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Einige Fragen an Prof. Dr. Christoph Wanner, der das MSD-Stipendium in der Indikation Herz-Kreislauf 1991 erhalten hat

Prof. Dr. Christoph WannerSehr geehrter Herr Prof. Wanner, welchen Stellenwert hatte das Stipendium und der Forschungsaufenthalt damals für Sie?
Ich muss vorausschicken, dass ich das Stipendium als 33-jähriger Forscher mit Ausbildung (post bzw. während der Habilitation) antrat. Meine damalige Forschungsmethodik war veraltet und eine Auffrischung war dringend notwendig bzw. ein Quantensprung war gefordert. Zuerst wollte ich möglichst viele Ziele verwirklichen, sah aber dann die Fokussierung auf nur eine Frage als das Machbare an. Während des Aufenthaltes in dem externen Labor ergaben sich dann so viele Kooperationsmöglichkeiten mit verwandten Fragestellungen, dass der Stellenwert durch die folgende Zusammenarbeit nicht hoch genug bewertet werden kann.
Wie bewerten Sie solche Möglichkeiten heute im Rückblick?
Die Vorteile von „über den Tellerrand schauen“ sind weiterhin unbestritten. Gastwissenschaftler werden, je nach wissenschaftlichem Gewicht, gerne akzeptiert, allerdings auch zunehmend nach dem Prinzip „Geben und Nehmen“. Das Gastlabor erwartet für sich in irgendeiner Weise auch einen Vorteil. Die Frage „was bringt uns wie viel“ wird heute intensiver gestellt. Früher hieß es oft „you can come but bring your own money“. Letzteres ist auch heute immer noch Voraussetzung. Wichtig ist, dass die eigenen Pläne mit den aktiven Arbeitsprogrammen und der Forschungsrichtung der zu besuchenden Einrichtung kompatibel sind. Es ist nicht zu erwarten, dass eine neue Fragestellung für einen jungen Gast kreiert und mit Mitteln ausgestattet wird.
Welche Möglichkeiten wurden Ihnen durch diesen Aufenthalt eröffnet?
Im Department arbeiteten fast nur Fellows (Postdocs) aus anderen Ländern. Alle bastelten am Grundstein für die spätere Karriere an der jeweiligen Hochschule. Nicht nur die Deutschen, auch die Japaner und ein US-Kollege gelangten in den Folgejahren in leitende Positionen und die Wege kreuzen sich immer wieder. Diese „Netzwerke“ waren und sind äußerst hilfreich bei vielen meiner Projekte.
Bei einer meiner Bewerbungen, 3 Jahre nach dem US-Aufenthalt, wurden die Flexibilität, die Kontakte und der Austausch auf internationaler Ebene sehr positiv beurteilt. Die Bewerbung war erfolgreich.
An welchem Gastinstitut waren Sie? Was haben Sie dort erlernt?
Durch Vermittlung meines damaligen Mentors ging ich nach Bethesda/ Washington (USA) an das National Institutes of Health (NIH) um dort an der Molecular Disease Branch (NHLBI -National Heart, Lung, and Blood Institute) die Methodik der stabilen Isotopen-Markierung von Lipoproteinen zu erlernen. Ich plante diese Methodik nach Rückkehr einzuführen und Erkrankungen in meinem Fachgebiet (Nephrologie) damit zu untersuchen.
Allerdings stellte sich schon bald heraus, dass diese Methodik viel zu komplex und aufwändig war, um sie zu Hause zu implementieren. Zu viele Ressourcen wären notwendig gewesen, die nicht mobilisierbar waren. Ich stand kurzfristig vor dem Aus der Idee, konnte aber dann die Fragestellung umformulieren, eine andere Methodik anwenden und eine Publikation mit Erstautorenschaft (Ann Intern Med 1993;119:263-269) erzielen. Meine Arbeitskraft habe ich allerdings als sog. technische Hilfskraft für das initial abgesprochene Projekt weiter zur Verfügung gestellt.
Wie haben Sie die Entsendung damals erlebt? Was war anders als in Deutschland?
Etwas Pioniergeist war vielleicht dabei und meine Frau übernahm alle Vorbereitungen (Kinder 2 und 4 Jahre alt). Wir mussten nur unser gemietetes Haus abschließen und zogen los. Neu ankommende Familien werden in großen US-Forschungseinrichtungen sozial meist rasch integriert. Dies ist essentiell für den Partner oder die Familie, da man meist 12 Stunden im Labor forscht. Dort war es sehr vorteilhaft, sich auf das Wesentliche konzentrieren zu können, da viele Serviceeinrichtungen und Hilfskräfte die organisatorischen Aufgaben übernahmen. In Deutschland musste ein Wissenschaftler sich um jedes einzelne Detail selbst kümmern. Insgesamt empfand ich den Gastaufenthalt nicht als Entsendung, zog ich doch aus eigenem Interesse los und erwartete etwas Stimulierendes für die weitere Arbeit.
Hat Ihr Forschungsaufenthalt auch Ihre persönliche Entwicklung beeinflusst? Was gewinnen junge Mediziner Ihrer Meinung nach durch eine solche Entsendung über das Fachliche hinaus?
Die wiederkehrende Erkenntnis, dass andere auch nur mit Wasser kochen, stärkt natürlich das Selbstvertrauen. Auf der anderen Seite kann man nicht genug lernen sich im wissenschaftlichen Umfeld, bei bestehender Sprachbarriere, selbstsicher und elegant zu bewegen. Ein ähnlicher Zugewinn entsteht nach Meistern schwieriger Situationen beim Verpflanzen der Familie. Ebenfalls lernen kann man aus der entgegengebrachten Anerkennung und ganz besonders aus dem Neid. Aus allem erwächst letztendlich die Erkenntnis, dass ein Gastaufenthalt in der auswärtigen Einrichtung ein Privileg ist und kein Tag dieser Bereicherung versäumt werden sollte.
Welche bedeutenden Schritte gab es auf Ihrem wissenschaftlichen Karriereweg?
Eine gute wissenschaftliche Ausbildung mit guten Lehrern in einer exzellenten Einrichtung im frühen Stadium prägt oft ein halbes Leben. So waren initial die wenigen Monate in Universitätsspital in Zürich (klinische Studien), der Wechsel nach Freiburg (11 Jahre experimentelle Forschung) und dann die Rückkehr in die großen klinischen Trials nach Berufung nach Würzburg die interessanten Etappen.
MSD vergibt auch weiterhin jährlich Stipendien für unterschiedliche Forschungsbereiche. Welchen Rat würden Sie künftigen Stipendiaten mit auf den Weg geben?
Ein externer Kurzzeitaufenthalt ist teuer und schreckt a priori ab. Das Stipendium sollte aber als Nukleus oder Chance verstanden werden, um weitere finanzielle Ausgleiche sekundär zu erzielen (Bonusprogramme der Fakultät nutzen, Gespräche mit dem Arbeitgeber führen, "Beurlaubung" absprechen mit Einbringung von Jahresurlaub und Freizeitausgleich, steuerliche Absetzbarkeit nutzen).

