HIV-Infektionen:

Mit neuer Strategie gegen den AIDS-Erreger: Der erste Integrasehemmer hält Virus aus dem Erbgut fern

Mehr als 25 Jahre ist es her, seit das HI-Virus das erste Mal beschrieben wurde, und rund 12 Jahre, seit es die hochwirksamen Kombinationstherapien gibt. Damit kann zwar nach wie vor der AIDS-Erreger nicht vollständig aus dem Körper entfernt werden - die Erkrankung ist jedoch nicht mehr akut lebensbedrohlich!

Integrase
Wird die HIV-Infektion rechtzeitig erkannt, gelingt es mit der modernen HIV-Therapie die Vermehrung des Virus in den befallenen Immunzellen weitestgehend zu unterdrücken und so den Krankheitsverlauf zu mildern.
Resistenzen gegen die Medikamente und Langzeitnebenwirkungen der lebenslangen Therapie sind jedoch häufig ein Problem.
Mittlerweile gibt es mehr als 20 zugelassene Substanzen aus fünf verschiedenen Wirkstoffgruppen: Daraus wird eine auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Kombinationstherapie aus meist drei verschiedenen Medikamenten zusammengestellt. Das Ziel ist es, mit einer HIV-Therapie die Viruskonzentration im Blut dauerhaft unter der Nachweisgrenze (<50 HIV-RNA Kopien/ml Blut) zu halten. Dann kann sich auch das Immunsystem wieder erholen.
Seit dem 21. Dezember 2007 steht in Deutschland der erste Vertreter einer neuen Substanzklasse, sogenannte Integrasehemmer, mit einem völlig neuen Wirkprinzip im Kampf gegen HIV zur Verfügung.
Das HI-Virus benötigt drei viruseigene Schlüsselenzyme, um sich erfolgreich in der Wirtszelle vermehren und neue Zellen infizieren zu können - die Integrase ist eines davon. Dieses Enzym steuert den Einbau der Erbsubstanz des Virus in das Erbgut der befallenen Zelle. Diese Integration der viralen DNA, also der Virus-Gene, verläuft über mehrere komplizierte Schritte und einer davon, der sogenannte Strang-Transfer, wird durch den neuen Integrasehemmer blockiert. Die Folge ist: Die Gene des HI-Virus können nicht in das Erbgut der Wirtszelle eingebaut werden und das Virus kann sich nicht weiter vermehren. Die beiden anderen für die Vermehrung notwendigen viruseigenen Enzyme werden durch andere HIV-Medikamente, die es schon länger gibt, gehemmt.
Mit dem ersten Integrasehemmer gibt es die Möglichkeit, vorbehandelte Patienten, deren Viren bereits resistent gegen viele bisherige HIV-Medikamente sind, noch einmal dauerhaft erfolgreich zu behandeln: Nun kann eine komplett aktive Substanz eingesetzt werden, gegen die es noch keine Resistenzen gibt. Früher konnte man nur versuchen, bei intensiv vorbehandelten Patienten mit multiresistenten Viren die Verschlechterung des Immunsystems aufzuhalten.
Der Integrasehemmer ist für vorbehandelte Patienten mit resistenten Viren eine neue Option, die zusammen mit einer weiteren aktiven Substanz die Virusvermehrung dauerhaft kontrollieren kann und das mit wenigen Nebenwirkungen. Aber, auch unter dem Integrasehemmer kann es zu Resistenzen kommen, wenn die Vermehrung des Virus nicht ausreichend gehemmt wird. Deswegen ist es wichtig, darauf zu achten, dass bei vorbehandelten Patienten mit resistenten Viren noch mindestens ein zusätzliches aktives Medikament in der Kombinationstherapie enthalten ist.

HIV und AIDS in Deutschland: Nach wie vor zu viele neue HIV-Infektionen!

In Deutschland leben etwa 56.000 Menschen mit HIV/AIDSIn Deutschland leben etwa 56.000 Menschen mit HIV/AIDS und jedes Jahr kommen zirka 2.600 neue HIV-Infektionen hinzu, so der Jahresbericht 2006 des Robert-Koch-Institutes in Berlin. Zwischen Januar und Juli 2007 wurden 1.334 Neuinfektionen gemeldet; das sind 9% mehr als im ersten Halbjahr 2006 (1.224 gemeldete Neuinfektionen) und 6% weniger als im zweiten Halbjahr 2006 (1.414 gemeldete Neuinfektionen). Damit bleibt die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland insgesamt auf hohem Niveau.
Weitere Informationen erhalten Sie unter:
www.hiv-integrase.de
www.isentress.de
HIV-Integrase Video. Zum Starten Bitte anklicken!
Das Video informiert über den Mechanismus, mit dem das HI-Virus die Integrase verwendet, um sein genetisches Material in die Erbsubstanz einer menschlichen Wirtszelle einzubauen, nach der dann die Vermehrung des Virus erfolgt.