Außen hui, innen pfui. So schützen Sie sich vor Medikamenten-fälschungen.

Gefälschte Medikamente sind oft nicht als solche zu erkennen, bergen aber ein hohes gesundheitliches Risiko. Laut Recherchen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gelangen in Deutschland die Plagiate nahezu ausschließlich über unseriöse Versandapotheken in den Handel (Artikel).

Dieselbe Form, dieselbe Farbe, derselbe Prägedruck – gefälschte Medikamente sehen den Originalen oft täuschend ähnlich. Selbst Fachleute können sie äußerlich nicht sicher als solche identifizieren. Und noch weniger lässt sich per Augenschein beurteilen, was in den Präparaten steckt.

In jedem Fall besteht die Gefahr, dass die Inhaltsstoffe nach Art und Menge von denen des zugelassenen Medikamentes abweichen. Verbraucher müssen dann damit rechnen, dass ihre Tabletten, Dragees etc. nicht die erwünschte Wirkung haben. Bisweilen enthalten die Fälschungen sogar Substanzen, die unmittelbar schädlich sind, beispielsweise giftige Lösungsmittel.

Besonders problematisch ist, dass mittlerweile nicht mehr nur Schlankheits-, Aufputsch- und Potenzmittel nachproduziert werden. Laut dem Magazin „Deutsches Ärzteblatt" (Artikel) machen die Fälscher auch vor lebenswichtigen Medikamenten gegen HIV-Infektionen, Krebs, Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen nicht halt. Und der Vertrieb ist längst nicht mehr auf weniger entwickelte Länder beschränkt. Im Jahr 2011 wurden laut dem „Report on EU Customs Enforcement 2011“ an den Außengrenzen der Europäischen Union knapp 27,5 Millionen gefälschte Produkteinheiten (Tabletten etc.) sichergestellt, deren Warenwert bezogen auf die Originalpräparate 27,6 Millionen € entsprach.

Vorsicht bei (billigen) Online-Versandhändlern

Verbraucher in Deutschland können trotzdem auf die Qualität ihrer Medikamente vertrauen – zumindest solange sie sie über Apotheken-Ladengeschäfte oder über zugelassene Versandapotheken beziehen. Denn Einfallstor für Fälschungen sind in den allermeisten Fällen Online-Versandhändler, die die Medikamente illegal vertreiben. Nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation WHO ist bei ihnen mittlerweile jedes zweite Medikament gefälscht (Artikel). Laut dem Bericht „Arzneimittelkauf über das Internet – Vorsicht vor dubiosen Anbietern“ des Bundeskriminalamts heißt das für Verbraucher, dass sie vor allem bei online bestellten Waren sehr genau auf die Seriosität des Versenders achten sollten:

Hier ist Skepsis geboten:

  • Der Anbieter wirbt damit, Medikamente ohne Rezept zu versenden oder Rezepte online nach Ihren Angaben auszustellen. Dies ist nicht zulässig. Für ein rezeptpflichtiges Medikament benötigen Sie das von Ihrem Arzt ausgestellte Originalrezept.
  • Auf der Website des Anbieters finden sich überzogene Werbeversprechen, zum Beispiel in Form persönlicher Erfahrungsberichte.
  • Die Anbieterkennzeichnung („Impressum“) fehlt oder ist unvollständig. Wichtig sind vor allem der Name des verantwortlichen Apothekers und die zuständige Apothekenkammer.
  • Der Anbieter unterhält keine Beratungshotline. Dass eine Hotline vorhanden ist, garantiert allerdings noch nicht, dass der Anbieter seriös ist.
  • Der Anbieter beschränkt sein Sortiment auf bestimmte Produkte.
  • Der Anbieter bietet Niedrigstpreise an.

Achten Sie auf folgende Punkte:

  • Die Website des Anbieters zeigt das Sicherheitslogo des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI). Es kennzeichnet zugelassene Versandapotheken. Durch einen Klick auf das Logo können Sie die Echtheit des Zertifikats überprüfen.
  • Die Versandapotheke Ihrer Wahl wird beim DIMDI in der Übersicht der registrierten Versandapotheken geführt.
  • Gegebenenfalls können Sie auch bei der im Impressum angegebenen „Zuständigen Aufsichtsbehörde“ der Versandapotheke anrufen und sich deren Seriosität bestätigen lassen.

Ein Abwehrsystem gegen gefälschte Medikamente

Um die Sicherheit beim Vertrieb von Medikamenten weiter zu erhöhen, hat die EU 2011 eine Richtlinie zur Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen veröffentlicht. Demnach sollen Arzneimittel europaweit mit Sicherheitsmerkmalen versehen werden, die die Identifizierung und Authentizität der einzelnen Packung in der legalen Vertriebskette sicherstellen. Arzneimittelhersteller, Pharmagroßhändler und Apotheker in Deutschland arbeiten derzeit gemeinsam an einem System, mit dessen Hilfe die Richtlinie umgesetzt wird.

securPharm – so der Name des Systems – wird seit Januar 2013 in einem Pilotprojekt getestet und soll anschließend flächendeckend etabliert werden. Es sieht vor, jede Medikamentenpackung mit einem speziellen Code zu kennzeichnen. Wenn Apotheken ein solchermaßen gekennzeichnetes Medikament an einen Patienten abgeben, wird der Code eingescannt und an eine Datenbank übermittelt. Ein Abgleich bestätigt die Echtheit des Medikaments und es wird als „abgegeben“ vermerkt. Ein unbekannter oder bereits zuvor von einer Apotheke abgegebener Packungscode löst hingegen eine Meldung aus. Dieser Pilotversuch schafft eine Grundlage, um dem Patienten bei Fälschungsverdacht zukünftig eine andere, korrekte Packung auszuhändigen und dem Fälschungsverdacht nachzugehen.