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Gründe für Medikamentenfälschungen und deren Zunahme

Medikamente werden meist aus skrupelloser Profitgier gefälscht. Denn mit Medikamentenfälschungen lassen sich leicht große Gewinne erzielen, da sie meist keinen „wertvollen“ Wirkstoff enthalten und keinerlei Forschungs- und Entwicklungsaufwand anfällt.

Der Handel mit Arzneimittelfälschungen ist äußerst lukrativ - lukrativer als der Drogenhandel. »Anders als Drogen wie Heroin haben Medikamente keinen stoffbezogenen Preis, sondern einen intellektuellen«, erklärte Professor Dr. Harald Schweim von der Universität Bonn. »Die Synthese ist preiswert, teuer ist die Entwicklung.« Daher haben gefälschte Arzneimittel eine deutlich höhere Gewinnspanne, zum Teil beträgt der Verkaufspreis das 200-fache der Produktionskosten. Dementsprechend gut läuft das Geschäft mit Arzneimittelfälschungen: der weltweite Markt beläuft sich auf etwa 35 Milliarden Dollar.
Laut Schätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind etwa 10 Prozent der Medikamente weltweit Fälschungen. In manchen Entwicklungsländern beträgt der Anteil fast 90 Prozent. In Deutschland dagegen kommen Fälschungen in der legalen Vertriebskette, vom Hersteller über den Großhandel zur Apotheke und den legalen Versandhändlern, so gut wie nicht vor. »Das Problem ist der illegale Versandhandel«, sagte Schweim. Hier sei jedes zweite Präparat gefälscht. Bei teuren Lifestyleprodukten liegt der Anteil sogar bei fast 90 Prozent. Im besten Fall sind die Medikamente wirkungslos, sie können aber die Gesundheit schädigen.
Für die Fälschung von Medikamenten genügen oft lediglich eine Person mit Zugang zu einem kleinen Labor sowie ein weiterer Täter mit Zugang zur legalen Verteilerkette (Groß- und Zwischenhändler), um die Fälschungen auf den Markt zu bringen. Ebenso kann ein Arzneimittel bereits in betrügerischer Absicht beim Hersteller für den Export in Drittländer bestellt worden sein. Dort wird es dann von einer anderen Person oder Gruppe illegal umverpackt.
Auch in Deutschland nehmen Medikamentenfälschungen zu, insbesondere auf dem Markt der verschreibungspflichtigen Lifestyle-Produkte wie z.B. PROPECIA®. Vor allem über Vertriebswege des Internet ist eine ansteigende, unkontrollierte Verbreitung dieser vom Patienten selbst bezahlten Medikamente zu beobachten.
Ein weiterer lohnender Markt für Fälscher ist die Fitness- und Bodybuilderszene. Für anabole Steroide wird auf dem Schwarzmarkt ein Mehrfaches des eigentlichen Preises bezahlt. Die Qualität der häufig täuschend echt erstellten Falsifikate stimmt meist nicht mit den deklarierten Wirkstoffen des Originalherstellers überein. Im November 2000 nahm das Bayerische Landeskriminalamt einen Ring von Anabolikahändlern fest und stellte umfangreiches Probenmaterial sicher.
Das Fälschen von Arzneimitteln wurde übrigens in Deutschland bis 2004 rechtlich wie Produktpiraterie behandelt. Jetzt ist dies ein Straftatbestand mit einer drastischen Verschärfung der Strafen.
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