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Neue Therapieoption im Kampf gegen Hepatitis C

Im Juli 2011 räumte die European Medicine Agency (EMA) unserem Proteaseinhibitor einen sogenannten "Priority Review Status" ein. Diesen Status gewähren die Arzneimittelbehörden Medikamenten, die einen erheblichen Fortschritt für die Behandlung einer Krankheit darstellen. Das betrifft Erkrankungen, für die es bisher nur ungenügende oder keine Behandlungsmöglichkeiten gibt oder Arzneimittel, die eine deutliche Verbesserung für die Behandlung solcher Krankheiten bieten, beziehungsweise von großer Bedeutung für die Gesundheit der Bevölkerung sind – wie zum Beispiel in diesem Fall die Behandlung der Hepatitis-C-Virus-Infektion.

Hepatitis-C-Virusreplikation
Hepatitis-C-Virusreplikation
Für Patienten, die bisher noch nicht behandelt wurden, verdoppelt sich durch das Medikament deren Chance, geheilt zu werden. Patienten, die bisher erfolglos behandelt wurden, haben eine dreifach erhöhte Chance auf Heilung. Die Behandlung der Hepatitis C kann für die Patienten belastend sein, da sie häufig unter Erschöpfungszuständen und Depressionen leiden können. Durch den neuen Wirkstoff kann die Behandlungszeit bei bestimmten Patienten verkürzt werden, und zwar auf 28 Wochen im Vergleich zur Standardtherapie, die fast ein Jahr dauert.
Der Wirkstoff ist ein direkt wirkendes antivirales Medikament (Direct Acting Antiviral, DAA), das das Virus selbst angreift. Es hemmt das Virus in seiner Vermehrung, indem es ein Schlüsselenzym blockiert.

Was ist eine Hepatitis?

Eine Hepatitis ist eine Entzündung der Leber. Sowohl Hepatitis-B- als auch Hepatitis-C-Infektionen können zu chronischen Erkrankungen werden. Zu einer Chronifizierung kommt es bei 70 bis 90 Prozent aller mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) Infizierten. Die möglichen Spätfolgen können dramatisch sein: Die eingeschränkte Leberfunktion kann zur Leberzirrhose bis hin zum Leberzellkrebs führen. Hepatitis C ist die häufigste Ursache für Leberzellkrebs. Jährlich erkranken in Deutschland mehr als 5000 Menschen neu an diesem Tumor. Hepatitis C ist damit die häufigste Ursache für eine Lebertransplantation.
Schätzungsweise leiden weltweit 180 Millionen Menschen an einer chronischen HCV-Infektion, mehr als 350.000 von ihnen versterben jedes Jahr an einer HCV-bedingten Lebererkrankung. In Europa gibt es schätzungsweise vier Millionen HCV-Infizierte und weitere vier Millionen in den (USA). Geschätzte 400.000 bis 800.000 Menschen sind in Deutschland mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert, wobei jedes Jahr mehrere Tausend Neuinfizierte hinzukommen.
Man unterscheidet bei der Hepatitis C verschiedene Genotypen (Genotyp 1 bis 6). In klinischen Studien zeigte sich, dass der Genotyp 1 am schwierigsten erfolgreich zu behandeln ist. Gleichzeitig tritt der Genotyp 1 am häufigsten auf. Infektionen mit Genotyp 1 haben mit rund 60 Prozent den größten Anteil an den weltweiten Infektionen und treten vorwiegend in Nordeuropa und den USA auf.

Wer hat ein erhöhtes Risiko, an Hepatitis C zu erkranken?

Ein wesentlicher Risikofaktor für eine HCV-Infektion ist das gemeinsame Benutzen von Injektionsnadeln unter Drogenabhängigen.
Weitere mögliche Übertragungswege sind verunreinigte Blutkonserven oder Blutprodukte, Piercings, Mutter-Kind-Übertragung, Nadelstichverletzungen in medizinischen Einrichtungen oder die gemeinsame Nutzung von Applikatoren beim Schnupfen oder Injizieren von Drogen. Durch das Screening von Blutspendern auf HCV-Infektionen hat sich das Risiko für eine Übertragung des Virus durch Blutprodukte um 50 bis 66 Prozent reduziert. Obwohl Hepatitis in der Regel nicht durch Geschlechtsverkehr übertragen wird, besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko bei riskanten Sexualpraktiken, beispielsweise bei häufig wechselnden Sexualpartnern.

Was sind die Symptome einer HCV-Infektion?

Die HCV-Infektion wird oft als „stiller Killer“ bezeichnet, da viele HCV-Infizierte sich nicht krank fühlen und die Krankheit häufig unerkannt bleiben. Bei einigen Betroffenen können jedoch schon kurz nach der Infektion mit dem Virus leichte bis schwere Symptome auftreten. Dazu gehören:

Fieber
Müdigkeit
Appetitverlust/Anorexie
Magenschmerzen
Dunkler Urin
Ikterus (Gelbfärbung der Haut und/oder Augen)
Übelkeit und Erbrechen
Muskel- und Gelenkschmerzen
Konzentrationsschwierigkeiten
Angst und Depressionen
Im Frühjahr 2007 hat das Europäische Parlament in einer schriftlichen Erklärung auf die Bedeutung der Hepatitis C für die Gefährdung der Gesundheit der Bevölkerung aufmerksam gemacht und die Etablierung einer grenzübergreifenden Initiative seiner Mitgliedsstaaten zur Bekämpfung der Erkrankung dringend empfohlen. In der Erklärung wird die Hepatitis C, als „Silent Killer“ und „Sniper“ Disease (Hinterhältige Erkrankung) bezeichnet, da sie wegen des oft symptomlosen Verlaufs über Jahre oder gar Jahrzehnte voranschreiten kann. Gefordert werden in der WHO-Erklärung unter anderem Verbesserungen zum Schutz von medizinischem Personal, zur Früherkennung der Erkrankung und dem Zugang zu Behandlungsmöglichkeiten.
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