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„Dies ist keine Übung!“ – Lernen aus dem globalen Ernstfall: COVID-19

Die aktuelle Ausgabe des Magazins iX Forum widmet sich der Corona-Pandemie und den daraus resultierenden Folgen sowie zu treffender Maßnahmen im Gesundheitswesen. Einen deutlichen Appell zum Lernen aus der globalen Krise gibt Chantal Friebertshäuser, Managing Director von MSD Deutschland. Sie benennt vier entscheidende Handlungsfelder und deren Potentiale.

Das Corona-Virus verändert derzeit tiefgreifend unser gesamtes gesellschaftliches und wirtschaftliches (Zusammen)leben. Die Krise zeigt Verbesserungspotentiale auf und veranschaulicht Chancen zur Weiterentwicklung bestehender Strukturen und Systeme. Ein Blick auf erste Lehren aus der Krise und ihrer Bewältigung.

Zeit ist keine absolute Größe. Wir wissen das durch die theoretische Physik und erleben es in diesen Zeiten persönlich intensiv. Unser Leben ist im selben Moment extrem beschleunigt und extrem verlangsamt. Wenn wir unserinnern, wie wir Ende 2019 auf das Jahr 2020 geschaut haben, welche Pläne geschmiedet, Vorhaben formuliert,ambitionierte Ziele gesetzt wurden, dann wird uns doch sehr schnell bewusst, wie viel sich in den vergangenen Monaten durch die Wucht der Pandemie verändert hat. Es wird noch längere Zeit dauern, bis die Corona-Pandemie überwunden ist. Sie fordert uns tagtäglich, und sie erfordert von uns zugleich Umsicht und Weitsicht.
Welche Lehrenaus der Pandemie zu ziehen sind, kann daher noch nicht wirklich beantwortet werden – schon gar nicht abschließend. Stattdessen müssen wir weiterhin „am offen Herzen“ versuchen, den Verlauf der Pandemie, ihre vielseitigen Charakteristika und Eigenschaften und Erfolge bei ihrer Bewältigung möglichst richtig zu erkennen, zu deuten und daraus die richtigen Schritte für die kommenden Monate abzuleiten – um weitere Infektionswellen zu verhindern oder möglichst erfolgreich mit ihnen umzugehen. Auf der Suche nach historischen Parallelen wird in der aktuellen Situation häufig auch auf die Pandemie 1918/1919 verwiesen. Der verheerende Verlauf der sogenannten „Spanischen Grippe“ (die übrigens in Kansas ihren Anfang nahm) führte in vielen Ländern zum Aufbau neuer Strukturen im Gesundheitsbereich. Vielerorts schuf die damalige Bedrohung eine allgemein zugängliche und flächendeckende Gesundheitsversorgung und förderte die systematischere Nutzung von Krankheitsdaten – eine Grundlage der modernen Epidemiologie. Die Weiterentwicklung der Gesundheitssysteme war damals eine folgerichtige Konsequenz aus der Krise. Auch wir stehen aktuell an einem solchen Scheitelpunkt.

Der Blick auf die letzten Monate hilft dabei zu erkennen, welche Schritte richtig waren, wo Fehler gemacht wurden,wo wir entschiedener und klarer hätten handeln müssen. Wo angemessen sollten wir Verbesserungspotentiale ableiten und weiterentwickeln. Aus meiner Wahrnehmung heute sehe ich dabei insbesondere vier Themenfelder, indenen solche Potentiale bestehen.

Erstens: Internationale Kooperation ist stärker

MSD ist ein international arbeitendes Unternehmen. Erforschung und Entwicklung, Herstellung und Verteilung vonArzneimitteln und Impfstoffen leben davon, dass Wissen geteilt wird und Erkenntnisse aufeinander aufbauen können. Ein Mehr an Kooperation ermöglicht aber nicht nur Innovationen, es sichert auch Arbeitsprozesse ab undmacht uns resilienter. Nur so können wir sicherstellen, dass unsere Produkte auch weiterhin dort ankommen, wo siegebraucht werden: bei Patientinnen und Patienten überall auf der Welt. Durch intensive Kooperation können wir mit Disruption besser umgehen, Abschottung und Silodenken machen uns dagegen verwundbar. Natürlich müssen wirüberlegen, wie Europa und andere Regionen tatsächliche Notfallsituationen auch allein stemmen können. Dabei dürfen wir aber nicht der Illusion verfallen, dass wir ohne internationale Zusammenarbeit, Arbeitsteilung und zwischenstaatliche Solidarität besser dastehen würden. Wie wichtig es ist, engherzigem und kurzfristigem Abschottungsdenken Kooperation und Transparenz entgegenzustellen, werden wir spätestens dann sehen, wenn sichere und wirksame Impfstoffe gegen das Corona-Virus zur Verfügung stehen. Denn dann müssen diese in der Weltgemeinschaft fair verteilt werden können – aus moralischer Verpflichtung, aber auch zum Schutz von uns allen. Daher sind wir bei MSD der Auffassung, dass es bei der Distribution eines Corona-Impfstoffes weniger um die Frage gehen darf, welches Land exklusiv die ersten Impfstoffdosen erhält. Vielmehr müssen zuerst besonders vulnerable Gruppen wie medizinisches Personal oder ältere Menschen geschützt werden. Um dies zu gewährleisten, brauchen wir eine funktionierende Kommunikation und Kooperation zwischen allen an Herstellung, Distribution und Anwendung von Impfstoffen beteiligten Akteuren. Transparente und faire Prozesse können dabei helfen, das Ziel einer nachhaltigen, globalen Bekämpfung der Pandemie über egoistische Motive zu stellen.

