansteckung zu verhindern, gibt es bisher nicht. Aber es wird auch weiterhin weltweit geforscht.

Auch MSD beteiligt sich seit Mitte der 1980er Jahre intensiv an der HIV-Forschung. Wir haben die wichtigsten Meilensteine zusammengestellt.

Frau im Labor

Julie Gerberding, Chief Patient Officer von MSD, erinnert sich an die Zeit, als die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention 1982 erstmals den Begriff „AIDS“ nutzten: „Zu Beginn der AIDS-Epidemie begann ich gerade meine Ausbildung an der University of California in San Francisco. Ich habe mich dort um die ersten Patienten gekümmert, die – zurückblickend – an AIDS erkrankt waren. Es war eine sehr beängstigende Krankheit. Es gab so viele Unbekannte, einschließlich der Frage, wie die Krankheit übertragen wird.“

Gruppenfoto von Wissenschaftlern

Mitte der 1980er Jahre startete MSD sein erstes HIV-Forschungsprogramm als Antwort auf die Erkrankung, die MSD schon damals als potenzielle Epidemie einschätzte. Unsere Wissenschaftler waren mit die ersten, die Medikamente für die Behandlung von HIV entdeckten und entwickelten.

Wir waren die ersten, die die Kristallstruktur der HIV-Protease veröffentlichten – dem Enzym, das für die Infektiosität des Virus essenziell ist.

Gruppenfoto vom Crixivan Forschungsteam - 1997

Zusammen mit anderen Pharmaunternehmen hat MSD 1992 eine unternehmensübergreifende Zusammenarbeit gestartet, um gemeinsam AIDS-Medikamente zu entwickeln und HIV-Therapien zu erforschen. 1993 war das HIV-Forschungsprojekt das größte unserer Unternehmensgeschichte: Es haben mehr Wissenschaftler an der AIDS-Forschung gearbeitet als an jeder anderen Krankheit.

Nach jahrelanger Forschung und Entwicklung hat MSD einen der ersten Protease-Hemmer entwickelt. 1995 – noch vor der Zulassung durch die FDA – hat MSD in Zusammenarbeit mit der Behörde und Patientenorganisationen die neue HIV-Therapie für ausgewählte Patienten zur Verfügung gestellt – kostenfrei.

In Rekordzeit bekam unsere HIV-Therapie 1996 die Zulassung der FDA: in nur 42 Tagen. Die Behandlung war ein wichtiger Meilenstein, damit Betroffene eine HIV-Infektion überleben können.

Im Jahr 2012 unterstützte MSD die NAMES Project Foundation. Die Initiative reiste durch die USA und machte auf die besorgniserregende Entwicklung der HIV-Epidemie in der Schwarzen Bevölkerung aufmerksam. Neben Diskussionsveranstaltungen wurden in den zehn Städten mit der höchsten Verbreitung Aufklärungsworkshops angeboten.

2021 haben MSD und Gilead vereinbart, im Kampf gegen HIV zusammenzuarbeiten.

Mehr über den HI-Virus und das Leben mit der Erkrankung, gibt es hier.

Ihr Kontakt

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Charlotte Gerling
Sen. Specialist Corporate Communications

+49 89 45 612 093

charlotte.gerling@msd.de

Gesundheitspolitik

Impfen gegen Krebs – Das Schwerpunktthema der Nationalen Krebspräventionswoche 2021

13. September 2021

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Pinke Impfteilchen

„Pikst kurz, schützt lang – Mach Dich stark gegen Krebs“ ist das Motto der diesjährigen Krebspräventionswoche vom 13. bis 17.September 2021 mit dem Schwerpunktthema Impfen gegen Krebs, insbesondere der HPV Impfung – doch welche Weichen muss die Politik nach der Bundestagswahl stellen um die Chance zu nutzen, die internationalen Ziele der Eliminierung von Gebärmutterhalskrebs und das Zurückdrängen weiterer HPV induzierter Krebsarten zu erreichen?

Die Nationale Krebspräventionswoche ist eine gemeinsame Initiative der Deutschen Krebshilfe, des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG). Die drei Organisationen machen damit auf das große Potenzial der Prävention aufmerksam.