Aktive Arbeit erfordert die Bewältigung der oft suggerierten klinischen Unabkömmlichkeit. Personalknappheit (seit 20 Jahren identisch), enge Dienstpläne, der Kampf, um die geplante curriculare Ausbildung zu erhalten (z. B. Nadelöhr Intensivstation), werden notorisch vorgebracht. Sind dies wirklich die hemmenden Faktoren für klinische Mediziner Stipendien nicht mehr zu beantragen oder anzutreten? Zur Bearbeitung dieser "Hindernisse" muss vor Antritt des Stipendiums entsprechend Zeit eingeplant werden.

Die Medizin wird weiblich und Kurzzeitstipendien sollten sich auch für junge Frauen eignen. Bisher sind Frauen im Stipendienprogramm noch unterrepräsentiert, aber Anschlussprogramme sind bereits an Fakultäten vorhanden (Habilstipendien für Frauen, Mentor-/Mentee-Programme).
Ein Kurzzeitstipendium kann sehr erfolgreich sein.
Hilfreiche Faktoren sind:

Kontakte des Supervisors bzw. der Arbeitsgruppe nutzen
die Fragestellung gut formulieren/vorbereiten
überlegen, was in einem begrenzten Zeitraum an einem Top-Standort realistisch machbar ist (weniger ist oft mehr)
einen Nachweis des erfolgreichen Aufenthaltes anstreben (z. B. Reviewartikel mit Gastgeber schreiben)
Kontakte knüpfen
Zuletzt empfehle ich, sich durch eine vergebliche Bewerbung nicht abschrecken zu lassen und es in Folgejahren erneut zu versuchen.
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