Zweitens: Das Sichtfeld für alle Gesundheitsherausforderungen offenhalten

Natürlich steht die Bewältigung der Covid-Pandemie derzeit im Fokus, und dies auch völlig zurecht. Wir müssenaber zugleich darauf achten, dass andere große gesundheitspolitische Aufgaben nicht zu weit in den Hintergrundgeraten. Wichtige Impfkampagnen werden derzeit verschoben oder fallen aus, laut WHO und UN-Kinderhilfswerksind etwa Impfungen gegen Diphtherie oder Tetanus bei Kindern bedenklich zurückgegangen. Die Verteilung vonImpfstoffen scheint nicht überall auf der Welt gewährleistet; dagegen kursieren unwissenschaftliche Falschmeldungen zu Medikamenten mit angeblich präventiver Wirkung, die bei Risikogruppen zu Problemen führen können. Zum Auftakt der Welt-Aids-Konferenz gab das Programm der Vereinten Nationen für HIV/AIDS (UNAIDS) bekannt, dass sich im vergangenen Jahr schätzungsweise 1,7 Millionen Menschen weltweit mit dem Virus angesteckt haben. Eigentlich sollten es nach unterschiedlichen Programmen, Initiativen und Investitionen nur noch 500.000 pro Jahr sein. Bis 2030 wollte UNAIDS die Epidemie eigentlich besiegen. Das Ziel rückt nun wieder in weite Ferne.

Auch die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Krebs und die Versorgung von Menschen, die eine Krebstherapie überstanden haben sind mit neuen Herausforderungen konfrontiert: aus Sorge vor einer Ansteckung und wegen der Reduzierung von normalerweise verfügbaren klinischen Leistungen entstehen z.T. Verzögerungen beider Therapie1. Die Sicherstellung der kontinuierlichen Verfügbarkeit von lebensrettenden Medikamenten und Impfstoffen für alle Patientinnen und Patienten muss also auch in Zeiten einer Pandemie hohe Priorität haben. MSD bedient sich hier lokaler und globaler Entwicklungs-, Produktions- und Lieferkettenressourcen auf der ganzen Welt, sodass sich unsere Patienten darauf verlassen können, dass klinische Studien fortgesetzt werden und Medikamente und Impfstoffe verfügbar bleiben.

Drittens: Digitalisierung, Datenverfügbarkeit, Datenschutz

Daten sind ein wichtiger Schlüssel zur Bewältigung bestehender und zukünftiger Gesundheitsherausforderungen.Aktuell werden fast jeden Tag weltweit Studien zur COVID-19-Pandemie veröffentlicht – neue Daten bringen auchneue Erkenntnisse. Der Aufbau von neuem und das Teilen von schon verfügbarem Wissen sind unermesslich wichtigund hilfreich. Beides ermöglicht die Bündelung, den gezielteren Einsatz und die bessere Koordination der Forschung.

Beides hilft dabei, Maßnahmen transparent zu evaluieren und zu verbessern. Der Einsatz von Gesundheitsdaten erleichtert die Forschung und Entwicklung von neuen Arzneimitteln und Impfstoffen und ermöglicht eine passgenauere, zielgerichtete und individualisierte Ausrichtung von Therapien. In der Pandemie sind diese Daten ein entscheidender Hebel, um den allgemeinen und ausnahmslosen Lock-Down zu vermeiden. Das Potential der Digitalisierung im Gesundheitswesen muss auch in der Post-Corona-Zeit anerkannt und noch besser genutzt werden. Die Entwicklungen bei der Nutzung von Telemedizin z. B. sind ermutigend, denn sie erhöht die Versorgungsfähigkeit in einer Pandemie-Situation wie dieser. Wir lernen – und die Diskussion um die Corona-App istdafür ein gutes Beispiel – wie wichtig dabei Information und Transparenz sind.
Nur wenn wir offen und kontinuierlich informieren, wenn wir auch mit Fehlern transparent und ehrlich umgehen, dann können wir Vertrauen aufbauenund Akzeptanz schaffen. Unabdingbar hierfür sind auch ein hohes und garantiertes Maß an Datenschutz und Datensicherheit. Gleichzeitig muss die Diskussion aber auch noch breiter in die Gesellschaft getragen und gesamtgesellschaftlich geklärt werden, nicht nur unter Digitalexpertinnen und -experten. Die Zukunft unserer Forschung, des Gesundheitssystems insgesamt und die bestmögliche Versorgung von Patientinnen und Patienten hängt an dieser Frage.