Die internationalen Ziele

Im November 2020 hat die WHO die Eliminierung von Gebärmutterhalskrebs als eines der drängendsten Ziele benannt, eine globale Strategie dazu veröffentlicht und zur Erreichung ein Maßnahmenpaket vorgestellt. Und im Februar 2021 legte die EU Kommission den Europe`s Beating Cancer Plan vor, in dem sie sich auf vier zentrale Aktionsbereiche mit 10 Leitinitiativen und zahlreichen unterstützenden Maßnahmen konzentriert, bei denen die EU den größten Mehrwert erzielen kann. Im Bereich Prävention schlägt sie vor die Impfung von mindestens 90 % der Mädchen und eine deutliche Steigerung der Impfung von Jungen bis 2030 zu erreichen.

Sowohl die WHO als auch die Europäische Kommission haben damit den Kampf gegen bestimmte HPV-assoziierte Krebserkrankungen zu einer gesundheitspolitischen Priorität erhoben und notwendige Maßnahmen sowie klare Ziele für erforderliche Impfquoten festgelegt.

Wo stehen wir in Deutschland?

Im Gegensatz zu den Kleinkindimpfquoten sind die Impfquoten zur Prävention bestimmter HPV-bedingten Erkrankungen auf einem unzureichenden Niveau, denn nur 51,1 % der 18-Jährigen Mädchen und 1,3 % der Jungen waren im Jahr 2018 vollständig gegen HPV geimpft. Bei etwa 19 % wird die begonnene Impfserie nicht abgeschlossen. Das heißt, dass oft die Zweit- und Dritt-Impfungen nicht im Anspruch genommen werden, die für einen vollständigen Impfschutz so wichtig wären.

Zudem gibt es große regionale Unterschiede der Impfquoten. Laut Daten des RKI von 2018 variieren die Impfquoten bei vollständig geimpften 15-jährigen Mädchen innerhalb der Bundesrepublik sehr stark: Sind es in Bayern und Baden-Württemberg gerade einmal ca. 35 %, kommen die neuen Bundesländer auf Werte von um die 60 %. Insgesamt wird über die Regionen hinweg zu wenig geimpft und unzureichend durchgeimpft.

Der leichte Anstieg der HPV Impfquote in Deutschland in den letzten Jahren ist zwar grundsätzlich positiv zu bewerten, wird aber mittelfristig kaum zur Erreichung der Ziel-Impfquoten der WHO und der EU-Kommission ausreichen.

Der Vergleich mit den Zielvorstellungen der WHO und der EU-Kommission sowie den HPV Impfquoten bei 9- bis 14-jährigen Mädchen in anderen Ländern – zum Beispiel Großbritannien und Kanada (über 80 %) sowie Norwegen (über 90 %) – zeigt den enormen Handlungsbedarf.

Zukunft Impfen – Die Prävention durch Impfen voran bringen

Die Entwicklung der letzten Jahre betrachtend stellt sich die Frage, wie in Deutschland eine schlüssige und mittelfristige Strategie zur Erreichung ambitionierter Ziele aussehen sollte. Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) hat die aktuelle Situation schlechter und sogar zurückgehender Impfungen aufgrund der Pandemiesituation zum Anlass genommen in ihrem Beschluss vom 16.06.21 alle Akteure im Gesundheitswesen aufzufordern, insbesondere die HPV Impfquoten zu verbessern und verweist darin auf die Ziele der EU Kommission im Europe`s Beating Cancer Plan.

Aus den hohen HPV Impfraten anderer Länder, den Zielstellungen der WHO und der EU-Kommission sowie der Beschlussfassung der Gesundheitsministerkonferenz ergeben sich wesentliche Eckpunkte, die zur Erreichung hoher HPV Impfquoten in Deutschland umgesetzt werden sollten:

  • Auf das Thema HPV ausgerichtete und fokussierte, altersgerechte Aufklärungskampagnen zur Steigerung der Akzeptanz
  • Etablierung von Impfen in den Lebenswelten wie z.B. in Schulen ermöglicht einen niedrigschwelligen, zielgerichteten Zugang und kann eine gute Ergänzung zu den bisherigen Impfstrukturen darstellen
  • Nutzung digitaler Möglichkeiten durch den elektronischen Impfpass und verbindliche Einführung von Einladungs- und Recall-Systemen

Letztendlich müssen die verschiedenen Maßnahmen durch weitere flankiert und in einer bundesweiten, länderübergreifenden Gesamtstrategie zusammengeführt werden.

