MSD-Stipendium HIV/AIDS 2010 für Bonner Humanmedizinerin |
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Dezember 2010 – Das MSD-Stipendium HIV/AIDS geht an Frau Dr. Evrim Anadol (32). Die Assistenzärztin an der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Bonn erhält den mit 12.000 Euro dotierten Preis für das geplante Forschungsprojekt „Untersuchung zur Bedeutung von micro-RNA für die Fibroseentwicklung bei HIV-infizierten Patienten“. Mit diesem Vorhaben will die Forscherin neue Erkenntnisse sowohl über HIV-assoziierte Lebererkrankungen und Organfunktionsstörungen als auch über die Nebeneffekte und Resistenzentwicklungen durch die heute übliche hochaktive antiretrovirale AIDS-Therapie erarbeiten. Sie plant, die zur Implementierung des Forschungsvorhabens notwendigen Techniken im Rahmen eines Studienaufenthaltes im Labor für Molekularpathologie des Instituts für Pathologie der Kölner Universitätsklinik zu erlernen und anschließend in ihrem Heimatinstitut umzusetzen. |
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| Im Juni 1981 erschien im "Morbidity and Mortality Weekly Report" des Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta, USA, der erste Bericht über das Acquired Immune Deficiency Syndrome (AIDS). Zwei Jahre später entdeckten der französische Virologe Luc Montagnier (Frankreich) und sein amerikanischer Kollege Robert Charles Gallo das Humane Immundefizienz-Virus (HIV). |
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| Seit seiner Entdeckung hat sich das Virus mit großer Geschwindigkeit überall in der Welt verbreitet. Laut UNAIDS lebten Ende 2008 weltweit etwa 33 Millionen HIV-positive Menschen, etwa zwei Millionen Menschen starben 2008 an den Folgen einer HIV-Infektion. Mit einer Neuinfektionsrate von etwa 2,7 Millionen Menschen z.B. allein im Jahr 2008, gehört AIDS zu den größten Herausforderungen unserer modernen globalisierten Welt. |
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| Als AIDS vor mehr als 25 Jahren als eigenständige Krankheit definiert wurde, verlief sie absolut tödlich. Heute gibt es eine wirksame Behandlung: die hochaktive antiretrovirale Therapie (Highly active antiretroviral treatment, HAART), eine medikamentöse Kombinationstherapie aus mindestens drei antiretroviralen Wirkstoffen. Die regelmäßige, lebenslang notwendige Einnahme dieser Medikamente bewirkt zwar keine Heilung, aber sie verhindert das Fortschreiten der Erkrankung und verringert die opportunistischen Erkrankungen nachhaltig, was zum langfristigen Überleben HIV-infizierter Patienten führt. |
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| Allerdings stellen Resistenzentwicklung, Langzeittoxizitäten durch HAART und Interaktionen mit anderen Medikamenten vor allem wegen der längeren Überlebenszeit der HIV-Patienten ein zunehmendes Problem dar. So sind ca. 10-15% der HIV-Patienten in Deutschland Hepatitis C-koinfiziert, bei rund 10% ist das Hepatitis B-Antigen nachweisbar. Chronisch verlaufende Hepatitis B oder C-Infektionen verursachen eine Vernarbung der Leber (Leberfibrose), die zu einem bleibenden Leberschaden (Zirrhose) führen kann, bei einer HIV-Hepatitis C-Koinfektion kommt es sogar zu einer deutlichen Beschleunigung der Fibroseentwicklung. So ist die lebererkrankungsassoziierte Mortalität bei HIV-Infizierten bereits eine der Haupttodesursachen in der westlichen Welt. Eine antiretrovirale HIV-Therapie kann dieser Entwicklung zwar entgegenwirken, gleichzeitig kann die Langzeiteinnahme von HAART jedoch zu einer toxischen Schädigung der Leber führen und damit ebenfalls zur Fibrose beitragen. |
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| In aktuellen Forschungsarbeiten kommt den sogenannten micro-RNAs (miRNA), kleine RNAs von ca. 18-25 Nukleotiden, eine wichtige regulatorische Bedeutung bei der Modelierung der zellulären Interaktion mit dem HIV 1-Virus und vielleicht auch anderen Viren zu. Es konnte eine leberspezifische miRNA identifiziert werden, die die Replikation von Hepatitis C in kultivierten humanen Zellen moduliert. Es stellt sich nun die Frage, ob sich genau diese miRNA zur Therapie der HCV-Infektion nutzen lässt. Darüber hinaus sind miRNA auch potentielle Biomarker für Leberschäden und eventuell zur Bestimmung des Therapieansprechens bei HCV-Infizierten geeignet. Da der Einfluss der HIV-Monoinfektion auf die Fibrogenese bisher nicht eindeutig geklärt ist, könnten auch hier miRNA-Untersuchungen neue Erkenntnisse bringen. |
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| Auf Grundlage dieser Forschungsergebnisse und angesichts der vielen noch ungeklärten Fragen rund um die Bedeutung der miRNAs plant die Preisträgerin, im Rahmen ihres Forschungsprojektes bekannte miRNAs im Serum von HIV-Patienten im Vergleich zu Kontrollpersonen sowie bekannte Fibrosemarker und deren Korrelation zu klinischen Daten und Fibroscan-Untersuchungen der Patienten zu untersuchen. Die dafür notwenigen Techniken der microRNA-Analyse aus Serumproben wird sie in der Arbeitsgruppe von PD Dr. Margarete Odenthal im Labor für Molekularpathologie im Institut für Pathologie, das zur Universitätsklinik Köln gehört, erlernen. Dieser Forschungsaufenthalt an der Kölner Universitätsklinik wird ihr durch das MSD-Stipendium ermöglicht. |
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MSD-Stipendien in verschiedenen Forschungsgebieten |
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| MSD vergibt jährlich Forschungsstipendien in Höhe von jeweils 12.000 Euro. Die Stipendien sollen jungen promovierten Humanmedizinern/-innen ermöglichen, bei einem mehrwöchigen Aufenthalt an einer Institution im In- oder Ausland neue wissenschaftliche Verfahrensweisen zu erlernen, um sie dann an ihrem Heimatinstitut bzw. an ihrer Heimatklinik zu implementieren. Die Auswahl des Stipendiaten trifft jeweils eine unabhängige Jury aus hochrangigen Wissenschaftlern. Informationen zum Bewerbungsmodus finden Interessenten im Internet unter www.msd.de/uebermsd/stip/home.html. |
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| Literatur: |
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| 1) www.unaids.org - UNAIDS: The Joint United Nations Programme on HIV/AIDS. |
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