Ökonomie und Innovation im Arzneimittelmarkt – ein Gegensatz? |
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München, im Januar 2008. Die Medizinische Fakultät der Ludwig-Maximilian-Universität München konnte mit Unterstützung von MSD Professor Frank R. Lichtenberg von der Columbia University, New York, für einen öffentlichen Vortrag innerhalb des Studiengangs „Public Health“ gewinnen (http://www0.gsb.columbia.edu/faculty/flichtenberg/). Lichtenberg untersucht seit vielen Jahren, wie sich die Einführung neuer Arzneimittel auf das öffentliche Gesundheitssystem auswirkt. Seine These, dass Innovationen im Gesundheitswesen sich letztlich auszahlen, stellte er in München unter dem Titel „The Drug Paradoxon: The more we invest – the more we save“ vor. |
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Es klingt erstaunlich, wenn jemand behauptet, je mehr man ausgebe, desto größer sei der Spareffekt. Der renommierte Gesundheitsökonom Frank Lichtenberg tut genau dies im Hinblick auf die Erforschung und Einführung neuer Medikamente. In mehreren Studien hat er untersucht, in welcher Weise sich innovative Arzneimittel auf die Gesellschaft im Allgemeinen und auf ihr Gesundheitssystem im Besonderen auswirken. Das Ergebnis: Je innovativer ein Medikament ist, desto besser ist nicht nur seine Wirksamkeit und damit der Nutzen für den einzelnen Patienten – auch sein volkswirtschaftlicher Wert ist so hoch, dass die Kosten für die neue Arznei aufgewogen werden. |
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Der Jahrgang ist entscheidend – wie beim Rotwein, nur umgekehrt |
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| Anders als bei gutem Wein, dessen Qualität mit dem Alter steigt, hat Lichtenberg nachgewiesen, dass es gerade die neuen Medikamente sind, die einen positiven Einfluss auf die langfristige Kostenentwicklung im Gesundheitswesen haben und deshalb besonders wertvoll sind. Sie seien zwar zunächst häufig teurer als bereits im Markt etablierte Therapeutika, beeinflussten aber maßgeblich Faktoren wie Sterblichkeit, Lebensqualität, Krankenhaus- oder Heimaufenthalte. Lichtenberg führt die Steigerung der Lebenserwartung in OECD-Ländern von 1986 bis 2000 um zwei Jahre auch auf den Einsatz moderner, Ziel gerichtet eingesetzter Medikamente zurück – zehn Monate rechnet er ihnen zu. Dies sind 40 Prozent der hinzu gewonnenen Lebenserwartung. |
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Deutschland hinkt hinterher |
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| Innovative Wirkstoffe trügen laut Lichtenberg auch dazu bei, die Dauer von Krankenhaus- oder Pflegeheimaufenthalten deutlich zu verkürzen – was wiederum einen direkten Kosteneffekt nach sich ziehe. Ein Ergebnis seiner Studien: Mehrkosten für neue Medikamente in Höhe von 300 bis 800 US-Dollar stehen einer Kostenersparnis in Spitälern und Heimen in Höhe von 800 bis 1200 US-Dollar gegenüber. Vor diesem Hintergrund kann es schon bedenklich stimmen, dass wir uns in Deutschland zwar eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt leisten, der Anteil neuer Arzneimittel im internationalen Vergleich aber hinterher hinkt. Einer Erhebung aus dem Jahr 2004 zu Folge waren nur 7% der eingesetzten kardiovaskulären Medikamente jünger als zehn Jahre. Im Vergleich dazu waren es in Australien 20%, in Kanada 16% und in Norwegen 14%. Weitere Länder wie Spanien (11%), die Türkei (11%) und Korea (9%) lagen ebenfalls vor Deutschland. |
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Die Wirkung neuer Therapieansätze am Beispiel HIV |
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Mit Bezug auf eine spezifische Erkrankung wies Lichtenberg für die AIDS-Therapie einen Zusammenhang zwischen der Verordnung neuer Medikamente und deren Einfluss auf die Lebensdauer, die Dauer von Krankenhausaufenthalten und die Arbeitsfähigkeit Infizierter nach. Deren Lebensdauer hat sich seit Einführung der ersten antiretroviralen Medikamente Mitte der 80er Jahre im Schnitt um 13 Jahre verlängert, die Krankenhauskosten haben sich in etwa halbiert.
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