Für eine Verbesserung der Krebsprävention ist es dringend erforderlich, dass eine neue Regierung deutlich aktiver wird und die Weichen für strukturelle Veränderungen in der Impfprävention stellt, um notwendige Steigerungen der HPV-Impfquoten erreichen zu können.

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Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Frank Treu
Manager Gesundheitspolitik

+49 15 209 280 461

frank.treu@msd.de

Gesundheitspolitik

Lasse ich mich impfen? Warum Impfbereitschaft kontinuierlich gefördert werden sollte

09. November 2021

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Kleiner Piks, große Wirkung – Impfungen gehören zu den wichtigsten präventiven Maßnahmen, die der Medizin zur Verfügung stehen, um sich vor Infektionskrankheiten zu schützen. Bedauerlicherweise zeigt sich in Deutschland jedoch eine zunehmende Impfmüdigkeit. Nicht nur was neuartige Impfstoffe betrifft – wie aktuell jene gegen COVID-19 – sondern auch bei bereits über viele Jahre etablierten Vakzinen. Die neue Bundesregierung wird sich dieses Themas stärker annehmen und gezieltere kommunikative Maßnahmen setzen müssen.

Schutzimpfungen sind eine erfolgreiche und bewährte Maßnahme zur Kontrolle von schwerwiegenden Infektionskrankheiten und seit Jahrzehnten zentraler Baustein zum Erhalt der öffentlichen Gesundheit. Sie bieten großen Schutz, für verhältnismäßig wenig Aufwand. Ihr Wert für den allgemeinen gesellschaftlichen Gesundheitszustand wird aktuell sehr eindrücklich durch die Erfahrungen in der Corona-Pandemie unterstrichen. Für den Erhalt der öffentlichen Gesundheit und zur Förderung von Prävention ist es jetzt dringend notwendig, diesen Wert noch stärker in den öffentlichen Fokus zu rücken.  

Es mag paradox erscheinen, aber in vielen Ländern sehen wir aktuell, trotz öffentlicher und medialer Präsenz des Themas Impfen, eine zunehmende Impfmüdigkeit unter Bürger:innen. Der Begriff Impfmüdigkeit (vaccine hesitancy) bezeichnet laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Phänomen, dass Menschen Impfungen verzögert (oder gar nicht) durchführen lassen, obwohl ausreichend Zugänge und Impfangebote vorhanden sind. Die ausschlaggebenden Gründe für Impfmüdigkeit sind individuell, komplex und kontextspezifisch. Die Auswirkungen sind jedoch weitreichend: Impfmüdigkeit droht – bei ausbleibenden Gegenmaßnahmen – den hart erarbeiteten Fortschritt, der über die letzten Jahrzehnte im Kampf gegen viele Infektionskrankheiten erreicht wurde, schrittweise zu verlieren.

Die Weltgesundheitsorganisation setzte schon 2019 ein starkes Zeichen: Impfmüdigkeit gehört zu den zehn größten Bedrohungen für die globale Gesundheit überhaupt.

Auch in Deutschland ist Impfmüdigkeit statistisch nachweisbar. Impfquoten stagnieren (bzw. sinken) hierzulande für einige Krankheiten seit Jahren. So ist, laut dem Verband der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa), unter Erwachsenen nur etwa jeder zweite gegen Tetanus oder Diphterie geschützt. Ebenfalls wenig zufriedenstellend sind die Zahlen bei Grippe-, Pneumokokken-, Gürtelrose- oder HPV-Impfungen.

Die Corona-Pandemie versetzte dem deutschen Impfwesen einen zusätzlichen Dämpfer. Laut Auswertungen des „Covid-19 Snapshot Monitoring“ (COSMO) des Robert-Koch Instituts (RKI), führte sie nachweislich zu einem Rückgang von allgemeinen Schutzimpfungen in der Bevölkerung. Viele wichtige Standard-Impfungen wurden aufgrund der Pandemie aufgeschoben oder gar abgesagt. So zeigen die Zahlen, dass beispielsweise in den ersten sechs Wochen der Pandemie nur rund die Hälfte der geplanten Routineimpfungen durchgeführt wurden.

