Arzneimittelpreise in der Diskussion. Mythen, Irrtümer und unsere Sicht der Dinge.

Ein jährlich wiederkehrendes Ritual in den Medien ist die Klage über steigende Kosten im Gesundheitswesen. Krankenkassen und Politik machen dafür in erster Linie Arzneimittel verantwortlich, und unter ihnen vor allem neue, patentgeschützte Medikamente. Wir von MSD sind der Meinung, dass es richtig und wichtig ist, über dieses Thema zu sprechen. Allerdings sollte die Kontroverse offen erfolgen und die Argumentation nachvollziehbar sein. Daher hinterfragen wir in der Broschüre „Arzneimittelpreise in der Diskussion“ häufig geäußerte Thesen und haben dazu Daten und Fakten zusammengetragen.

These: Neue Arzneimittel sind zu teuer!

Durchschnittlich gelangt von 5.000 bis 10.000 in der Forschung untersuchten Substanzen nur eine als Medikament auf den Markt. Der gesamte Forschungs- und Entwicklungsprozess umfasst im Schnitt 13,5 Jahre. Angesichts der langen Entwicklungszeit steht dem Hersteller bestenfalls noch die Hälfte der vom Gesetz vorgesehenen 20-jährigen Patentlaufzeit zur wirtschaftlichen Nutzung zur Verfügung.

Fazit: Die Preise für neue Arzneimittel spiegeln die Kosten, die für Entwicklung und Vertrieb aufgewendet müssen.

1 von 10.000 Wirkstoffen schafft es in die Apotheke
Quelle: vfa. Statistics 2013. Die Arzneimittelindustrie in Deutschland, S. 9

These: Die Arzneimittelpreise in Deutschland sind im internationalen Vergleich zu hoch!

Der Preis eines Arzneimittels wird nicht allein vom pharmazeutischen Unternehmer festgelegt. Auf den Herstellerabgabepreis werden die Margen des Großhandels und der Apotheken sowie Steuern aufgeschlagen. Auf diese Aufschläge hat der Hersteller keinen Einfluss und sie sind von Land zu Land unterschiedlich. Berücksichtigt man die landesspezifischen Regeln der Preisbildung, so zeigt sich, dass die Hersteller ihre Produkte in Deutschland günstiger abgeben als in vielen vergleichbaren europäischen Ländern.

Trotz der hohen Belastung durch Zuschläge gibt es im MSD Sortiment Arzneimittel, deren Apothekenverkaufspreis im internationalen Vergleich im Mittelfeld oder im unteren Bereich der Preisskala liegt.

Fazit: Der europäische Vergleich zeigt, dass der forschenden Pharmaindustrie in Deutschland keine unangemessen hohen Preise vorgeworfen werden können. Vielmehr ist hier der Anteil, der auf Steuern und Rabatte entfällt, so hoch wie in keinem anderen Land. 

Arzneimittel werden in Deutschland durch Hertsller zu 57%, Großhänler zu 4%, Apotheken zu 14% und Steuern und Rabatte zu 25% verteuert.
Quelle: vfa. Statistics 2013. Die Arzneimittelindustrie in Deutschland, S. 14

These: Arzneimittel sind die Kostentreiber im Gesundheitswesen!

Richtig ist, dass die Ausgaben im Gesundheitswesen und auch für Arzneimittel – absolut gesehen – steigen. Relativ zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) sind sie in den vergangenen Jahren aber fast konstant geblieben. So beträgt der Ausgabenanteil am BIP 2013 insgesamt 11,2 Prozent. Im Jahr 2012 hatte dieser Wert 11,0 Prozent betragen.

Quelle: Statistisches Bundesamt. Pressemitteilung vom 14.04.2015: Gesundheitsausgaben im Jahr 2013 bei 314,9 Milliarden Euro.

These: Der Nutzen neuer Medikamente wird überschätzt!

Die Innovationen der forschenden Pharma-Unternehmen leisten beim  Anstieg der Lebenserwartung einen entscheidenden Beitrag. Rund 40 Prozent der gewonnenen Lebensjahre gehen auf die Verfügbarkeit innovativer, besserer Medikamente zurück.

Fazit: Ohne die Forschungsleistung und die hohen Investitionen der Arzneimittelhersteller gäbe es diese Entwicklungen nicht. Forschende Pharmaunternehmen tragen dazu bei, dass Menschen länger und vor allem gesünder leben.

In Deutschland hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung zwischen 2000 und 2007 um 1,7 Jahre erhöht
Quelle: vfa. Statistics 2013. Die Arzneimittelindustrie in Deutschland, S. 3.

Viele neue Medikamente sind Me-too-Präparate und eigentlich überflüssig!

Fortschritt – auch der medizinische – vollzieht sich relativ selten in großen, sondern wesentlich häufiger in kleinen Schritten. Dies gilt auch für die Arzneimittelforschung. In zahlreichen Fällen ist das eigentliche Innovationspräparat noch nicht das Optimum in der entsprechenden Arzneistoffklasse. Erst der zweite und weitere Vertreter der Klasse (oft als Analog- oder „Me-too“-Präparate diffamiert) optimieren den therapeutischen Fortschritt – sei es, weil sie schneller oder länger wirken, besser verträglich sind oder weniger Wechselwirkungen haben.

Fazit: Auch scheinbar kleine Entwicklungsschritte können für Patienten einen zusätzlichen Nutzen bedeuten.

MSD wünscht sich, dass Sie sich anhand dieser Inhalte selbst eine Meinung zum Thema Arzneimittelpreise bilden können. Wenn Sie dazu Fragen haben, können Sie sich gerne an uns wenden. Wir freuen uns über einen Dialog.