Viertens: Forschung & Entwicklung schützen und fördern

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in allen Bereichen des Gesundheitswesens haben dieses Jahr Höchstleistungen vollbracht. Auch in den Pharmaunternehmen wird derzeit Enormes geleistet. Hunderte Unternehmen und Forschungseinrichtungen arbeiten weltweit unter Hochdruck an einem Corona-Impfstoff sowie an anderen antiviralen Medikamenten für die Therapie von COVID-19. Das während der Pandemie gesteigerte Maß an Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen sowie zwischen staatlichen Institutionen und privaten Organisationen ist eine großartige Entwicklung. Auch wir von MSD sind an drei Projekten aktiv beteiligt. Das Virus ist in seiner Ausprägung zwar erst seit wenigen Monaten bekannt, dennoch gibt es bereits jetzt einige vielversprechende Ansätze für Impfstoffkandidaten. Diese Geschwindigkeit ist beispiellos und zeigt die hohe Innovationskraft und Leistungsfähigkeit unserer Branche und der in den Unternehmen stattfindenden Forschung.

Corona-Viren sind seit rund 60 Jahren bekannt. Die während dieser Jahrzehnte gesammelten Studien- und Forschungsdaten zum Genom, der Strukturen und den Infektionszyklen dieser Viren erlauben den Wissenschaftlernheute eine relativ schnelle und genaue Identifikation von Zielen neuer antiviraler Medikamente sowie eine passgenaue Entwicklung von Impfstoffstrategien gegen das aktuelle Corona-Virus. Der Tatsache, dass diese Forschung in überwältigendem Ausmaß privatwirtschaftlich gefördert und betrieben wird und enorm zeit- und kostenintensiv und riskant ist, sollte die Politik in Zukunft stärker Rechnung tragen und bessere Anreize setzen – beispielsweise durch den Erhalt eines starken und international wettbewerbsfähigen Systems zum Schutz geistigen Eigentums oder durch systemische Verbesserungen im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen. Auch in den nächsten Jahren werden die Gesundheitssysteme weltweit vor enorme Herausforderungen gestellt. Eine gut funktionierende privatwirtschaftliche Forschung ist ein verlässlicher Garant dafür, auch auf diese drängenden Gesundheitsfragen geeignete Antworten zu finden. Lehren ziehen und weiter dazulernen. Gleichzeitig gilt es, das gut funktionierende demokratische System hierzulande mit allen Mitteln zu erhalten und weiter zu stärken. Wir erleben gerade einmal mehr, dass dies weder eine Selbstverständlichkeit noch ein Selbstläufer ist.

Ich bin zuversichtlich und habe hohes Vertrauen, dass mit den im Rahmen der Pandemie-Bekämpfung erlassenen politischen Maßnahmen verantwortungsvoll umgegangen wird. Wir haben in den letzten Monaten teils tiefe Einschnitte in unsere unternehmerische Freiheit akzeptiert, etwa dort, wo staatliche Einrichtungen mitunter massiv in die Prozesse von Herstellung, Logistik und Abgabe von Arzneimitteln eingreifen können2. Wir erwarten, dass diesegesetzlichen Änderungen wie vorgesehen stetig überprüft werden, zeitlich begrenzt gültig sind und, wenn überhaupt, nur mit Augenmaß und großer Zurückhaltung eingesetzt werden.

Insgesamt muss unsere freiheitliche Demokratie stark und resilient bleiben, damit sie aktuell und auch während zukünftiger Krisen angemessenen Antworten finden kann. Klar ist: Dies ist keine leichte Aufgabe. Eindringlich imGedächtnis sind mir weiterhin die Mahnung des Generalsekretärs der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, von Anfang März – „This is not a drill!“ – oder auch die Worte der Bundeskanzlerin „Nehmen Sie es ernst, denn es isternst!“. Insgesamt ist Deutschland der Krise bisher mit der nötigen Ernsthaftigkeit begegnet und hat sie verhältnismäßig gut gemeistert. Die Pandemie ist noch nicht überstanden und die in Teilen zurückgewonnene Normalität und damit einhergehenden Freiheiten sind fragil. Um sie zu schützen, müssen wir weiterhin aufmerksam durch die kommenden Wochen und Monate gehen, weiter dazulernen, die richtigen Schlüsse ziehen und diese konsequent umzusetzen. Nur dann können wir mit einigem Abstand auf diese Krise zurückblicken und hoffentlich sagen, dass wir unser Bestmöglichste getan haben.

1 www.thelancet.com/pdfs/journals/lanonc/PIIS1470-2045(20)30242-4.pdf

2 Die Regeln greifen in den Schutz des geistigen Eigentums ein, können Patente einschränken und sogar bis zu Beschlagnahmungen führen. Im Zuge der Pandemie-Bewältigung wurde u.a. § 5 des Infektionsschutzgesetzes entsprechend geändert.

Franziska Müller

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