Impfmüdigkeit stärker bekämpfen – Impfraten erhöhen

Die Zahlen verdeutlichen: Impfbereitschaft muss immer wieder aufs Neue erarbeitet und kontinuierlich gefördert werden. Bleiben Schutzimpfungen aus, führt dies zu Immunisierungslücken, die wiederum die Weiterverbreitung gefährlicher pathogener Erreger in der Gesellschaft begünstigen. Das Risiko eines Ausbruchs von Krankheiten steigt, gegen die es einen verlässlichen Impfschutz geben würde. Es ist daher wichtig, dass die Potentiale, die Schutzimpfungen für den Einzelnen und für die Gesellschaft bieten, nachhaltiger genutzt werden. Das sollte auch auf der Agenda einer neuen Bundesregierung stehen.   

Dafür braucht es – unter Einbeziehung aller relevanten Akteure – ein noch stärkeres Werben für Schutzimpfungen und einer Steigerung der Risikowahrnehmung in der Bevölkerung gegenüber impfpräventablen Krankheiten. Zudem gilt es, Impfhindernisse weiter abzubauen und eine effizientere und zielgruppenspezifische Aufklärungsarbeit zu entwickeln. Bestehende Strukturen müssen besser genutzt werden, denn hier besteht an vielen Stellen erheblicher Optimierungsbedarf. Beispielsweise sollten nachgelagerte Behörden (wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) ihre gesetzlich zugewiesene Rolle im Bereich Aufklärung in der kommenden Legislatur deutlich besser ausfüllen. Es bedarf zielgerichteter öffentlichkeitswirksamer Kampagnen und Aufklärungsarbeit dieser Institutionen. Dergestalt können die Vorteile von (Standard-) Impfungen fortlaufend und niederschwellig erläutert, Falschinformationen widerlegt und Fragen beantwortet oder Bedenken zur Wirkung oder Sicherheit von bestimmten Schutzimpfungen ausgeräumt werden.

Der Wert von Wissenschaft und Forschung für den Einzelnen und für die Gesellschaft als Ganzes braucht jetzt nachhaltige Impulse. Schutzimpfungen gelten als eine der großen Erfolgsgeschichten jener medizinischen Forschung. Es ist Zeit, stärker für sie zu werben. Eine neue Bundesregierung kann hier deutliche Zeichen setzen.

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Krebs

#ZeitfürFragen zu Brustkrebs

13. Oktober 2021

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Bild Hintergrund: #zeitfuerfragen

„Sie haben Brustkrebs.“ Diesen Satz hören jedes Jahr mehr als 70.000 Frauen und Männer in Deutschland. Zusammen mit der belastenden Nachricht folgt für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine riesige Informationsflut von allen Seiten – zu Diagnose, Therapien und den nächsten Schritten. Das ist wichtig, denn je besser Menschen ihre Erkrankung verstehen, desto mehr halten sie sich an ihre Therapie und desto besser kann diese wirken.

Im Rahmen des Brustkrebs-Awareness-Monats Oktober möchten wir aber nicht nur Informationen teilen, sondern uns #ZeitfürFragen der Patient:innen und ihrer Angehörigen, Freund:innen und Bekannten nehmen. Schließlich beginnt jedes gute Gespräch mit einer Frage, oder? Egal ob es um Beziehungen, Gefühle oder die Zeit nach der Therapie geht: Wir bieten Raum für Austausch.

Austausch über Social Media

Über verschiedene Social-Media-Kanäle sammeln wir alle Fragen von Betroffenen und ihrer Angehörigen und ermutigen bereits dazu, sich über die eigenen Erfahrungen auszutauschen. Am 28. Oktober um 19:00 Uhr gibt es dann ein Instagram-Live-Event auf dem Kanal von Dana Holzner (@dana_ka__). Dana ist selbst Betroffene und wird die Fragen aus ihrer Perspektive beantworten. Weitere Informationen gibt es hier.

Ihr Kontakt

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Charlotte Gerling
Sen. Specialist Corporate Communications

+49 89 45 612 093

charlotte.gerling@msd.de

Gesundheitspolitik

Sondieren, Koalieren, Regieren – Was erwartet uns nach der Wahl?

06. Oktober 2021

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Das MSD hub Berlin Team

Die Wählerinnen und Wähler haben bei der Bundestagswahl 2021 entschieden! Demnach wird die Große Koalition mit großer Wahrscheinlichkeit durch ein neues Drei-Parteien-Bündnis abgelöst. Das hat es auf Bundesebene so bisher noch nicht gegeben. Beim Political Afterglow „Sondieren, koalieren, regieren – Was erwartet uns nach der Wahl?“ im MSD hub berlin wurden Spekulationen angestellt, um welche drei Parteien es sich am Ende handeln wird und welche Auswirkungen das auf die deutsche Politiklandschaft hat.

Der Politikwissenschaftler und Parteienforscher Prof. Dr. Uwe Jun von der Universität Trier, führender Experte für die Themen politische Kommunikation und Koalitionsforschung, eröffnete den Abend mit einem Vortrag und beantwortet viele Fragen, wie z.B.: Was sind die entscheidenden Themen der Sondierungsgespräche? Wie lange werden die Koalitionsverhandlungen dauern? Und wie handlungsfähig kann eine Regierung aus drei Parteien sein?

In einer sich anschließenden FAQ-Runde beantwortete er weitere Fragen aus einem wissbegierigen Publikum.

Veranstaltungssaal mit Leuten

Ergebnisse der Bundestagswahl 2021 – eine Interpretation!

Bevor sich Professor Jun den aktuellen (Vor-)Sondierungsgesprächen und anstehenden Koalitionsverhandlungen widmete, ordnete er den diesjährigen Wahlkampf ein. Grundsätzlich, so Jun, werde das Wahlverhalten durch drei Hauptfaktoren beeinflusst. Traditionell sei die Parteiidentifikation der Wählerinnen und Wähler ausschlaggebend gewesen, doch in den vergangenen Jahren habe die Themen- und vor allem die Kandidatenorientierung an Bedeutung gewonnen. Im Umkehrschluss beobachtet der renommierte Parteienforscher eine zunehmende politische Wettbewerbsintensität sowie eine ansteigende Polarisierung der Wählerschaft. Insgesamt seien Wählerinnen und Wähler „situativer, ungebundener und unkalkulierbarer geworden“.

Vor allem die steigende Kandidatenorientierung habe bei dieser Bundestagswahl am Ende den entscheidenden Ausschlag gegeben. Besonders der Kanzlerkandidat der SPD, Olaf Scholz, habe durch eine souveräne Inszenierung und die Demonstration innerparteilicher Geschlossenheit von den Fehlern der Konkurrenz profitieren können.

Koalitionsentscheidung – wer kann mit wem?

Laut Jun stellen die aktuellen Sondierungsgespräche in der historischen Betrachtung eine Neuheit dar. Verhandlungen zwischen drei Parteien bringen zwar neue Komplikationen mit sich, gleichzeitig bieten sie allerdings auch neue Chancen.

Unabhängig von der Parteizugehörigkeit des neuen Kanzlers traf Professor Jun zwei Vorhersagen für die kommende Legislaturperiode. Erstens komme auf den nächsten Kanzler eine wichtige Rolle als Vermittler zu. In einer Regierung aus drei Parteien sei es die Aufgabe des zukünftigen Kanzlers als Moderator zwischen den beiden Junior-Koalitionspartnern aufzutreten und diese nicht gegeneinander auszuspielen. Am Beispiel der jüngst wiedergewählten Ampel-Koalition in Rheinland-Pfalz verdeutlichte Jun, dass eine derartige Konstellation durchaus erfolgreich zusammenarbeiten könne.

Zweitens würden die inhaltlichen Differenzen zwischen Grünen und FDP tiefgreifende Veränderungen in einigen Politikfeldern grundsätzlich ausschließen. Trotzdem sieht Jun besonders in den Bereichen Digitalisierung, Bildung und Klimaschutz Chancen für erfolgreiche grün-gelbe Kooperationen zur „Modernisierung“ des Landes. Allgemein sei die Zusammenarbeit von FDP und Grünen eine besonders ungewöhnliche Konstellation, da die Parteien ideologisch weit voneinander entfernt liegen und sich auf den ersten Blick wenige inhaltliche Schnittmengen ergeben.

Im Nachgang des Vortrags diskutierten Referent und Gäste über mögliche Personalentscheidungen und die Aufteilung von Ministerien unter einer neuen Regierung. Im Mittelpunkt stand dabei das Bundesministerium für Gesundheit, welches laut Jun vermutlich an die Grünen oder die SPD gehen könnte.

Wir bedanken uns bei Herrn Professor Jun und unseren Gästen für den spannenden Austausch in freundlicher Atmosphäre und warten gespannt auf den Ausgang der Verhandlungen!

Ihr Kontakt

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Clemens Kuhne
Director Gesundheitspolitik und Patientenbelange | Leiter MSD hub berlin

+49 30 700 141 650

clemens.kuhne@msd.de